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Sanierungsverfahren bei DiTech: Filialen werden geschlossen

10.03.2014

Computerhändler DiTech befindet sich weiter in Schwierigkeiten. Nach der massiven Expansion kam’s neuerlich zu Liquiditätsproblemen. Derzeit würden Gespräche mit Banken und einem potenziellen Investor geführt, sagt Sprecher Mario Gündl. Gründer Damian Izdebski spricht in einem offenen Brief Klartext. Er habe sich vom ersten Erfolg blenden lassen. Noch diese Woche wird ein Sanierungsverfahren eröffnet, kleinere Standorte müssen geschlossen werden.

„Ich habe mich vom Erfolg des DiTech-Konzeptes und dem damit einhergehenden Wachstum blenden lassen und unterschätzt wie wichtig es ist, dieses enorme Wachstum nachhaltig finanziell abzusichern“, räumt Unternehmensgründer Damian Izdebski heute in einem offenen Brief ein.

Ein Unternehmen der  Größe von DiTech müsse einen Lagerbestand von zirka 15 Millionen Euro haben, um die Nachfrage der Kunden bedienen zu können, meint Izdebski. Seit Sommer 2013 arbeitet DiTech allerdings mit einem Lagerbestand von lediglich fünf  bis sieben Millionen  Euro. Darum blieben täglich Aufträge liegen. Gemeinsam mit immer geringeren Margen und einer auf Wachstum ausgerichtete Kostenstruktur habe dies zu sehr großen Verlusten in den beiden letzten Jahren geführt. „Diese Entwicklung hat uns dazu gezwungen, ein Sanierungsverfahren in die Wege zu leiten, das noch im Laufe dieser Woche beim Handelsgericht Wien angemeldet wird.“

DiTech will nun kleinere Filialen schließen und auch die Logistikzentrale verkleinern. 60 bis 80 Mitarbeiter müssen gehen. Der Kreditversicherer Prisma meinte im Vorjahr, DiTech habe die Liquiditätskrise "professionell gelöst", das Unternehmen benötige aber einen Investor, "weil die Eigenkapitalbasis nicht stark genug ist." Laut Sprecher Mario Gündl wird gerade mit einem möglichen Kandidaten verhandelt.

DiTech hat 22 Standorte und 300 Mitarbeiter in Österreich. 1999 eröffnet der damals 22-jährige Izdebski ein winziges Geschäft für IT-Ware vom Computer über TV-Apparate bis zum Zubehör. Im Oktober 2013 war das stark gewachsene Unternehmen unter Druck geraten.

 

Offener Brief von Damian Izdebski im Wortlaut 

Sehr geehrte Damen und Herren, werte Kunden und Geschäftspartner, liebe Mitarbeiter und Freunde!

 

Als wir am 12. März 1999, also vor fast genau 15 Jahren, im Alter von 22 Jahren, zusammen mit meiner Frau Aleksandra die Firma DiTech gegründet haben, hatte ich die Vision eines Computerhandelsunternehmens, das auf kompetenter Beratung, exzellentem Service, sowie einem innovativen Vertriebskonzept aufbaut. Ein Unternehmen, das sowohl im stationären Handel als auch als Onlineshop erfolgreich ist und diese beiden Welten miteinander vereint. In sehr vielen Dingen waren wir damit unserer Zeit voraus und was DiTech im Bereich Vertrieb, Logistik und Marketing gelungen ist, war nicht nur einzigartig, sondern viel mehr, als ich mir je erträumt hätte.

