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Spitzt auch XXXLutz auf die Elektronik? Partnerschaft mit der Kika/Leiner-Mutter

07.07.2014

In der Möbelbranche sorgt ein Deal zwischen den Konkurrenten XXXLutz und der Kika/Leiner-Mutter Steinhoff für Aufregung: XXX-Lutz-Miteigentümer Andreas Seifert will sich mit 26,5 Prozent am französischen Möbelriesen Conforama beteiligen. Conforama gehört wie Kika und Leiner zum südafrikanischen Konzern Steinhoff. XXXLutz geht’s auch um den „bedeutenden Elektroanteil“. 

"Damit beteiligen wir uns rein finanziell an einem starken Möbeldiskonter mit bedeutendem Elektroanteil in Frankreich", sagte XXXLutz-Sprecher-Thomas Salinger zur APA. Da es sich um eine reine "Finanzbeteiligung" handle und man in Frankreich keine Konkurrenz zur Steinhoff-Gruppe sei, gebe es nichts, was die Kartellhüter gegen diesen Zusammenschluss haben können. "Wir haben überhaupt keinen Einfluss auf Conforama, weder auf das Sortiment, noch sonst irgendwie", so Salinger.

 

In der Branche sorgt der Einstieg von Seifert allerdings schon für Wirbel. "Wir fragen uns schon, warum man so ein Rechtskonstrukt über ausländische Tochterfirmen wählt", sagte Christian Wimmer, Chef der Einkaufsverbände Wohn Union und Garant. "Es gibt sicher andere Finanzinvestments, die lukrativer sind", so Wimmer. Wenn Lutz nicht in sein eigenes Geschäft investiere, warum dann in den Wettbewerb.

 

Erst vor wenigen Monaten hat sich XXX-Lutz-Miteigentümer Seifert privat bei der deutschen Billigkette Poco beteiligt. Poco gehört ebenfalls zur Steinhoff-Gruppe, die heute den ersten Schritt zum Börsengang in Frankfurt gemacht hat. Für Spekulationen sorgte auch der Einsatz des ehemaligen Lutz-Managers Hermann Wieser in der Geschäftsführung von Kika/Leiner. Die Familien der Firmen Lutz und Kika/Leiner gelten als persönlich zerstritten. Im Sommer 2013 übernahm Steinhoff Kika/Leiner. Damit wurden die Karten neu gemischt.

Prüfung bei der BWB 

Der neueste Deal wurde bei der Bundeswettbewerbsbehörde (BWB) in Wien zur Prüfung angemeldet. Die HLSW GmbH beabsichtigt, eine nicht-kontrollierende Minderheitsbeteiligung von rund 26,5 Prozent der Anteile an der AIH Investment Holding AG zu erwerben, hat die BWB den Zusammenschluss am Mittwoch auf ihrer Homepage bekanntgegeben. AIH Investment ist eine Firma der Steinhoff Europa AG. HLSW ist eine Firma der XXXLutz-Gruppe. Anträge zur Prüfung im kartellrechtlichen Verfahren können bis 30. Juni gestellt werden.

 

"Ich hoffe, dass die BWB das genau prüft, sodass es zu keiner Marktverstopfung kommt", fordert Wimmer. Lutz und Kika/Leiner kommen in Österreich zusammen auf einen Marktanteil von 55 Prozent. Wimmer will den Fall auch von seinen eigenen Anwälten prüfen lassen. Er befürchtet eine unvorteilhafte Situation für österreichische Lieferanten, die ausgelistet und durch Steinhoff-Lieferanten ersetzt werden könnten.

 

Die französische Conforama-Gruppe sei der größte Möbelhändler in Frankreich und die XXXLutz-Gruppe freue sich, "in einem weiteren großen Land dabei zu sein", so Salinger. XXXLutz ist aktuell in Österreich, Deutschland, Tschechien, der Slowakei, Ungarn und Schweden sowie mit Lesnina in Slowenien, Kroatien und Serbien vertreten und hatte 2013 mit rund 19.000 Mitarbeitern einen Umsatz von 2,9 Mrd. Euro gemacht. 2010 hat XXXLutz den größten slowenischen Möbelhändler Lesnina um kolportierte 150 bis 200 Mio. Euro übernommen.

 

Die französische Conforama-Gruppe betreibt insgesamt 241 Filialen, davon 188 in Frankreich und 53 international in Spanien, Schweiz, Portugal, Luxemburg, Italien und Kroatien. Das Unternehmen erwirtschaftete 2008 einen Umsatz von 3,167 Mrd. Euro und beschäftigt 14.700 Mitarbeiter, ist auf ihrer Internethomepage zu finden. Aktuelle Zahlen liegen nicht vor.

 

Conforama ist nach eigenen Angaben weltweit die Nummer zwei bei Haushaltsausstattung und bietet unter einem Dach mit Möbeln, großen und kleinen Elektrogeräten, Freizeitelektronik, Computer und Dekorationsartikeln, alle nötigen Produkte an, um das Haus auszustatten.

Autor/in:
Redaktion Elektrojournal
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