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Tobias Metsch

Ledvance Österreich-Chef Tobias Metsch: „Wir entwickeln uns konsequent weiter“

04.11.2020

Das Elektrojournal sprach mit Ledvance Österreich-Chef Tobias Metsch über die Auswirkungen der Corona-Krise auf das Licht-Business, die sich daraus sogar ergebenden Chancen, die nachhaltige Rückkehr auf die Erfolgsspur und die ewige Kostenfrage. Hier nun das Interview in voller Länge.

Das Jahr 2018 war schwierig für Ledvance, inzwischen hat der Licht-Profi aber wieder auf die Erfolgsspur zurückgefunden – daran kann auch eine Pandemie nicht rütteln. Trotz schwieriger Rahmenbedingungen schafft man es immer wieder, seine Innovationen auf den Markt und zu seinen Partnern zu bringen. Und sogar mehr noch: Durch die Pandemie eröffnen sich laut Tobias Metsch sogar neue Chancen. Sei es nun in Sachen höherer Energieeffizienz (sprich schnell realisierbare Einsparungen für Unternehmen) oder im inzwischen allgegenwärtigen Home Office. Fürs letztere Thema hat Ledvance auch bereits die passenden Pfeile im Köcher.

2018 hatte Ledvance ein hartes Jahr – heute, zwei Jahre später, hat man das Gefühl, dass man wieder zurück in die Erfolgsspur gefunden hat. Deckt sich dieser Eindruck auch mit der wirtschaftlichen Entwicklung des Unternehmens? Wie steht Ledvance jetzt da?

Metsch: Der Eindruck trügt auch nicht. Nach der Trennung von Osram und der damit verbundenen Neuausrichtung des Unternehmens haben wir anstrengende Zeiten hinter uns. Der Weg führte klar weg von der Eigenfertigung mit einer extrem hohen Fertigungstiefe, die uns früher als Lampenhersteller sicherlich ausgezeichnet hat. Früher haben wir den Wolframdraht für Glühlampen selbst gezogen, hatten einen eigenen Maschinenbau und ein Glaswerk. Eine so hohe Fertigungstiefe ist in der Welt des digitalen Lichts und der LED aber kein wesentlicher Wettbewerbsvorteil. In der LED-Fertigung oder beim Zusammenbau elektronischer Teile spielt der Maschinenbau nicht mehr so die riesige Rolle. Deswegen haben wir das Unternehmen konsequent in Richtung Innovation, Operational Excellence, Supply Chain sowie Sales und Marketing weiterentwickelt. Ich denke, das ist die ganz große Überschrift unserer Transformation.

Reduzierte Fertigungstiefe ist ein gutes Stichwort. Corona hat ja auch die internationalen Lieferketten vor große Herausforderungen gestellt. Hatten bzw. haben Sie derzeit Probleme mit Zulieferern aus Asien?

In den ersten Wochen der Corona-Krise ging es vor allem darum, wie die Supply Chain funktioniert. Wir hatten den großen Vorteil, dass wir ein sehr starkes Setup in China haben. Dadurch konnten wir die Krise ganz gut meistern und sind ohne nennenswerte Verknappung über die Zeit gekommen. Im Februar und März konnten wir eine starke Zunahme der Nachfrage erfahren, das war jene Zeit, in der sich jeder gefragt hat, ob die Hersteller noch liefern können. Dementsprechend hoch war aber hinterher der Knick, als sich das Angebotsproblem zu einem Nachfrageproblem entwickelt hat. Als in vielen Betrieben Kurzarbeit anstand oder manche Baustellen gar nicht mehr betrieben werden konnten, entwickelte sich eine Nachfrageproblematik.

Aber der Baubereich stand in Österreich ja nie still?

Stimmt, in Österreich ist es weitergelaufen, in vielen Teilen Europas war das aber nicht so. Glücklicherweise gehören unser Vertriebsnetz über den Großhandel und Elektriker zu den systemrelevanten Bereichen. Trotzdem waren beim Großhandel viele Abholshops geschlossen. Und auch viele große gewerbliche Kunden, wie Hotels, Gastro oder Messen, hatten plötzlich ganz andere Probleme, als sich um ihre Beleuchtung zu kümmern.

