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KSV1870: Keine Konjunktur ohne Pleitenanstieg

21.10.2015

Noch gehen die Insolvenzen in Europa und in den USA weiter zurück – auch aufgrund der niedrigen Zinsen. Springt die Konjunktur einmal an, brächte das die Unternehmen jedoch unter Druck. 

In Westeuropa setzt sich der Trend zu rückläufigen Insolvenzzahlen weiter fort. 2014 sind die Zahlen im Vergleich zu 2013 im Durchschnitt um 5,5 % zurückgegangen. Im ersten Halbjahr 2015 beläuft sich der Rückgang auf 4,1 % – dieser hat sich damit etwas verlangsamt. Jedenfalls gilt: Europa bräuchte zur Sicherung des Wohlstands dringend ein nachhaltiges Wachstum.

Formal weisen West- wie auch Mittel- und Osteuropa, so der KSV1870, Rückgänge, auf. Die Durchschnittswerte dürfen aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Insolvenzbilder von Land zu Land sehr verschieden sein können. Manche wickeln nur große Fälle von Zahlungsunfähigkeit über ein Insolvenzverfahren ab (Spanien) – und wenn Griechenland nur einige hundert Insolvenzen aufweist, dann weil dort ein Regime herrsche, das mit unserem nicht vergleichbar sei.

Hans-Georg Kantner, Leiter Insolvenz KSV1870: „Es wird nicht verwundern, dass jene Länder, die nach 2008 durch das größte Stahlbad gegangen sind, mittlerweile mit den größten Rückgängen an Insolvenzen punkten können: da gehört Spanien dazu (minus 25 % im 1. HJ 2015 nach minus 29 % im Jahr 2014) und Irland (minus 19 % nach minus 15 % 2014). Auch die Niederlande als Export- und Handelsnation gehören in diese Gruppe: minus 17 % nach minus 19 % 2014. Alle anderen wichtigen westeuropäischen Länder verzeichnen weiterhin Rückgänge an Insolvenzen. Vor allem Deutschland als die europäische Exportlokomotive weist immer noch ein Minus von 3,9 % (nach minus 7,3 % im Jahr 2014) auf. Einzig Dänemark tanzt aus der Reihe mit einem satten Plus von 28 % gegenüber einem Minus von 19 % in 2014.“ In Dänemark wurde freilich im Vorjahr eine Novelle des Insolvenzrechts vorgenommen.

Zentral- und osteuropäische Reformstaaten

Nicht gänzlich überraschend erscheint ein fast 30%-iges Plus an Insolvenzen in Ungarn, das, so der KSV1870, in den vergangenen Jahren kaum eine Gelegenheit verabsäumt habe, ausländische Investoren abzuschrecken und schon im Land operierende Unternehmen mit ausländischen Hintergrund zu behindern. Im Durchschnitt weisen die Staaten Mittel- und Osteuropas insgesamt ein Minus an Insolvenzen von 8,3 % im Jahr 2014 auf.

Ausblick auf 2015

Mit historisch einmalig niedrigen Zinsen, die auch noch einige Zeit auf gegenwärtigem Niveau verbleiben dürften, und auch exemplarisch niedrigen Energiepreisen wird die Wirtschaft der entwickelten Industrieländer, so der KSV1870, weiterhin eher sinkende Insolvenzzahlen aufweisen.

Doch solle dieses Bild nicht vorschnell zu Euphorie verleiten: Erst nachhaltiges Wachstum könne dazu führen, die Position der OECD-Länder zu festigen und den Wohlstand auch zu erhalten. Und dieses Wachstum wird voraussichtlich die Zinsen zu einem „normalen“ Niveau bringen und im Gefolge auch die Insolvenzen wieder ansteigen lassen. 

Autor/in:
Redaktion Elektrojournal
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