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Mit Ende dieser Woche steht das Loewe-Werk in Kronach still.

Insolvenz in Eigenregie gescheitert: Loewe stellt Betrieb ein

25.06.2019

Nachdem die Gläubiger dem insolventen TV-Hersteller weitere Darlehen verweigern wird Loewe mit Ende dieser Woche den Betrieb einstellen. Dessen ungeachtet soll die Investorensuche aber weitergehen, heißt es in einer Mitteilung der Geschäftsführung. Die Gewerkschaft beschuldigt jetzt einen Finanzinvestor, Loewe „vorsätzlich ausbluten“ zu lassen.

„Wir sind daher aus insolvenzrechtlichen Gründen zum Schutz unserer Gläubiger verpflichtet, den Geschäftsbetrieb voraussichtlich zum 01. Juli 2019 vorläufig bei geringster Kostenlast ruhend zu stellen“, erklärte Geschäftsführer Ralf Vogt. Mehr als 400 Beschäftigte bangen nun um ihre Arbeitsplätze, die meisten von ihnen werden im Juli auch kein Gehalt mehr bekommen. Löhne und Gehälter sind nämlich nur noch bis Ende Juni im Rahmen des Insolvenzgelds sichergestellt.

„Wir haben den Mitarbeitern heute in der Betriebsversammlung mitgeteilt, dass sie zum 1. Juli freigestellt werden, bis auf eine Kernmannschaft, um den Investorenprozess voranzutreiben", sagte der vorläufige Insolvenzverwalter Rüdiger Weiß am Dienstag auf Anfrage. Er wurde erst am Montag vom Amtsgericht Coburg bestellt. Die Kernmannschaft bezifferte der Bayreuther Rechtsanwalt auf zehn bis fünfzehn Mitarbeiter.

Die Krise des Traditionsunternehmens hat sich damit dramatisch verschärft. Weiterlaufen soll die Suche nach einem Investor, der das Unternehmen retten könnte. Bisher war bei Loewe eigentlich ein Insolvenzverfahren in Eigenregie geplant, damit hätte Vogt weiter die Geschicke des Unternehmens lenken können. Bei dem nun eingeleiteten regulären Insolvenzverfahren verliert das Management die Kontrolle über das Unternehmen.

Zudem gibt es bereits einen schweren Konflikt mit der IG Metall. Die Gewerkschaft war am Montag auf Konfrontationskurs gegangen und hatte das Vorgehen der Geschäftsführung scharf kritisiert. „Die IG Metall ist entsetzt über die aktuellen Entwicklungen“, hatte der bayerische Bezirksleiter Jürgen Horn gesagt und bereits vor der Stilllegung gewarnt. Ein bei Unternehmenskrisen sehr ungewöhnliches Vorgehen der einflussreichen Gewerkschaft, das allerdings auf das Ausmaß des Konflikts schließen lässt.

Vorwurf: Finanzinvestor will Loewe ausbluten lassen

Horn macht den britischen Finanzinvestor Riverrock verantwortlich: Laut IG Metall hat Riverrock Loewe bereits mit einem zweistelligen Millionendarlehen ausgeholfen, ist nun aber nicht bereit, einen weiteren Kredit zu geben. „Es deutet einiges darauf hin, dass der Finanzinvestor Riverrock abwartet, bis Loewe endgültig ausgeblutet ist, um erst danach mit den Trümmern des Unternehmens Geld zu verdienen", hatte Horn in seiner Stellungnahme gesagt. Eine Reaktion von Loewe oder Riverrock auf die Kritik gab es zunächst nicht.

Die Geschäftsführung hatte noch ein Zukunftskonzept ausgearbeitet, aus dem hervorgeht, dass eine Fortführung der Produktion in Kronach unwahrscheinlich ist, auch wenn Loewe gerettet werden kann: Demnach ist das Konzept „auf die Kernkompetenzen in den Bereichen Vertrieb, Marketing, Produktdesign und R&D (Forschung und Entwicklung) fokussiert“. Von der Herstellung der Fernsehgeräte ist nicht die Rede.

Autor/in:
APA – Austria Presse Agentur / Redaktion
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