Wie ist es Ledvance seit Mitte März ergangen?

Wir hatten eine anstrengende Zeit, aber ich denke, wir haben das Beste aus der Krise gemacht. Wir haben nicht damit aufgehört, Innovationen und Produktneuheiten auf den Markt zu bringen. Es ist nur schade, dass wir diese Produkte nicht zeigen konnten – die Light + Building hätte uns sicher gut getan. Zusätzlich gibt’s inzwischen auch ein zunehmendes Interesse an neuen Produkten, wie etwa UV-C zur Entkeimung. Durch Corona ist das nochmals richtig modern geworden, obwohl es eigentlich eine altbewährte Technologie ist. Wir bringen in diesem Jahr übrigens die ersten Produkte in diesem Bereich auf den Markt.

Apropos neue Produkte. Geht Ledvance weg von der Hardware und eher in Richtung Lösungsanbieter?

Im Grunde ist es beides. Die Hardware bietet immer noch die Grundlage für unsere Lösungen, aber beides wird zunehmend durch Software, Sensorik und intelligente Konzepte ergänzt. Das ist ja genau der Vorteil, den uns die LED als digitales Licht bietet.

Geht mit dem Technologiewandel auch eine neue Preisdiskussion einher? Wird vom Markt stärker auf Kosten geschaut?

Es ist sehr interessant, wenn man sich heute mal anschaut, was eine Halogen-Glühlampe gekostet hat, als es sie noch im Regal gab und diesen Preis dann mit den aktuellen LED vergleicht. Da gibt’s keinen Unterschied mehr. Die Vorteile der LED landen ganz klar beim Endverbraucher, die lange Lebensdauer, die hohe Energieeffizienz usw. Das alles ist nicht im Preis in der Wertschöpfungskette hängen geblieben, sondern wurde in den letzten Jahren durch ein stetiges Sinken der Herstellungskosten getrieben. Die Chips werden immer effizienter, und so brauche ich auch immer weniger Energie, um die gleiche Menge Licht zu produzieren. Ein kleiner Vergleich: Laptops kosten beispielsweise immer so um die 1.000 Euro. Und diese werden von Jahr zu Jahr besser. Bei LED-Chips ist es auch so, dass sie Jahr für Jahr besser werden, aber deswegen brauche ich nicht mehr Licht. Letztendlich sinkt also der Komponentenwert. Ich denke, hier muss man mit intelligenten Konzepten etwas entgegensetzen, und da spielt Lichtsteuerung eine wichtige Rolle. Sei es bei HCL oder beim Thema Smart Home, wo wir uns jetzt mit Bluetooth-, Zigbee- und WiFi-Ansteuerungsmöglichkeiten breit aufstellen. Oder sei es im professionellen bzw. gewerblichen Bereich zum Thema IoT mit unserem Lichtsteuersystem Vivares.

Werden solche Systeme eigentlich von Kunden nachgefragt, oder muss man diese mit der sprichwörtlichen Nase darauf stoßen?

Ich sage mal es ist Push & Pull. Das Interesse an diesen Lösungen ist vorhanden, aber wir müssen die Marktteilnehmer und Kunden darüber informieren, dass es diese Technologien gibt. Insbesondere der Wohnbereich bzw. das Smart Home hat jedes Jahr zweistellige Wachstumsraten. Die Vorteile der Vernetzung erzeugen beim Kunden dann einen Pull-Effekt, wenn er merkt, wie komfortabel eine solche Lichtsteuerung ist. Eine wesentliche Rolle spielt da aber zweifellos die Aufklärungsarbeit über Schulungen, Messen oder Veranstaltungen. 

Zum Thema Nachfrage: Konnten Sie unmittelbar nach dem Lockdown einen Aufholbedarf erkennen?

