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„Ich habe den Eindruck, die Politik will nur noch Konzerne in diesem Land“

09.02.2017

Wolfgang Brandstetter von Expert Oberklammer ist Staatsmeister der Jungelektrotechniker. Damit sorgt ein weiterer Lehrling des Fachbetriebs für Aufsehen bei den Skills. Im aktuellen Print-Elektrojournal erklärt Chef Karl Oberklammer, was er von der Lehrlingsausbildung in Österreich hält. Im zweiten Teil der der Story spricht der E-Profi über Konzerne, Politik und die zerstörerische Geiz-ist-Mentalität.

Die Karten im Steuer-Poker sind nicht gleich verteilt, ärgert sich Karl Oberklammer, Geschäftsführer der Elektro-Oberklammer GmbH aus Waydhofen/Ybbs. Die großen Konzerne, die würden es sich richten und den Steuersitz schnellmal so verlegen, bevor die Finanz bei ihnen anklopft. Völlig legal, versteht sich. „Die Rechnung zahlen die Kleinen. Sie werden im Gegenzug auf Teufel komm raus gestraft, damit das Budgetloch gestopft werden kann." Und wenn das Geld trotzdem nicht reicht, dann würden in den öffentlichen Diskussionen populistisch Schuldige präsentiert. Zum Beispiel Flüchtlinge. "Aber das ist ein Blödsinn. Wir fahren in Österreich bereits seit einigen Jahren in Richtung Wand. Ich habe den Eindruck, die Politik will nur noch Konzerne in diesem Land. Offenbar sind sich Politiker nicht darüber bewusst, was es bedeutet, wenn es keine KMU mehr gibt.“

Er selbst dürfe sich eigentlich nicht beschweren, sagt Oberklammer. Er habe sein ganzes Leben in der „innovativste und schönste Branche der Welt“ gearbeitet. Das Geschäft mit der Elektrotechnik laufe derzeit sehr stark, auch der Handel passe. Oberklammer will aber noch heuer in Pension gehen und das Geschäft an die nächste Generation weitergeben. Und gerade im Sinne der Jungen müssten die Verantwortlichen schleunigst einige Fehlentwicklungen korrigieren. „Ich befürworte einen starken Sozialstaat. Der muss aber auch finanziert werden. Das heißt, Unternehmer müssen verdienen können und die großen Konzerne ihren Teil abführen. Aber das begreifen die Politiker nicht.“ Zum Verdienen braucht es freilich stabile Preise, derzeit herrsche aber ein Geiz-ist-geil-Mentalität vor, die der Branche auf kurz oder lang auf den Kopf fallen werde. „Und wenn die Spanne fällt, wo spart man? Beim größten Brocken, der Dienstleistung, womit wir beim Thema Mitarbeiterführung und Qualität sind.“

Autor/in:
Alexander Zechmeister
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