Direkt zum Inhalt

KSV: Zombie-Unternehmen verzerren massiv den Wettbewerb

23.09.2020

Die Analyse der Unternehmensinsolvenzen zeigt auch nach einem weiteren Quartal post Corona-Shutdown ein unverändertes Bild: Durch Verschleppung der Insolvenzen kam es in den ersten drei Quartalen zu einem massiven Insolvenz-Rückgang von rund 32 %. Die Passiva hingegen sind um über 100 % auf 2,7 Mrd. gestiegen.

Die daraus resultierende Konsequenz ist eine Wettbewerbsverzerrung, deren Ausmaß weiterhin nicht greifbar im Dunklen liegt. Die größte Gefahr dabei ist, dass gerade auch „gesunde Firmen“ ins Verderben (mit-)gezogen werden.

Waren es 2019 noch 3.808 Insolvenzen, vermelden die ersten drei Quartale 2020 nur noch 2.583 Unternehmenspleiten. Dies ist ein Rückgang von 32,2%. Wird dieser Trend fortgeführt, bedeutet das auf das Jahr 2020 hochgerechnet ein Minus von rund 46% bzw. rund 1.300 Insolvenzen weniger als 2019. Dass diese Zahlen der Beweis für eine unberechenbare Ausnahmesituation ist, sieht man besonders an den betroffenen Dienstnehmern. Obwohl es 2019 bedeutend mehr Insolvenzen gab (mit 12.200 betroffenen Dienstnehmern), haben 2020 rund 13.700 Dienstnehmer auf Grund einer Insolvenz ihre Arbeit verloren. „Die Situation am Arbeitsmarkt zeigt uns deutlich, dass die heimische Wirtschaft vor einer gesamtstrukturellen Herausforderung steht, die es in den Griff zu bekommen gilt. Der erster Schritt sollte hier die Rückkehr zu dem bewährten österreichischen Insolvenzwesen sein“, so Karl-Heinz Götze, Leiter Insolvenz des Kreditschutzverband von 1870.

Corona-Maßnahmen nach dem Gießkannen-Prinzip

Die skizzierte Situation hat die österreichische Wirtschaft den sogenannten „Corona-Maßnahmen“ zu verdanken. Waren diese dafür gedacht Unternehmen, denen der verordnete Lockdown massiv geschadet hat, zu unterstützen, geht der Schuss nach hinten los: „Anstatt betroffene Firmen, die eine Zukunft vor sich haben, zu helfen, werden damit „kranke“ Unternehmen künstlich am Leben gehalten und ziehen damit tragischerweise auch noch gesunde Firmen ins Verderben. Durch ein Ende dieser Gießkannen-Maßnahmen könnte jedoch jetzt noch Schlimmeres verhindert werden“, erklärt Götze.

2021: Nullrunde für Gläubiger

Durch eine anhaltende Verschleppung wird es 2021 zu massiven Insolvenzen kommen. Die aktuelle Situation zeigt schon jetzt, dass es sich dann aber um viele nicht sanierungsfähige Firmen handeln wird. Dies hat zur Konsequenz, dass sich Gläubiger nächstes Jahr vermehrt mit Null-Quoten konfrontiert sehen werden. „Der KSV1870 appelliert an all jene Unternehmer, deren Firmen aktuell in Schieflage sind, sich frühzeitig für eine Insolvenzanmeldung zu entscheiden. Damit wird die Chance auf eine Sanierung und somit für einen gesunden Neustart gewahrt“, so Götze abschließend.

Werbung

Weiterführende Themen

Pfarrwaller: "Während andere nun wieder aus dem Corona-Nebel auftauchen, waren wir nie weg."
Branche
26.06.2020

Viele Unternehmen waren in den vergangenen Monaten damit konfrontiert, ihren Betrieb in einem Umfeld strikter Maßnahmen am Laufen zu halten. Auf der einen Seite sollte die Sicherheit der ...

Branche
25.06.2020

Seit mehr als 100 Tagen befindet sich Österreich im Corona-Krisenmodus, der Weg zurück zur „Normalität“ ist ein steiniger. Wie es den heimischen Händlern geht hat der Handelsverband in einer ...

Fachkräftemangel trotz Corona: Jedes vierte Unternehmen auf Talente-Jagd
Branche
11.06.2020

Der Kampf um die besten Köpfe scheint trotz Corona kein Ende zu nehmen: Das zeigt eine Umfrage der Job-Plattform StepStone gemeinsam mit der Employer-Branding-Agentur identifire unter mehr als 360 ...

E-Technik
09.06.2020

WKÖ-Scheichelbauer-Schuster: Unterstützungspaket für Österreichs größte Arbeitgebersparte ist dringend nötig – Gewerbe und Handwerk brauchen starke Impulse.

Branche
09.06.2020

94 Prozent der Firmen haben mit den wirtschaftlichen Folgen von Covid-19 zu kämpfen. Bei einem Drittel der Unternehmen steigen die Umsätze inzwischen allerdings wieder an. Das Zahlungsverhalten ...

Werbung