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EFH-Koops & Händler: Mit Ideen und Aktivitäten offensiv durch die Krise

02.04.2020

Auch wenn die Geschäfte geschlossen sind, der Elektrofachhandel gibt nach wie vor kräftige Lebenszeichen von sich. Die drei Koops feuern seit Wochen aus allen Marketingrohren und viele Händler setzen auf innovative (und vor allem weithin sichtbare) Ideen. Elektrojournal Online hat sich in der Branche umgehört.

Schnell auf reagiert haben ElectronicPartner, Expert und Red Zac auf die kurzfristig angeordneten Betriebsschließungen. Ihr erstes Ziel: die Kunden darüber zu informieren, dass die Geschäfte zwar zu sind, das Service des Fachhandels deswegen aber nicht weniger wird. Nach wie vor kann nämlich beraten, verkauft, geliefert und montiert werden. Die Info-Offensive rollte in den ersten drei Wochen via Internet (z.B. Google), Social Media und Print-Inseraten in Regionalblättern. ElectronicPartner setzte außerdem aufs Radio (Ö3) und Red Zac auf die Österreich-Fenster der TV-Privatsender – um jetzt nur zwei Beispiele zu nennen. Gleichzeitig haben alle drei Koops die Liefergebühren in ihren Online-Shops gestrichen.

„Online entwickelt sich sensationell, vor allem, seitdem wir den Warenversand vom Zentrallager für unsere Mitglieder an die Konsumenten kostenfrei durchführen“, erzählt stellvertretend Euronics-Vorstand Peter Osel. „Das kommt bei den Konsumenten hervorragend an und unsere Händler haben es bequem, sie müssen nur noch eine (bereits bezahlte) Rechnung an den kaufenden Endkonsumenten schicken.“ Zudem, so Osel weiter, kommuniziere man auch intensiv, dass „unsere Händler und ihre Angestellten die Helden der Stunde in ihrer Region sind. Und zwar indem sie z.B. auch Reparaturen durchführen oder Ersatzgeräte liefern – oder allgemein ausgedrückt: einfach helfen.“

Genau diese Leistungen des Elektrofachhandels stehen natürlich auch bei Expert und ElectronicPartner im Info-Fokus. Verbreitet werden die Nachrichten hauptsächlich über Social Media-Kanäle wie Facebook, Twitter, Instagram usw., aber auch Werbung auf Google kommt zum Einsatz. Gleichzeitig nutzen die Händler auch ihre eigenen Kanäle bzw. sprechen ihre Kunden (via E-Mail, WhatsApp oder Telefon) auch direkt an.

An Ideen zur Kundenansprache mangelt es jedenfalls nicht. ElectronicPartner sammelt beispielsweise Best-Practice-Beispiele seiner Mitglieder und präsentiert diese via Infonet allen anderen – quasi zur Inspiration bzw. Nachahmung. Die Sammlung wird kontinuierlich erweitert.

Auch Händler sind sehr aktiv

Abgesehen von der Kundenansprache via Social Media & Co. haben sich zahlreiche Händler inzwischen ganz besondere Kundenservices einfallen lassen. Einer der ersten war hier Markus Franz Gurschka, Inhaber von Red Zac MFG-Elektrotechnik mit Filialen in Poysdorf und Hohenau. Gegenüber Elektrojournal Online erzählt er von seinem „ZacSackerl“: „In der Not kommen die besten Ideen. Da ich ums Überleben kämpfe, bin ich nächtelang wach gelegen und habe überlegt, was ich tun kann, um nicht meine Existenz zu verlieren. Mir ist eingefallen, dass Betriebe, die einen Lieferservice anbieten, das nicht herzeigen. Daher zeigen wir, dass wir es tun, wie und wann wir es tun“. 