Es wird besser, aber es ist nicht so, dass es einen enormen Rückstau gab. Derzeit merkt man eher eine Zurückhaltung bei Projekten, die Entscheider sind sehr vorsichtig. Darum bin auch fürs letzte Quartal zumindest mal verhalten optimistisch. Es ist extrem schwer, Prognosen abzugeben, weil die Situation nach wie vor sehr diffus und unklar ist.

Ziemlich klar ist, dass Home Office weiterhin im Trend liegen wird? Ist das ein Vorteil für Ledvance?

Der Trend zum Home Office ist in der Tat gut für uns, da auch dessen Ausstattung eine wichtige Rolle spielt. Und da zählt eine gute Beleuchtung nun mal dazu. Wir haben gerade eine Studie veröffentlicht, nach der sich 74 Prozent der Befragten eine bessere Ausstattung wünschen und 40 Prozent glauben, dadurch produktiver zu sein. Da arbeiten wir gerade an einem neuen Konzept, dass auch bald in die Vermarktung gehen wird. Unser Ziel ist es, den Mitarbeitern auch im Home Office eine gute Beleuchtung anzubieten. Mit Biolux HCL haben wir einen Formel 1-Wagen im Rennstall, der mit allem ausgestattet ist, was heutzutage machbar ist. Da spricht ja nichts dagegen, dieses System auch im Home Office einzusetzen.

Kann man daraus schließen, dass es Biolux HCL blad auch in einer kleineren Home-Version geben wird?

Das ist sicher der richtige Weg. Wir sind mit einem System gestartet und jetzt dabei, dieses um andere Anwendungsgebiete zu erweitern – und eines davon wird der Home Office-Bereich sein.

HCL ist ja schon länger ein Thema. Ist es jetzt soweit in den Markt vorgedrungen, dass die Leute wissen, was das ist?

Es ist ein junges Thema, aber es wird zunehmend populärer. Wenn Sie mich jetzt aber nach einer Marktdurchdringung fragen, dann wird diese vermutlich in einem einstelligen Bereich liegen. Die realisierten Projekte sind noch sehr überschaubar. Ich denke, da braucht es noch sehr Aufklärungsarbeit, um den Nutzen und die Wirkung von HCL zu transportieren. Das Bewusstsein für gutes Licht muss in jedem Fall in die Chefetage.

Seit 2018 sitzen Sie in der Chefetage von Ledvance Österreich. Wie hat sich das Unternehmen seitdem entwickelt?

Wir sind sehr zufrieden mit der Entwicklung, insbesondere was die Steigerungen in unserem neuen Geschäftsfeld Leuchten angeht. Das haben wir ja erst 2016 angefangen und seitdem kontinuierlich weiterentwickelt. Natürlich haben wir auch hierzulande mit einem Rückgang im traditionellen Lampenbereich zu tun, dem normalen Marktrückgang durch den Technologiewandel. Unser Ehrgeiz muss nun sein, diesen Rückgang zu überkompensieren. Mehr LEDs zu verkaufen, als wir beim traditionellen Thema verlieren. Das ist uns bislang auch gut gelungen, durch Corona war das zweite Quartal aber ein herber Dämpfer. Wir werden 2020 aber mit einem blauen Auge davonkommen. Betrachtet man das Gesamtbild, sind ja nicht nur die Produkte wesentlich, sondern auch die Frage, wie wir uns im Vertrieb aufstellen und diesen weiterentwickeln. Vom konventionellen Lampengeschäft hin zum Lichtexperten mit der Betreuung des Großhandels und anderen Projektplayern – bis hin zum Elektrotechniker und den Elektroinstallateuren. Genau diese Weiterentwicklung haben wir in den vergangenen Jahren konsequent betrieben. Wir werden den Standort Österreich auch weiter ausbauen. Es ist für uns ein extrem interessanter Standort, an dem wir viele Ressourcen für die DACH-Region bündeln. Da investieren wir natürlich gerne.

Autor/in:
Christian Lanner
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