Direkt zum Inhalt
Deutschland und Österreich gehen beim Strompreis bald ihre eigenen Wege.

„Einige wenige Euro pro Kilowattstunde Mehrkosten.“

22.11.2017

Die Strompreiszonen-Trennung zwischen Deutschland und Österreich im kommenden Jahr soll die Preise nur moderat ansteigen lassen, glaubt IHS-Chef Kocher. Der Ökostrom soll von der Entwicklung profitieren.

Die Trennung der gemeinsamen deutsch-österreichischen Strompreiszone ab 1. Oktober 2018 wird in Österreich zu einem Preisanstieg führen, der aber moderat ausfallen und für die Haushalte kaum spürbar sein wird - darüber waren sich die Experten beim "EAA-Energie Talk" der EnergieAllianz Austria am Dienstagabend einig.

 "Das wird einen Preiseffekt haben. Es ist absehbar, dass die Strompreise in Österreich im Schnitt etwas hochgehen und in Deutschland etwas sinken werden - der Effekt wird in Deutschland geringer sein als in Österreich - allerdings werden die Größenordnungen nicht dramatisch sein", sagte der deutsche Energieexperte Christoph Maurer. Seiner Ansicht nach wird die Verteuerung in Österreich "einige wenige Euro pro Megawattstunde" betragen, "eine kleine einstellige Zahl".

Wenig Auswirkungen auf Wirtschaft

Simulationsrechnungen würden auf einen Preisunterschied von 1 bis 3 Euro je Megawattstunde (MWh) beim Großhandelspreis hindeuten, sagte der Chef des Instituts für Höhere Studien (IHS), Martin Kocher. Das bedeute für die österreichischen Abnehmer eine Belastung von 100 bis 300 Mio. Euro pro Jahr. Allerdings würden nach Einschätzung der Wirtschaftskammer von diesen 300 Mio. Euro etwa 225 Mio. Euro von der Wirtschaft zu tragen sein. Für einen österreichischen Haushalt mit einem Verbrauch von 5 MWh pro Jahr werde es keine extreme Belastung geben.

 Kocher verglich die Belastung für die Wirtschaft in Höhe von 225 Mio. Euro mit der Lohnsumme. "Wenn man schaut, um wie viel müsste der Lohn für jeden Mitarbeiter steigen um die gleiche Belastung zu haben, dann sprechen wir von 0,1 bis 0,2 Prozentpunkten." Das seien überschaubare Kosten, daher erwarte er keine kurzfristigen Auswirkungen auf die österreichische Wirtschaft, sagte Kocher. Es könnte allerdings energieintensive Bereiche mit stärkeren Auswirkungen geben, "da kann es durchaus zu Wettbewerbsproblemen kommen".

Ökostrom: Rentabilität steigt

Die Abwicklungsstelle für Ökostrom rechnet durch die Preiserhöhung eine Entlastung für Ökostrom, "weil wir weniger Zuschüsse brauchen", so OeMAG-Vorstand Horst Brandlmaier. Eine Auswirkung könnte auch sein, dass alte, weniger rentable Kraftwerke wieder marktfähig werden. Wind, Photovoltaik und Kleinwasserkraft könnten bei Preisen zwischen 50 und 60 Euro je MWh, wie es sie bis 2008 gegeben habe, bereits marktkonform Strom erzeugen.

Ökobilanz ganz leicht verbessert

Die Experten gehen auch davon aus, dass durch die Trennung der Strompreiszone die CO2-Mengen in Österreich leicht steigen und jene in Deutschland leicht sinken werden. In Deutschland sei die Stromerzeugung vergleichsweise günstig und daher werde auch viel exportiert, sagte Maurer. Allerdings werde in Deutschland auch Strom aus Braunkohle erzeugt. Wenn nun die Kapazität nach Österreich beschränkt werde, dann werde man in Österreich mehr Energie in eigenen fossilen Kraftwerken erzeugen müssen. Der Nettoeffekt auf den CO2-Ausstoß in Deutschland und Österreich zusammen werde leicht reduzierend sein, glaubt Maurer, insgesamt sei die Größenordnung aber im Hinblick auf die Klimaziele bedeutungslos.

Autor/in:
APA – Austria Presse Agentur / Redaktion
Werbung
Werbung