Direkt zum Inhalt
Krejcik steht ob seiner Rampenverkäufe in der Kritik.

Kottan ermittelte: Krejcik hat jetzt gehörig Ärger mit seinen Rampenverkäufen

06.04.2020

Von einem kuriosen Fall der Umgehung der Corona-Gesetze hat am Freitag das Ö1-Mittagsjournal berichtet. Demnach hat ausgerechnet Bundesgremialobmann Wolfgang Krejcik mit einem Rampenverkauf heimlich Elektrogeräte ab Hof verkauft. Krejcik behauptete, dass dies legal sei, das Gesundheitsministerium ist allerdings anderer Ansicht.

Ein Detektiv hatte am 1. April einen Testkauf in Krejciks Wiener Geschäftslokal getätigt. „Von einer kontaktlosen Abholung konnte natürlich keine Rede sein, beim Verladen wurde kräftig von Mitarbeitern mitgeholfen und weiters konnte der Testkäufer beobachten, dass einem älteren Herrn, also der Risikogruppe zugehörig, ein Kopfhörer vor dem Geschäftslokal des Spitzenfunktionärs der WKO verkauft wurde“, berichtete Michael Dohr von der Anwaltskanzlei Sommerbauer & Dohr.

Dohr kritisierte, wenn sich eine Interessenvertretung beziehungsweise der Obmann seiner Handelssparte nicht einmal selbst an die gesetzlichen Vorgaben halte, es aber von seinen Mitgliedern verlangt werde, dann herrsche von der WKO Erklärungsbedarf. Krejcik behauptete im „Mittagsjournal“, dass der Rampenverkauf legal sei. „Ein Rampenverkauf ist, dass Geräte ausgefolgt werden, wenn erstens alle Sicherheitsmaßnahmen eingehalten werden, wenn das nicht im Geschäftslokal erfolgt und wenn hier alle Abstände et cetera eingehalten werden", so Krejcik in der ORF-Radiosendung. Jedenfalls habe er kraft seines Amtes entschieden, dass Rampenverkauf zulässig sei, sagte der Spartenobmann, und das habe er auch allen 15.000 Mitgliedern so kommuniziert.

Anwalt Dohr konterte, dass dies nicht stimme. Seinem Mandanten sei von der Wirtschaftskammer ein Rampenhandel ausdrücklich verboten worden. Dohr sieht auch das Gesundheitsministerium in der Pflicht, das Gesetz sei zu unscharf formuliert. Zudem sah sich Krejcik in seiner Vorgehensweise bestätigt, weil der Gesetzgeber in der Nacht auf Freitag beschlossen habe, die Abholung von Speisen bei Gaststätten ausdrücklich zu erlauben, solange diese nicht vor Ort konsumiert würden und auch die vorgeschrieben Abstände eingehalten würden. Das müsse wohl auch für andere Betriebe gelten, glaubt Krejcik.

Der ebenfalls im „Mittagsjournal“ befragte Clemens Auer vom Gesundheitsministerium widersprach dieser Auslegung und stellte klar: „Im Falle des Elektrohandels ist es klar, dass es ein Betretungsverbot des Verkaufsraums gibt und in dem Fall verlagert sich dann der Verkaufsraum auf die Rampe - also das ist ziemlich eindeutig, dass das nicht gestattet ist“, so Auer.

Auch eine Auslegung, dass es außerhalb des Verkaufsraums stattfinde, ließ Auer nicht gelten. „Das ist ein Kundenbereich, um es ganz präzise zu sagen ..., das Betreten des Kundenbereichs ist nicht – und das ist das 'Wording' in der Verordnung – gestattet. Und in dem Fall verlagere ich ja nur von 'indoor' auf 'outdoor'.“ In der Gastronomie und für einen Würstelstand wäre bei einer Vorbestellung eine Abholung unter Einhaltung der Sicherheitsabstände aber möglich.

Etwaige Lockerungen für andere Bereiche als die Lebensmittelbranche werde es eventuell nach Ostern geben. „Wir werden diese Dinge alle sehr, sehr sorgfältig bedenken. Aber im Augenblick sind die Lockerungen, die da jetzt durch die neue Verordnung gekommen sind, ausschließlich in diesem Bereich Lebensmittel zu verstehen“, präzisierte Auer.

Autor/in:
APA – Austria Presse Agentur / Redaktion
Werbung

Weiterführende Themen

Branche
09.06.2020

94 Prozent der Firmen haben mit den wirtschaftlichen Folgen von Covid-19 zu kämpfen. Bei einem Drittel der Unternehmen steigen die Umsätze inzwischen allerdings wieder an. Das Zahlungsverhalten ...

Branche
19.05.2020

Die IFA 2020 wird vom 3. bis 5. September als dreitägige Veranstaltung mit enger Teilnehmerbegrenzung stattfinden. Dabei wird man sich vollständig auf die B2B-Kernfunktionen der IFA konzentrieren ...

Branche
19.05.2020

Im ersten Quartal 2020 zeigt der Markt für technische Konsumgüter einen Rückgang von 1,6 Prozent im Umsatz. Zu beachten ist hier allerdings, dass die Zahlen von der Corona-Krise durch ...

Branche
19.05.2020

Auch wenn die Corona-Maßnahmen nach und nach gelockert werden, das Gebot des Abstandhaltens und der damit einhergehenden Festlegung einer maximal zulässigen Kundenanzahl dürfte für Geschäfte noch ...

Die Staatshilfe ist unter Dach und Fach, jetzt sollen auch die Lieferanten zahlen.
Branche
14.05.2020

Die Coronakrise hat auch die Media-Saturn-Mutter schwer gebeutelt. Einen Nettoverlust von 309 Mio. Euro steht im zweiten Quartal des Geschäftsjahres 2019/20 (Ende März) zu Buche. Die Lieferanten ...

Werbung