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MediaMarktSaturn Österreich-Chef im Interview: „Es gibt noch Regionen, die für uns interessant sind“

20.12.2018

Csongor Nemet ist neuer Geschäftsführer von MediaMarktSaturn Österreich. Zudem verantwortet er die Ländergesellschaft in Ungarn. Mit den sich daraus ergebenden Synergien stehen für ihn die Zeichen auf Expansion – vor allem im Online-Bereich. Hier lesen Sie das komplette Interview mit Elektrojournal Online.

„Fokus liegt ganz klar auf der Verzahnung aller Vertriebskanäle“

Elektrojournal: Sie verantworten nun die Länder Ungarn und Österreich. Dadurch sollen Synergien genützt werden. Können Sie das etwas konkreter erklären?
Csongor Nemet: MediaMarktSaturn ist Europas führendes Handelsunternehmen für Consumer Electronics und in Österreich seit fast 30 Jahren erfolgreicher Marktführer. In Ungarn ist MediaMarkt ebenfalls führend im Elektro- und Elektronikfachhandel, wir haben dort insbesondere im E-Commerce sehr viel erreicht. Wir nutzen unser fundiertes Wissen künftig um unsere Position in beiden Ländern zu manifestieren und auszubauen.

Ist das Branchenumfeld in Ungarn und Österreich denn vergleichbar?
Der Bedarf an modernen und innovativen Elektro-Geräten steigt stetig, das ist in beiden Märkten gleich. Die kulturellen Gegebenheiten der beiden Länder sind vergleichbar und können daher teilweise mit den gleichen Strategien effizient bedient werden. Es gibt aber dennoch Besonderheiten, die sich in dieser neuen, engeren Zusammenarbeit anhand positiver Synergien äußern.

Gerade in Sachen E-Commerce hieß es lange, dass MediaMarktSaturn den Online-Zug verschlafen hätte. Läuft das Multichannel-Konzept in Österreich so, wie Sie es sich vorstellen, oder werden Sie hier ein paar Schrauben anziehen?
Unser Fokus liegt ganz klar auf der Verzahnung aller Vertriebskanäle, und der Erfolg gibt uns Recht. Laut unserer Saturn Technikstudie macht das Multichannel-Konzept für 86 Prozent der Befragten ein Geschäft attraktiver.

Wie viel Prozent des Umsatzes generiert MediaMarktSaturn Österreich derzeit mit dem Online-Shop?
Wir forcieren die nahtlose Verbindung der Geschäfte mit Online-Angeboten und legen im E-Commerce laufend zu. Wir sind online sehr erfolgreich, wir wachsen überdurchschnittlich und wir gehen davon aus, dass sich dieser Trend weiter fortsetzen wird.

Glauben Sie aber, sind die großen Flächen im Zeitalter des Internets noch zeitgemäß? Werden Sie vielleicht künftig auf kleinere Flächen oder reine Abholshops setzen?
Individuelle, professionelle Beratung und ein haptisches Erleben der Produkte sind im Elektronikhandel extrem wichtig, dies bestätigt auch unsere Saturn Technikstudie. Zum Beispiel kaufen rund acht von zehn der Befragten ihre Waschmaschine, den Kühlschrank oder den Tiefkühler bevorzugt im stationären Handel, unsere Läden sind also sehr wichtig. Wir werden regional auf die optimalen Verhältnisse von Größe und Angebot setzen um die Bedürfnisse aller Kunden bestens zu treffen. So wird es auch künftig die kompakten Märkte ebenso wie die bekannten großen Stores in Österreich geben.

Okay, aber wie wird Ihre Handschrift strategisch in Österreich aussehen? Können Sie uns schon etwas Konkretes über Ihre Pläne verraten?
Nachdem man in Österreich einen enorm erfolgreich funktionierenden Markt vorfindet, braucht es keine grundlegende Änderung der Strategie. Die Innovationskraft, die einen großen Teil des Erfolgs von MediaMarktSaturn ausmacht, wird weiterhin stark forciert. Hier gibt es immer wieder genug Möglichkeiten, auch meine persönliche Note einzubringen.

Ihr Vorgänger, Florian Gietl, ist nach Deutschland befördert worden. Das heißt, er hat in Österreich gute Arbeit geleistet. Macht es dieser Umstand für Sie vielleicht schwieriger, „Ihre persönliche Note“ umzusetzen?
Ich respektiere Herrn Gietl und die Arbeit, die er innerhalb seiner langen Karriere bei MediaMarktSaturn hier in Österreich geleistet hat, in höchstem Maße, und bin stolz, ihm zu folgen. Er hat einen großen Teil zum Erfolg von MediaMarkt und Saturn beigetragen, er hat perfekte Verkaufs- und Marktkonzepte umgesetzt und gepflegt. Die Dynamik unserer Branche und die Innovationskraft unseres Unternehmens werden unabhängig davon weiterhin eine Vielzahl von neuen Chancen bieten um eigenen Ideen einzubringen – die ich mit einem starken Team umsetzen werde.

In Ungarn gibt es die Marke Saturn nicht mehr. Ist es für Sie ein theoretisch denkbares Szenario, die Zweimarken-Strategie auch in Österreich aufzugeben?
MediaMarkt und Saturn sind Marktführer im österreichischen Elektronikhandel mit MediaMarkt als Nummer 1, gefolgt von Saturn. Saturn zeichnet sich darüber hinaus als Innovationsführer aus: 2018 haben wir mit Saturn Express den europaweit ersten kassafreien Consumer Electronics-Store in Innsbruck präsentiert. Zehntausende Besucher aus der ganzen Welt nutzten das Angebot und 85 Prozent der Kunden empfehlen das Konzept. Saturn fördert und testet innovative Konzepte und ist für viele Menschen in Österreich der beliebteste Elektronikhändler.

