Direkt zum Inhalt

Media-Saturns Auftrag an die Marktleiter: „Als Platzhirsch positionieren.“

26.07.2013

Öffentlich plaudern die Chefs der Media-Saturn Holding nur selten über ihre strategischen Überlegungen. Zumindest in Deutschland ist es nun Redakteuren von Die Welt gelungen, ein umfangreiches Interview mit Wolfgang Kirsch zu führen. Kirsch ist einer der acht MSH-Geschäftsführer und spricht über Multichannel-Strategien, Lieferanten und Platzhirsch-Ansprüche.

Wolfgang Kirsch ist seit 2008 Teil der MSH-Geschäftsführung. Als Chief Operations Officer Online verantwortet er die deutsche Landesgesellschaft der Media-Saturn Unternehmensgruppe deren CEO er auch ist. Sein Auftrag an die Geschäftsführer der einzelnen Märkte: „Sich als absoluter Platzhirsch in der Region zu positionieren und zu behaupten. Es gibt ja nicht nur die Online-Welt. Wir dürfen nicht aus den Augen verlieren, dass immer noch 80 Prozent des Geschäfts stationär gemacht werden.“

Jeder fünfte Euro wird online gemacht. Natürlich, die Multichannel-Strategie des Filialisten habe Folgen für Markleiter. Aufgrund der heutigen Transparenz des Marktes sei die Preisfreiheit der einzelnen Marktleiter deutlich eingeschränkt. Ansonsten hätten die Geschäftsführer der einzelnen Märkte allerdings viel Spielraum, vom Einkauf über regionale Aktionen bis hin zur Aufstellung des Sortiments, meint Kirsch. Dass intern die Marktleiter wegen der Multichannel-Pläne auf die Barrikaden steigen, das sei vorbei. Ganz im Gegenteil. „Alle Geschäftsführer sehen das Konzept als große Bereicherung ihres Geschäfts und als Riesenchance, ihre Märkte zu positionieren“, sagt Kirsch zu Die Welt. Das Geschäftsmodell für eine dezentrale Struktur sei gefunden.

Das letzte Fünkchen Sicherheit

 

Ware im Internet bestellen und im Markt abholen, scheint bei Verbrauchern hoch im Kurs. „Das machen ganz viele unserer Kunden. Mittlerweile sind es mehr als 40 Prozent der Käufe, die online bestellt und stationär abgeholt werden – mit steigender Tendenz und mit steigendem Umsatz.“ Viele Kunden würden noch das letzte Fünkchen Sicherheit haben wollen, bevor sie ein Produkt kaufen. Sie wollen das Produkt in die Hand nehmen, sich beraten lassen und wissen, dass es da einen Menschen gibt, den sie anrufen können. „Häufig erleben wir auch, dass sich Kunden online ein Produkt aussuchen, dann aber abbrechen, sich das Produkt reservieren lassen und es erst im Laden kaufen.“

Zukunft der Fläche

Multichannel wird also immer wichtiger. Das ist nicht neu. Was bedeutet das für die Flächen? In Österreich erwarten etwa die Standortberater von RegioPlan Consulting, dass es in sechs Jahren im Elektrohandel um satte 25 Prozent zu viel Fläche geben wird. Elektrojournal berichtete in der Ausgabe 7-8 2013. Die starke Expansion, vor allem im Raum Wien, sorgte in den letzten Jahren bei einigen Branchen-Akteuren für Kopfschütteln. MSH Österreich-Chef Frank Kretzschmar meinte zuletzt, dass die Media-Saturn-Expansion zumindest vorläufig auf Eis gelegt ist.

Müssen aber bei zu viel Fläche in den nächsten Jahren Märkte geschlossen werden? In Deutschland sind Schließungen jedenfalls kein Thema. Ganz im Gegenteil: „In den kommenden zwei oder drei Jahren dürften jährlich zehn neue Märkte hinzukommen.“ Auch gebe es derzeit keine unbedingte Notwenigkeit, die Flächen zu verkleinern.

 

Druck auf Lieferanten? „Ich fühle mich überhaupt nicht schlecht.“  

Zusammengelegt sind weitgehend die Verwaltungen von Media Markt und Saturn. Arbeitsplätze hätte das aber nicht gekostet, betont Kirsch. „Zumal wir noch reichlich Leute für den Ausbau des Multichannel-Geschäftes brauchen. Auch wenn dann vieles aus einer Hand kommt: Media Markt und Saturn werden als zwei eigenständige Marken bestehen bleiben. Wir werden das Profil eher noch schärfen. In welche Richtung das geht, kann ich hier und heute noch nicht verraten.“ Redcoon wird als dritte Marke und als Online-Pure-Player positioniert. „Wir stimmen uns hier nicht ständig ab, jeder muss sich in seinem Markt behaupten.“

Redcoon kam erst kürzlich ins Gerede, da Media-Saturn mit Größe und Marktmacht versuchte, bessere Einkaufskonditionen bei den Lieferanten herauszuschlagen. Für Kirsch sei es legitim, dass man als Unternehmen, das drei Marken betreibt, „von einem Lieferanten erwartet, dass er alle drei Marken adäquat bedient. Ich fühle mich dabei überhaupt nicht schlecht. Es gibt andere Händler, die ihre eigenen Online-Portale bedienen, obwohl sie es eigentlich gar nicht dürften. Wir hätten auch unsere Lager öffnen und Ware an Redcoon verkaufen können, haben wir aber nicht. So wie wir mit den Lieferanten von Media Markt und Saturn seit 30 Jahren partnerschaftlich zusammenarbeiten, so wird das auch bei Redcoon der Fall sein.“

Autor/in:
Redaktion Elektrojournal
Werbung

Weiterführende Themen

Branche
23.06.2014

Die Geschäftsführung von Media Markt und Saturn weist angesichts der heutigen Gewerkschaftskritik darauf hin, bereits eine Reihe von Maßnahmen gesetzt zu haben. Dem Dialog mit der GPA stehe man ...

Branche
23.06.2014

Die Gewerkschaft kritisiert die Arbeitssituation bei Media Markt und Saturn heftig. Sie fordert Betriebsratswahlen und besseren Arbeitsbedingungen. Ihre Forderungen untermauert sie mit den ...

Branche
23.06.2014

Media-Saturn überlegt, Amazon nachzueifern und die Preise mehrmals täglich zu verändern. So will der Elektronikhändler gezielt auf Angebot und Nachfrage reagieren können. Erste Tests laufen.

Branche
16.06.2014

Das österreichische Kartellgericht hat wegen Preisabsprachen im Elektronikhandel Geldbußen von insgesamt 1,63 Mio. Euro gegen drei Unternehmen verhängt. Einen Großteil davon muss die Media-Saturn ...

Branche
28.05.2014

Die Schlammschlacht um die Macht bei Media-Saturn ist spätestens seit Minderheitseigner Erich Kellerhals im Alleingang einen neuen MSH-Chef sucht, endgültig zur Posse geworden. Jetzt setzt Metro ...

Werbung