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„Eine Stadt ohne Handel ist fad“

17.09.2013

Zahlreiche Verbesserungen für den Handel fordert der Handelsverband von der nächsten Regierung. Verlangt wird etwa, dass der Handel verstärkt in die urbane Raumplanung mit einbezogen wird. Außerdem müsse das Ausbildungssystem verbessert und „bürokratische Hemmnisse“ reduziert werden. Sorgen macht ein „massives Image-Problem“.

„Wir hoffen, dass die Politik unsere Forderungen umsetzt. Das hängt natürlich von den handelnden Personen ab. Es gibt Politiker von verschiedener Couleur, mit denen wir reden können. Mit anderen gar nicht“, sagt Stephan Mayer-Heinisch, Präsident der Handelsverband Österreichs. Der Handel ist mit 500.000 Beschäftigten der zweitgrößte Arbeitgeber des Landes.  Trotzdem hätten sich in den letzten Jahren die Rahmenbedingungen für den Handel laufend verschlechtert.  Pünktlich vor der Wahl stellt der Handelsverband seine Forderungen für die nächste Regierung vor.

 
Handel und Stadtplanung 

Der Handelsverband verlangt etwa, dass bei der Stadtplanung verstärkt auf den Handel Rücksicht genommen wird. „Wir wollen allerdings nicht von einzelnen Initiativen abhängig sein, sondern von einem großen strategischen Plan“, meint Mayer-Heinisch. Er macht ein "Ausfransen der Städte" aus. Große Fachmarktzentren vor den Orten lassen die Innenstädte aussterben, doch gerade die Innenstädte bieten den Raum, der noch Wachstum für die Branche zulässt. Dies sei auch eine Chance für die Städte. Sie würden an Lebensqualität gewinnen. „Eine Stadt ohne Handel ist fad“, sagt Mayer-Heinisch. Handelsverband-Geschäftsführerin Patricia Mussi ist der Handel gar ein „Kulturträger“.   

 

Mayer-Heinisch macht rund 40 Städte in Österreich aus, die man dringend "reparieren" müsse. In Wien gebe es mehrere „Baustellen“, die wieder attraktiviert gehören, die Favoritenstraße oder zum Beispiel die Meidlinger Hauptstraße. Wie man es nicht macht, sehe man an der Mariahilfer Straße. Zwar begrüße der Handel die Fußgängerzone in der „MaHü“, dieser Versuch schnüre aber der Shopping-Zone „das Blut“ ab. Man müsse bei der Planung den Handel mit einbeziehen und "die Grünen" hätten in diesem Fall „Gesprächsverweigerung betrieben“, meint Mayer-Heinisch.

 

Massives Image-Problem

 

Ins Feld führt der Handelsverband neben den Forderungen auch eine Studie, die von Kovar & Partners erstellt wurde. „Unsere Arena-Analyse zeigt, dass der Handel mitten in einem tiefgreifenden Strukturwandel steckt“, sagt Walter Osztovics, Management-Partner bei dem Beratungsunternehmen. Daher brauche es eben diese neue Rahmenbedingungen.

Schuld an der Situation würden aber auch die Händler selbst tragen. Osztovics kritisiert etwa, dass Handelsbertriebe zu oft mit dem Preis werben. Konsumenten wünschen sich aber vermehrt qualitative Fachberatung. Und gerade im Internetzeitalter müsste der Verkäufer mehr wissen, als je zuvor. Osztovics sieht zudem ein massives Image-Problem beim Handel als Arbeitgeber. Eine Image-Kampagne sei zu wenig, um das wieder gerade zu biegen.  

Ausbildung schlecht 

Beratungsqualität ist also gefragt. Gute Mitarbeiter zu finden sei aber "äußerst schwierig", räumt Yves-Rocher-Österreich-Chefin Sigrid Aibler ein, denn die Ausbildung sei „mehr als mangelhaft“. Sie fordert neue Lehrpläne für die Auszubildenden sowie eine andere Verlaufskurve bei den Gehältern. Die Einstiegsgehälter gehörten angehoben und nach oben hin abgeflacht. Bei der Arbeitszeit wünscht sich die Managerin eine Flexibilisierung und die Möglichkeit, über zehn Stunden am Tag arbeiten zu können. Dies sei auch "familienfreundlicher", weil es mehr freie ganze Tage gebe.

"KV gehört entrümpelt" 

Das neue „Super-Wochenende“ kam bei der Pressekonferenz nicht gut weg. Laut Mussi wird diese Regelung von den Beschäftigten nicht angenommen, es sei „nur ein Kompromiss“. Der Kollektivvertrag sei generell nicht mehr zeitgemäß und gehöre „entrümpelt“. Was konkret „entrümpelt“ werden soll, wollte Mayer-Heinisch nicht sagen, da gerade verhandelt wird.

 

„Steuerentlastung“

 

Die rot-weiß-rote Handelslandschaft brauche außerdem eine bürokratische Entlastung, wünscht der Handelsverband von der nächsten Regierung. Die Steuern seien sehr hoch, ebenso wie die Lohnebenkosten. „Man könnte sagen, der Handel fährt ständig mit angezogener Handbremse. Wir fordern die nächste Regierung auf, die Bremsen zu lockern und dem österreichischen Handel wieder freie Fahrt zu ermöglichen“, so Mayer-Heinisch. Er will unteranderem, dass nicht entnommene Gewinne steuerlich begünstigt werden. Außerdem kritisierte er die bekannten Wettbewerbsnachteile gegenüber internationalen Versendern und verlangt eine einheitliche Regelung innerhalb Europas.

 

Einen ausführlichen Bericht von der Pressekonferenz lesen Sie im Oktober im Elektrojournal 10/2013

Autor/in:
Redaktion Elektrojournal
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