Direkt zum Inhalt

Himmelhoch jauchzend, zu Tode betrübt: Die Futura 2013 und die ewige Frage nach der Besucherfrequenz

23.09.2013

„Wir liegen auf dem Niveau des Vorjahres", meinte Gerhard Perschy, themenverantwortlicher Leiter des Geschäftsbereichs Messe bei Reed Exhibitions, im Elektrojournal Online-Gespräch am letzten Messetag. Wenige Stunden später sollte ihm zumindest die offizielle Besucherzahl Recht geben: 8.425 Fachbesucher (2012: 8.498) tummelten sich an den vier Tagen im Salzburger Messezentrum. „Zumindest" deswegen, weil die Messe-Aussteller in Sachen Besucherfrequenz ziemlich geteilter Meinung sind.

Erfreulicherweise aber auch nur in Sachen Besucherfrequenz. Fragt man nämlich nach der Qualität der Fachbesucher, so wurde diese eigentlich durch die Bank gelobt. „Die Qualität der Fachbesucher ist unbestritten. Jene Händler, die kamen, wussten auch warum sie nach Salzburg fahren. Nur leider sind heuer nicht gerade viel Händler nach Salzburg gekommen", bezweifelt etwa ein nicht unwesentlicher Kleingeräte-Hersteller die offiziellen Zahlen. Bereits im Verlauf der Messe wurden – erstaunlicherweise Hallen- und Branchenunabhängig – immer öfters Stimmen laut, wonach die Besucherfrequenz „am Rande zum Desaströsen" sei. „Wenn man es hier auf Neukunden-Akquise angelegt hat, konnte man gleich wieder nach Hause fahren. Schade, denn eigentlich mag ich die Futura. Im nächsten Jahr werden wir zwar vermutlich wieder mit dabei sein, dann allerdings auf einer erheblich verkleinerten Ausstellungsfläche", so ein gar nicht mal so kleiner Aussteller aus Halle 10.

"Das war's dann für uns..."

Weniger diplomatisch drückt's ein anderer - für den Elektrofachhandel sehr bedeutender - Aussteller aus. "Für uns war's das, im nächsten Jahr sind wir sicher nicht mehr mit dabei. Für das Geld, das uns der Messeauftritt kostet, können wir ein ganzes Jahr lang mit Werbung in den Medien vertreten sein."
  
Das Gefühl einer rückläufigen Besucherfrequenz bescheinigt der Messe auch BSH-Chef Pascal Javet – seine Wortwahl ist dabei allerdings nicht ganz so drastisch: „Zwar ist die Besucherfrequenz im Vergleich zum Vorjahr gesamt etwas zurückgegangen, doch die Zahl unserer Kunden- und Händlerkontakte ist gleich hoch geblieben. Wir sind zufrieden, dass wir an den vier Messetagen zahlreiche wichtige Gespräche führen konnten." An der herbstliche Branchenmesse will er jedenfalls festhalten: „Die Futura ist für uns eine unverzichtbare Leitmesse, deren Konzept sich Jahr für Jahr bestätigt."

Durchwegs Positives hört man auch aus der Hifi-Ecke, die heuer überhaupt stark vertreten war. Beispielhaft dafür ist etwa die Meinung von Novis Österreich-Chef Jodok Kaufmann: „Wir können uns nicht beschweren. Das Interesse der Besucher bzw. Händler an unseren Produkten war groß und wir konnten auch gute Aufträge schreiben. Aus meiner Sicht war auch die Besucherfrequenz Okay, sieht man mal von den eh schon bekannten Zeiträumen ab, wo’s mitunter doch recht einsam war."

Fix ist jedenfalls: laut offizieller Zählung des Messeveranstalters kamen 8.425 Besucher zur 15. Auflage der Branchenmesse. „In dieser Zahl nicht berücksichtigt wurden Aussteller und Standhilfen, die ja eine eigene Eintrittskarte hatten", erklärt Reed-Pressesprecher Paul Hammerl. „Auch wurde jeder Besucher nur einmal gezählt, womit auch Wiedereintritte aus der Statistik rausfallen." Stark sei der Sonntag verlaufen, an dem es unter anderem einen BMW 1er zu gewinnen gab. Wie viele Verkäufer es an "ihrem" Sonntag nach Salzburg gezogen hat, kann derzeit übrigens noch nicht gesagt werden, weil diese Zahl erst „aus den Rohdaten rausgefiltert werden muss", so Hammerl. Man darf also gespannt sein.

Futura 2014 in der internationalen Messe-Zange

Mindestens ebenso klar ist allerdings auch, dass die diesjährige Futura in den kommenden Monaten noch für zahlreiche Diskussionen innerhalb der Branchen-Foren sorgen wird. Selten waren nämlich die Meinungen zum Thema Besucherfrequenz derart gespalten wie heuer - völlig unabhängig davon, welche Bedeutung der jeweilige Aussteller für den Elektrofachhandel hat. Und auch die Diskussion rund um den - ohnehin schon recht späten - Messe-Zeitpunkt dürfte reichlich Zündstoff parat halten, zumal im kommenden Jahr auch wieder eine Photokina ansteht, die von 16. bis 21. September 2014 in Köln über die Bühne gehen wird. Zur Erinnerung: die nächstjährige IFA läuft von 5. bis 10. September 2014.   

Autor/in:
Redaktion Elektrojournal
Werbung

Weiterführende Themen

Niehoff: "IFA ist Steilvorlage fürs Weihnachtsgeschäft."
Hausgeräte
16.09.2019

„Der Umsatz ist bei fast allen sehr gut, die Gespräche waren qualitativ hochwertig, die Besucherzahl vergleichbar zum Vorjahr.“ Die IFA-Bilanz von Berthold Niehoff, Vorsitzender von ProBusiness, ...

"Viele Händler waren neben finanziellen Einbußen auch persönlich sehr betroffen, dass ihre Bemühungen mit einem Federstrich quasi als wertlos eingestuft worden sind"
Branche
05.12.2018

Ende 2017 kündigte Sonos fast sämtliche Händlerverträge mit österreichischen Unternehmen. Dadurch hätten viele Händler finanzielle Einbußen erlitten, ihre Arbeit mit der Marke sei als wertlos ...

Multimedia
05.12.2018

Die für Mai 2019 geplante Photokina wurde abgeblasen. Die Vorlaufzeit wäre doch zu kurz gewesen. Die nächste Ausgabe der weltgrößten Fotomesse soll ein Jahr später, im Mai2020 über die Bühne gehen ...

"Die IFA ist das 'Smart Home' für die digitale Welt." Messe-Berlin-Chef, Christian Göke.
Multimedia
30.08.2018

Die Technik-Messe IFA startet optimistisch in ihre nächste Ausgabe. Mehr als 1.800 Aussteller werden von Freitag an ihre neuesten Produkte ...

Ab 31. August sind wieder alle Kameras auf das Messegelände Berling gerichtet.
Branche
28.08.2018

Mit der IFA steht in Deutschland wieder das alljährliche Messe-Highlight der Unterhaltungselektronik-Branche in Berlin an. Während das Geschäft zuletzt ...

Werbung