 

Aber ich habe Fehler gemacht: Ich habe mich vom Erfolg des DiTech-Konzeptes und dem damit einhergehenden Wachstum blenden lassen und unterschätzt wie wichtig es ist, dieses enorme Wachstum nachhaltig finanziell abzusichern. Diese auf den ersten Blick überhitzte Expansion war aber keine Manie von mir und auch nicht unbegründet, denn einerseits sind wir entsprechend der Bedürfnisse unserer Kunden gewachsen und andererseits haben wir, je größer wir wurden, bessere Einkaufskonditionen bekommen, die wir an unsere Kunden weitergeben konnten. Dies hat wiederum die Nachfrage verstärkt und die Zufriedenheit der Kunden erhöht. Deshalb war die 100 Mio. Euro Umsatzgrenze erstrebenswert und notwendig. Sie verhieß völlig andere Einkaufsbedingungen und eröffnete uns den Zugang zu neuen Bezugsquellen. Parallel zum Wachstum haben wir innerhalb von nur 5 Jahren ein flächendeckendes, nationales Filialnetz aufgebaut. All unsere Kraft und Anstrengung war auf die Qualität der Beratung, die Logistik und den Verkauf konzentriert. In diesen Bereichen erhielten wir auch eine Auszeichnung nach der anderen, sei es als größter Elektronik-Onlinehändler, oder als bester Elektrohändler des Landes.

 

Geblendet vom schnellen Wachstum und den Erfolgen habe ich es verabsäumt die Finanzierung von DiTech langfristig sicherzustellen. Ein Unternehmen unserer Größe müsste eigentlich einen Lagerbestand von ca. 15 Mio. Euro haben um die enorme Nachfrage unserer Kunden bedienen zu können. Seit Sommer 2013 arbeitet DiTech allerdings mit einem Lagerbestand von lediglich ca. 5 bis 7 Mio. Euro. Die dadurch verursachten Umsatzrückgänge waren zwar nicht groß, aber verbunden mit immer geringer werdenden Margen und einer auf Wachstum ausgerichteten Kostenstruktur haben sie zu sehr großen Verlusten in den beiden letzten Jahren geführt.

 

Diese Entwicklung hat uns dazu gezwungen, ein Sanierungsverfahren in die Wege zu leiten, das noch im Laufe dieser Woche beim Handelsgericht Wien angemeldet wird. Begleitet von einem Sanierungsverwalter sowie externen Restrukturierungsspezialisten werden wir  einige, vor allem kleinere Filialen schließen und die Logistikzentrale verkleinern. Die Verwaltungsprozesse werden dadurch vereinfacht was wiederum eine Verkleinerung der Firmenzentrale ermöglicht.  In diesem Zusammenhang wird leider auch unser Team um 60 bis 80 Mitarbeiter reduziert werden müssen.

 

In Zeiten, in den ein Elektronikhändler 150 Smartphones oder Tablets verkaufen muss, damit das Monatsgehalt eines einzigen Verkaufsmitarbeiters bezahlt werden kann, werden nur Unternehmen überleben, die extrem effizient und produktiv sind. Um diese Effizienz wieder zu erlangen und alle notwendigen Sanierungs- und Restrukturierungsmaßnahmen durchzuführen bekommt DiTech drei Monate Zeit.

 

Ich habe als Unternehmer viele Fehler gemacht, bin aber von einer erfolgreichen Zukunft dieser Firma überzeugt. Immerhin verzeichnen wir aktuell einen Auftragsstand von ca. 1,5 Mio. Euro an  Bestellungen von über 2.000 Kunden, die leider nicht bedient werden können,weil die Ware fehlt. So bleiben täglich weitere 200 bis 300 Kundenaufträge liegen, die nicht ausgeliefert werden können. Alleine dieser Zuspruch, die Loyalität unserer über 500.000 Kunden und die starke Strahlkraft der Marke DiTech beweisen, dass unser Geschäftsmodell funktioniert und dass es mit der richtigen Finanzierung profitabel geführt werden kann.

 

Mein Wunsch ist es nun, dass wir trotz Sanierung so viele Arbeitsplätze wie möglich sichern können und dass all das, was für unsere treuen DiTech-Kunden einen Mehrwert bedeutet hat, der Service, die Beratung und die einzigartige Kompetenz unserer Mitarbeiter erhalten bleibt.

 

Denn Österreich braucht ein Computergeschäft wie DiTech.

 

Damian Izdebski

Gründer und Geschäftsführer von DiTech

Autor/in:
Redaktion Elektrojournal
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