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Unito rüstet sich mit Millionen-Investitionen für "digitale Revolution"

13.11.2014

Für die Versandhandelsgruppe Unito, zu der die Marken Universal, Otto und Quelle gehören, ist das Online-Geschäft längst zum täglichen Brot geworden. Kaum jemand bestellt mehr telefonisch oder per Katalog. Unito-Chef Harald Gutschi nennt das "digitale Revolution" und "Couch-Commerce" - immer mehr sitzen abends auf der Couch und bestellen online über ihr Smartphone.

Bis 2017 werde der Einkauf über mobile Endgeräte mehr als 80 Prozent des Umsatzes der Unito-Gruppe ausmachen, prognostizierte Gutschi am Mittwoch bei einem Pressegespräch. Im November erreiche das Unternehmen erstmals einen Online-Umsatzanteil von mehr als 90 Prozent. 1.400 Seiten schwere Kataloge, wie jener zum 50-jährigen Quelle-Jubiläum vor fünf Jahren, seien Geschichte. "Wir sind jetzt ein Technologieunternehmen", sagte Gutschi.

Bereits jeder zweite Österreicher kaufe bei einer der Marken des Versandhauses ein, bis 2020 solle jeder dritte Euro im Non-Food-Bereich online ausgegeben werden, während das stationäre Geschäft rückläufig sei. "Der Flächenwahnsinn rächt sich. In Österreich ist die Bereinigung bereits im Gang", so Gutschi.

Finden technische Geräte, Bekleidung, Schuhe und Bücher im Internet längst reißenden Absatz, so stehen Lebensmittel, Gesundheits- und Beautyprodukte sowie Heimwerkerartikel und Möbel noch am Anfang der "digitalen Revolution". Doch auch das dürfte sich ändern, glaubt Gutschi.

Im Zeitraum Mai 2013 bis April 2014 haben die Österreicher Waren im Wert von 6,9 Mrd. Euro über das Internet, den Versandhandel oder über Teleshopping bestellt, ermittelte die KMU Forschung Austria. Am meisten wurde für Bekleidung (1,6 Mrd. Euro) ausgegeben, gefolgt von Elektro- und Elektronikgeräten (960 Mio. Euro) und Büchern (750 Mio. Euro). Die erste Adresse für Online-Shopping ist in Österreich laut deutschem EHI Retail Institute weiterhin amazon.at (rund 343 Mio. Euro Umsatz), gefolgt von universal.at (108 Mio. Euro), zalando.at (73 Mio. Euro) und ottoversand.at (64 Mio. Euro).

Welche Rolle der chinesische Internet-Gigant und Börsenneuling Alibaba in Österreich spielt, ist noch nicht bekannt. Allein am in China gefeierten "Tag des Singles" am gestrigen Dienstag nahm Alibaba 9,3 Mrd. Dollar (7,49 Mrd. Euro) ein. Zum Vergleich: Amazon und eBay zusammen erzielten im Vorjahr beim US-Pendant "Cyber Monday" "nur" 1 Mrd. Euro.

Um im hart umkämpften Onlinegeschäft Bestand zu haben, investiert Unito allein im nächsten Jahr 15 Mio. Euro in den E-Commerce-Bereich. Die österreichischen Preise wurden an die Deutschen angeglichen, die Liefergeschwindigkeit wurde weiter erhöht. Seit Oktober liefern Universal, Otto und Quelle ab einem Bestellwert von 75 Euro kostenlos. Diese Maßnahme koste das Unternehmen über 6 Mio. Euro im Jahr. Komplett gratis zustellen will Unito aber nicht: Die Mehrheit der Bestellungen liege sowieso über 75 Euro, außerdem wolle man die Retouren klein halten, erläuterte Gutschi. Zalando kämpft aufgrund kostenloser Lieferung und Rücksendungen mit hohen Retouren.

Im Geschäftsjahr 2013/14 erwirtschaftete die Unito-Gruppe in Österreich einen Umsatz von 312 Mio. Euro. Alle Marken der Otto Group in Österreich - dazu zählen unter anderem auch SportScheck, Heine und Bonprix - kamen auf 390 Mio. Euro Umsatz. Von Österreich aus werden seit August auch die Märkte Tschechien, die Slowakei und Ungarn betreut. Gutschi sieht für diese Länder in fünf bis acht Jahren ein Umsatzpotenzial von 50 bis 100 Mio. Euro.

In den nächsten Tagen beginnt für den Versandhandel die wichtigste Zeit des Jahres. Gutschi rechnet mit einem Umsatzplus von 10 Prozent in der Weihnachtszeit. Wie im vergangenen Jahr macht er Smartphones, Tablets und Kaffeemaschinen als Verkaufsschlager aus.

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