Vor allem im Raum Wien gibt es doch sehr viele Saturn- und Media Markt-Märkte, die sich natürlich auch konkurrieren. Stehen Standorte in Österreich zur Disposition?
Wir evaluieren unsere bestehenden Standorte laufend und sind mit der Entwicklung bei allen sehr zufrieden. Das heißt, unsere Zeichen stehen auf Expansion – primär online, zusätzlich gibt es auch in Österreich noch Regionen, die für uns interessant sind.

Können Sie vielleicht verraten, wo Sie sich neue Standorte vorstellen können? Oder wo vielleicht ein neuer Standort bereits geplant ist?
Wir werden uns dazu melden, sobald es konkrete Neuigkeiten gibt.

Über Media Markt und Saturn ist vor allem in Deutschland in den letzten Monaten viel geschrieben worden. Auch eine Gewinnwarnung gab es. Wie sehen Sie das Unternehmen in Österreich für 2019 aufgestellt?
Wir sind in Österreich seit fast 30 Jahren Marktführer und enorm erfolgreich. Unsere nahtlose Verbindung des stationären Handels mit den Online-Angeboten entspricht den Bedürfnissen der Konsumenten in der digitalen Welt. Wir sind in ständigem Austausch mit den Kunden und haben gerade in der letzten Zeit spannende Initiativen und neue Kooperationen – etwa mit den Stadtwerken Klagenfurt und AlpinEnergie Austria, mit der Bawag oder mit Red Bull Mobile – gestartet. Ich bin überzeugt, dass wir gut für 2019 aufgestellt sind.

Wenn dieses Interview erscheint, geht das wichtige Weihnachtsgeschäft gerade in die finale Phase. Aus heutiger Sicht Anfang Dezemeber: Wie glauben Sie, wird es für MediaMarkt und Saturn in Österreich verlaufen?
Der Auftakt des Weihnachtsgeschäftes mit dem Black Friday ist gut verlaufen, das Quartal an sich lässt sich heute aber noch nicht beurteilen. Wir erwarten jedenfalls bis Weihnachten noch große Nachfrage in allen Sortimentsbereichen – und auch zu den neuen Services wie etwa Startklar: Hier werden Produkte wie Smartphones, Computer oder Spielekonsolen benutzungsfertig aufgesetzt und übergeben. Das kommt auch zu Weihnachten sehr gut an.

Wie stehen Sie zu Rabatttagen wie dem Black Friday? Es gibt bekanntlich Kritik daran, das Weihnachtsgeschäft gleich mit Rabatten zu beginnen. Schließlich soll Gewinn am Ende übrigbleiben.
Der Black Friday ist mittlerweile gelernt und hat in der Elektro- und Elektronikbranche seit langer Zeit eine große Bedeutung für die Kunden. Da die Bedürfnisse unserer Kunden Priorität haben, wollen wir dem Wunsch nach Aktionen und Schnäppchen am Black Friday nachgehen und werden an diesen besonderen Rabatttagen festhalten.

Bei Media Markt und Saturn wurde lange rein über den Preis Werbung betrieben. Seit längerem wird nun aber auch das Service-Thema medial forciert. Ist das ein Spagat, den ein Unternehmen gehen kann? Oder anders gefragt: Wie wollen Sie Media Markt und Saturn zwischen preiswert und serviceorientiert glaubwürdig positionieren?
Für uns schließt das eine das andere nicht aus, sondern ganz im Gegenteil. Wir haben ein sehr großes Sortiment, Kunden können bei uns Produkte aus unterschiedlichen Preiskategorien auswählen und bekommen on top noch super Beratung und können nach dem Kauf aus zusätzlichen Serviceleistungen auswählen. Dass unsere Services sehr gut ankommen, bestätigt die steigende Nachfrage – von Lieferservices über Installationen bis zur Sofortreparatur für Smartphones. Auch die Startklar-Services sind sehr beliebt – hier werden Produkte „ready-to-use“ eingerichtet, etwa Computer, Smartphones oder auch Spielekonsolen.

In der Schweiz wurde ein Media Markt zu einem Erlebnis-Tempel umgestaltet. Können Sie sich solche Konzepte auch für die österreichischen Häuser vorstellen?
Wir sind ständig auf der Suche nach neuen Trends und innovativen Konzepten für unsere Kunden und sind auch bereit dahingehend zu investieren. Saturn Express ist ein sehr gutes Beispiel. Hier haben wir bei Saturn in Innsbruck in einem Pilotprojekt das kassafreie Bezahlen getestet. Wir entwickeln bereits neue, spannende Erlebniswelten für das kommende Jahr.

Media Markt und Saturn sind jetzt auch Stromanbieter. Gibt es vielleicht noch andere Geschäftsfelder, neben dem klassischen Elektrohandel, die für das Unternehmen interessant sind? Haben Sie vielleicht sogar konkrete Überlegungen, neue Geschäftsfelder ins Unternehmen zu integrieren?
Ziel ist es, in allen Servicebereichen – vor, während und nach dem Produktkauf – beste Lösungen mit marktführenden Partnern anzubieten. Dabei sind wir bestrebt, unser Serviceangebot laufend zu erweitern und zu verbessern, um eine möglichst hohe Servicequalität zu garantierten. Da sich die Bedürfnisse der Kunden ändern, sind wir neuen Kooperationen und innovativen Ideen gegenüber aufgeschlossen und evaluieren laufend die Möglichkeiten.

Autor/in:
Alexander Zechmeister
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