Gurschka fotografiert die Lieferung im Red Zac-Sackerl unmittelbar dort, wo er es abstellt – also vor den Türen der Besitzer und postet das Foto auf Facebook. Die Genehmigung dafür holt er sich natürlich von den Kunden. Da sein Betrieb momentan in Kurzarbeit ist, liefert er die meisten Sachen selbst aus. „Das reicht gerade, um meine laufenden Kosten abzudecken. Es ist also nach wie vor eine schwierige Situation, mit den versprochenen staatlichen Unterstützungen werden wir es schaffen.“

Einstunden-Lieferservice

Ein Expertler, der trotz der gegenwärtigen Situation schwer beschäftigt ist, ist Walter Sabitzer von Expert Sabitzer aus Althofen. Der Geschäftsinhaber hatte es auf Anfrage von Elektrojournal Online eilig, da er momentan alle Hände voll zu tun hat. Unter anderem führte er in seinem Bezirk einen „Einstunden-Lieferservice“ ein, soll heißen, zwei Mitarbeiter sind nun permanent damit beschäftigt, bestellte Waren vom Zeitpunkt der Bestellung innerhalb von nur einer Stunde an die Kunden auszuliefern. Innerhalb des Ortes ist das Lieferservice gratis, außerhalb berechnet er dafür knappe fünf Euro. „Meine Leute tun nix wie Sackl‘n in der Gegend abstellen“, drückt er es aus.

Sabitzer setzt stark auf Social Media Kanäle: „Wir posten mehrmals täglich auf Facebook und Instagram und versuchen damit intensiv, den Expert-Online-Shop voranzutreiben und die Amazon-Kaufwut zu bremsen.  Mittlerweile haben wir schon über 50 Online-Bestellungen hereinbekommen. Diverse Gewinnspiele oder Aktionen fahren wir ebenso: wer zum Beispiel bis 14. April etwas online bestellt, kann ein iPad gewinnen“, berichtet Sabitzer.

Im Gegensatz zu bis vor wenigen Wochen ist das Internet nun seine Hauptabsatzquelle. „Die Quintessenz, die ich aus dieser Situation ziehe, ist, dass ich künftig mehr auf online setzen werde, ein Konzept erarbeiten, das uns online stärker macht“. Sabitzer hat auch einen Appell an seine Berufskollegen: „Die Elektrofachhändler dürfen gerade jetzt nicht kasernieren, sondern müssen offensiv an die Kunden herantreten. Nicht mit der Krise hadern, sondern als Chance sehen“, zeigt er sich überzeugt. Ein großes Lob richtet er an die Expert-Zentrale: „Alfred Kapfer und Matthias Sandtner waren schnell zur Stelle und haben souverän gehandelt.

„Den Leuten zeigen: wir sind da!“

Expert Hörmann zählt ebenfalls zu jenen Fachhändlern, die nicht den Kopf in den Sand stecken. Gregor Hörmann betreibt zwei Filialen – in Waidhofen an der Thaya und Schrems. Er schildert im Gespräch mit Elektrojournal Online seine momentanen Aktivitäten: „Wir haben die wichtigsten Kunden angerufen. Auf den Baustellen musste man sowieso Rücksprache halten, ob die wollen, dass wir kommen. Wir haben verstärkt auf Facebook gesetzt, aber auch auf Mails und eben Telefonate. Whatsapp Business ist auch sehr hilfreich zum Kommunizieren. Wir liefern, wenn der Kunde das wünscht, haben aber auch eine Abholstation beim Hintereingang in Waidhofen eingerichtet“, erzählt Hörmann. Die Vorgangsweise: der Kunde wird gebeten, anzurufen, kurz bevor er kommt. Die Ware wird in einer überdachten Schütte samt Rechnung platziert. Dazu gibt’s einen Expert-Kugelschreiber.

„Man muss schon aktiv sein, damit die Leute wissen, dass es auch möglich ist, etwas zu kaufen. Viele glauben ja, dass sie nichts kriegen weil das Geschäft zu hat und gehen auch deshalb zu Amazon“, meint Hörmann. „Wir versuchen nun, stärker zu kommunizieren, dass die Leute wissen, wir sind da“. Hörmann plant diesbezüglich Schaltungen in den Lokalzeitungen und nimmt die Expert-Marketingmaßnahme „Local Hero“ wahr.  

Hinweis: In der Bildergalerie (oben) finden Sie eine bunte Auswahl diversen Kommunikationsmaßnahmen - vom Facebook-Posting bis zum Print-Inserat.
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