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Was liegt, das pickt nicht immer: Energiekennzeichnung im Online-Handel Flop, in den Fachgeschäften Top

07.06.2013

Wie viele Energielabels prangen eigentlich schon auf den kennzeichnungspflichtigen Geräten? Dieser Frage ist die Energieagentur nachgegangen, die Stichproben in Elektrofachgeschäften, der Großfläche, Supermärkten, Möbelhäusern und zwei Online-Shops durchgeführt hat. Als Musterschüler erwies die der Elektrofachhandel, aber mehr geht freilich immer noch. Bundesgremialobmann Krejcik wünscht sich Unterstützung in Form von downloadbaren Energielabels.

In 20 Geschäften in Wien und Niederösterreich wurden über 3.500 Produkte auf die ordnungsgemäße Anbringung des Energielabels kontrolliert. Das Ergebnis: 64 Prozent waren korrekt gekennzeichnet, womit Österreich bei der Umsetzung der verpflichtenden Verbrauchskennzeichnung im europäischen Mittelfeld liegt. Der Fachhandel packt hier allerdings noch gut 20 Prozent drauf. Mit 84 Prozent an korrekt gekennzeichneten Produkten hatte man - wie in zwei vorangegangenen Stichproben - die Nase vorn. Größe und Standort spielen bei den Fachgeschäften aber offenbar eine besondere Rolle. Denn je kleiner die Verkaufsfläche und je ländlicher der Standort, desto geringer war auch die korrekte Kennzeichnung, so die Energieagentur.

Weißware hat bei Kennzeichnung die Nase vorn

 

Positiv wurde die Kennzeichnung bei TV-Geräten bewertet, die zu 76 Prozent korrekt gekennzeichnet waren. Spielverderber sind hier allerdings die Online-Shops. Inkludiert man deren Ergebnisse, sinkt der Wert sogleich auf 55 Prozent. An der Spitze der korrekt gekennzeichneten Geräte finden sich – wenig überraschend - die Waschmaschinen mit 86 Prozent gefolgt von Kühl-/Gefriergeräten mit 79 und Wäschetrocknern mit 77 Prozent. Die hohe Zahl der Kennzeichnung ist hier unter anderem darauf zurückzuführen, dass es diese Labels schon länger gibt und diese zudem wichtiges Kaufargument für den Kunden darstellen.

 
Warum nicht aus dem Web downloaden?

Dennoch würde sich Bundesgremialobmann Wolfgang Krejcik mehr Unterstützung seitens der Hersteller wünschen. „Leider sind derartige Labels nicht im Internet downloadbar, das ist in der Praxis dann schwierig für den Händler. Immerhin ist er verantwortlich gegenüber dem Gesetzgeber“, so Krejcik im Gespräch mit Elektrojournal Online. Dabei seien aber nicht nur fehlende Labels zu kritisieren, sondern auch unvollständige Informationen auf Webseiten, die aber eigentlich vorhanden sein müssten. „Selbst bei renommierten Firmen, und hier vor allem im TV-Bereich, ist es so, dass wenn man die Seiten mit technischen Daten aufruft, keine vollständigen Informationen über Energieangaben gemacht werden. Zum Beispiel ist bei einem Fernseher nicht nur der Stromverbrauch pro Sekunde, sondern auch der Jahresverbrauch anzugeben.“ Diese Liste ließe sich laut Krejcik beliebig fortsetzen.

 
Feiern nicht-europäische Hersteller fröhliche Urständ?

Woran’s liegen könnte? „Denkbar wäre, dass nicht-europäische Hersteller das Thema vielleicht nicht so ernst nehmen“, vermutet Krejcik. Was die Energie-Angaben beträfe, sei der Handel zudem den Herstellern ausgeliefert. Würde man überprüfen wollen, ob die Angaben auf einem Kühlgerät stimmen, würde das rund 10.000 Euro kosten. „Lassen Sie es mich vorsichtig formulieren: den Angaben nichteuropäischer Hersteller stehe ich manchmal recht misstrauisch gegenüber. Allerdings möchte ich das keinesfalls verallgemeinern und unsere Markenhersteller natürlich von vornherein ausschließen.“ Die Branche müsse jedoch alles darauf setzen, dass die Angaben des Energielabels dem Kunden gegenüber glaubwürdig sind. „Wenn nicht, dann haben wir ein Problem“, konstatiert Krejcik.

"Etikette am Staubsauger nicht sinnvoll"

Was anderen Geräten, wie etwa Staubsauger betrifft, erachtet Krejcik eine Kennzeichnung für nicht sinnvoll. „Man muss bedenken, dass das Produkte sind, die nicht auf längere Dauer verwendet werden. Die meisten haben ja schon Umschaltstufen mit geringerer Wattanzahl. Der Konsument saugt aber trotzdem lieber mit 2.000 Watt, weil er dem Ergebnis sonst misstrauisch gegenübersteht. Aus Sicht des Kaufverhaltens sollten wir uns auf die großen Haushaltsgeräte konzentrieren.“

 

Apropos konzentrieren: Demnächst soll das Thema Energiekennzeichnung auch verstärkt den Weg in die Berufsschulen finden. „Wir werden uns dafür einsetzen, dass dieses Thema verstärkt unterrichtet wird, denn vor allem junge Leute sind fürs Thema Nachhaltigkeit zu haben.“

 

Autor/in:
Redaktion Elektrojournal
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