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Eine Abmantelmaschine mit eingelegtem Kabel.

Lapp: Neues Verfahren um PUR-Leitungen einfach abzumanteln

04.08.2016

Die entwickelten Kabelserien Ölflex-408 and -409P für raue Umgebungen basieren auf einem speziellen Konzept und weisen verschiedene Vorteile für den Installateur auf.

Die Ölflex-Kabelserien 408- und 409P.

Kabel und Leitungen müssen manchmal viel aushalten. Beispielsweise überall dort, wo raue Umgebungsbedingungen und Verarbeitungsprozesse im Innen- und Außenbereich eine hohe Kerb-, Schnitt- und Abriebfestigkeit erfordern oder auch in besonders öligen Maschinen- und Anlagenbereichen sowie bei niedrigen Temperaturen oder unter UV- oder Sonnenlicht. In solchen Anwendungsfällen geraten Leitungen mit herkömmlichem PVC-Außenmantel schnell an ihre Belastungsgrenzen. Wo Kabel hart im Nehmen sein müssen, werden deshalb in der Regel PUR-Leitungen verwendet. Die Mantelmischungen aus widerstandsfähigem Polyurethan sorgen für die nötige Robustheit und Langlebigkeit.

Allerdings ist die manuelle und maschinelle Verarbeitung dieser PUR-Kabel für den Heavy-Duty Einsatz deutlich schwieriger. In der Regel wird im Produktionsprozess einer Anschluss- und Steuerleitung der Mantelkunststoff unter hohem Druck „auf Pressung“ über den Aderseilverband extrudiert. Dabei werden die Zwischenräume, die sogenannten Zwickel, zwischen den Adern der äußeren Verseillage komplett mit Mantelmaterial ausgefüllt. Bei robustem, schnittfestem und kerbzähem Polyurethan-Material können die damit ausgefüllten Zwickel das Abmanteln des Außenmantels erschweren, da diese beim Einschneiden des runden Mantels nicht von der Klinge erfasst werden können. Die Messereinstellung des Bearbeitungsautomaten muss deshalb ganz genau justiert werden, um den Außenmantel möglichst tief einzuschneiden. Nicht selten kommt es jedoch vor, dass hierbei die Aderisolation beschädigt wird. Wird andererseits nicht ausreichend tief geschnitten, besteht die Gefahr, dass die Mantelhülle beim Absetzen Fäden zieht, ausfranst oder durch die hohen Zugkräfte unkontrolliert abgerissen wird, weil die Messer an der Manteloberfläche abrutschen und unverrichteter Dinge entlang schaben. Die Folge sind dann oft aufwändige manuelle Nachbearbeitung, Maschinenstillstand sowie vermeidbarer Materialausschuss, was zusätzlich Zeit und Geld kostet.

Um dies zu vermeiden, hat Lapp die Steuerleitungen Ölflex-408P und -409P mit erhöhter mechanischer und chemischer Beständigkeit für raue Einsatzbedingungen aufgelegt, die durch eine integrierte zwickelfüllende Funktionsschicht auf Spezial-PVC-Basis ein sicheres Abmanteln ermöglichen. Dafür hat Lapp ein Produktionsverfahren entwickelt.

Bei der Mantelproduktion der Ölflex-408P und -409P wird eine Koextrusionstechnik angewandt, die den abriebfesten und kerbzähen Polyurethan-Außenmantel mit einer weiteren zwickelfüllenden Funktionschicht aus Spezial-PVC verbindet. PUR und PVC besitzen unterschiedliche Material- und Reißdehnungseigenschaften. Der Polyurethan-Mantel ist chemisch und mechanisch belastbar und verschafft dadurch der Leitung ein breites Anwendungsgebiet. Die darunterliegende Funktionsschicht aus Polyvinylchlorid dient als Zwickelfüller sowie Puffer zwischen Außenmantel und Aderverseilung und wirkt durch verbessertes Ein- und Abreißverhalten typischen Problemen bei der Mantelbearbeitung entgegen. Die Einschnitt-Tiefe kann dadurch zum Schutz der Aderisolation reduziert werden. Fädenziehen, ausgefranste Mäntel und mangelhaft verarbeitete Leitungsstücke gehören so der Vergangenheit an. Das Trennen und Abziehen des Mantels – sei es maschinell oder manuell - ist somit deutlich einfacher und leichter.

Der Anwender profitiert laut Lapp von mehreren Vorteilen: Verbesserte Abmanteleigenschaften, Reduzierung von Aderisolationsschäden, weniger manuelle Nachbearbeitung und verminderter Materialausschuss. Dadurch ergibt sich eine Zeit- und Kostenersparnis.

Die graue Ölflex-408P mit VDE-Registrierung eignet sich für den Maschinenbau. Sie ist abriebfest und kerbzäh, erhöht ölbeständig, hydrolyse- und mikrobenbeständig und kälteflexibel bis minus 15 Grad Celsius. Die für den nordamerikanischen Markt konzipierte Ölflex-409P mit schwarzer Mantelfarbe hat ähnliche Features und ist flammwidrig nach internationalen IEC, UL und CSA Flammtests. Beide Leitungen besitzen die zwickelfüllende Funktionsschicht und sind somit auch eine Alternative für Konfektionäre, die in möglichst kurzer Zeit viel Abmanteln müssen.

Das Leitungsdesign und die zugesicherten Eigenschaften der Ölflex-Polyurethan-Leitungen wurden vom VDE-Prüfinstitut beziehungsweise dem US-amerikanischen UL-Labor (Unterwriters Laboratories) überprüft und zertifiziert. Die Produkte unterliegen einer Fertigungsüberwachung, um Qualität zu sichern.

(Der Text basiert auf Unterlagen von Frank Hörtnagl, Produktmanager bei U. I. Lapp)

Autor/in:
Redaktion Elektrojournal
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