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Fachkräfte-Mangel: WKO-Präsident Leitl will Techniker aus angeschlagenen EU-Staaten rekrutieren

13.06.2012

Fachkräfte-Mangel ist kein neues Problem. Einen neuen Lösungsansatz stellt aber WKO- Präsident Christoph Leitl vor. Er will Fachkräfte aus den europäischen "Rettungsschirm-Ländern" rekrutieren. Ein Pilotprojekt mit Spanien gab’s bereits. Ganz ausgegoren wirkt der Ansatz jedoch nicht.

In Österreich leidet jedes fünfte Kleinunternehmen und jeder zweite mittlere Betrieb am Fachkräfte-Mangel. Insgesamt fehlen Österreichs Unternehmen rund 30.000 Fachkräfte, die nicht aus dem "heimischen Nachwuchs" besetzt werden können. WKÖ-Chef Christoph Leitl und Friedrich Steinecker, Marketingleiter der Außenwirtschaft Österreich (AWO), schlagen deshalb in Zusammenarbeit mit dem AMS vor, notwendige Fachkräfte aus den finanziell angeschlagenen EU-Staaten zu rekrutieren. "Dabei geht es in erster Linie um technische Berufe, wie Maschinenbau oder Elektrotechnik", sagt Steinecker.

 

Firmen können künftig über die WKÖ auf einer B2B-Website Jobangebote schalten. Die AWO der WKÖ bewirbt die Rekrutierungs-Events vor Ort in Kooperation mit den lokalen Handels- und Wirtschaftskammern, Universitäten, Fachhochschulen und Ausbildungszentren. Die Firmen treffen sich anschließend mit verheißungsvollen Kandidaten zu Vorstellungsgesprächen. Wird man sich einig, könnte die Fachkraft für drei Jahre nach Österreich kommen, meint Leitl. Die Details handeln die Unternehmen aber selbst aus. Ein Pilotprojekt gab’s bereits mit vorarlberger Unternehmen in Spanien. Dieses soll ab Herbst auf Portugal, Griechenland und Irland ausgeweitet werden. 

 

Wie den Normen-Dschungel bewältigen?

 

Der Ansatz bringt einige Fragezeichen mit sich. Schließlich sind gerade in Branchen wie der Elektrotechnik unzählige nationale Normen zu beachten. Wann und wie junge Elektrotechniker aus Spanien, Portugal oder Irland die Normen für Österreich erlernen sollen, ist nicht klar. Das birgt die Gefahr mit sich, dass diese Fachkräfte hierzulande zu Hilfskräften degradiert werden und der Fachkräfte-Mangel unverändert akut bleibt. „Das glaube ich nicht. Die Normen sind nicht so unterschiedlich, dass Fachkräfte aus anderen EU-Ländern nicht auch in Österreich arbeiten könnten“, befürchtet Steinecker dieses Problem jedoch nicht.    


Rot-Weiß-Rot-Karte

 
Seit Juli 2011 gibt es bereits die Rot-Weiß-Rot-Karte, mit der qualifizierte Fachkräfte aus den Drittsaaten gefischt werden sollen. Bis Ende Februar 2012 wurden vom AMS 58 positive Gutachten für eine Karte für Techniker für Maschinenbau und Elektronik ausgestellt. Darunter waren sieben Personen, die explizit die Berufsbezeichnung Elektrotechniker tragen.

Leitl möchte außerdem mit finanziellen Anreizen erreichen, dass Facharbeiter freiwillig ihren Pensionsantritt verschieben.


„Politik muss Bild ändern“

 

Im kommenden Elektrojournal 6/2012 lesen Sie über den Mangel bei Servicetechnikern. „Das Bild des Service-Technikers, aber allgemein von Berufen, die mit einer Lehre verbunden sind, ist gesellschaftlich nicht besonders hoch angesehen. Die öffentlichen Diskussionen drehen sich um die Matura und um mehr Studienplätze“, sieht Michael Haas, Serviceleiter der Vaillant Group Austria GmbH, die Politik in der Pflicht. An der gesellschaftlichen Akzeptanz müsse die Politik verstärkt arbeiten.

Autor/in:
Redaktion Elektrojournal
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