Direkt zum Inhalt
Die deutsche Media-Saturn bleibt bei der bisherigen Metro und firmiert unter der Obergesellschaft Ceconomy

Deutsche Metro: Aufspaltung beschlossen

07.02.2017

Die Aktionäre beschlossen nahzu einstimmig die Aufspaltung der deutschen Metro in einen Lebensmittel- und einen Elektrohändler. Um Media-Saturn tobt weiter ein Machtkampf.

Metro-Chef Olaf Koch kann seine Pläne zur Aufspaltung des deutschen Konzerns in einen Lebensmittel- und einen Elektronikhändler umsetzen. Bei der Hauptversammlung am Montag in Düsseldorf stellten sich die Aktionäre fast einstimmig hinter die Aufteilung. Koch verspricht sich von dem Schritt mehr Schlagkraft für die beiden Unternehmensbereiche.  Die neuen Firmen sollen im Sommer an den Start gehen und im MDax notiert sein. Aktionärsvertreter sagten, sie hofften auf Wachstum, steigende Kurse und höhere Dividenden. Es gab aber auch Kritik an Kochs Plänen - vor allem die Kosten der Aufspaltung und die Pläne für die Vorstandsgehälter standen dabei im Mittelpunkt.

Hohe Zustimmung

 99,95 Prozent des anwesenden Kapitals sprachen sich für die Aufspaltung aus. "Ich begrüße und unterstütze die Teilung", sagte Alexander Elsmann, Vertreter der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger, bei dem Aktionärstreffen. "Wir sehen die Teilung durchaus positiv, es gibt viele Vorteile", betonte auch Jella Benner-Heinacher von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW).

 "Heute ist ein besonderer Tag", stimmte Koch die Aktionäre ein. "Wir schlagen Ihnen vor, die Gesellschaft aufzuspalten und eine vollkommen neue Episode zu schaffen." Die beiden Unternehmensteile würden durch die Trennung besser und schneller werden, versprach der Manager. Denn für beide Gesellschaften werde es "weniger Ablenkung durch eine gemeinsame Konzernstruktur geben, die keine Synergien geboten hat."

  Der Abschied vom weit verzweigten Metro-Reich fiel Aktionärsvertreter Elsmann nicht schwer. Seit 2010 sei der Umsatz gefallen und die Gewinnmarge gesunken, kritisierte Elsmann: "Wachstum sieht anders aus." Die Aufspaltung sei die logische Konsequenz dieser Entwicklung. Benner-Heinacher sagte, aus dem "Mega-Liner" Metro sollten durch die Aufspaltung zwei schnelle und leicht zu lenkende Lastwagen werden. Die Großaktionäre der Metro hatten sich bereits vor dem Treffen für die Aufspaltung ausgesprochen.

 Nach der Entscheidung der Aktionäre wird der Lebensmittelhandel rund um die Großmärkte und die Supermarkt-Kette Real im Sommer abgetrennt. Auch das Immobilienvermögen der Metro wird dort gebündelt. So entsteht ein Unternehmen mit rund 37 Mrd. Euro Jahresumsatz und mehr als 150.000 Mitarbeitern in 35 Ländern. Die Anteilseigner der "alten" Metro sollen Aktien dieser neuen Gesellschaft erhalten. Das Zuteilungsverhältnis beträgt 1:1 - für jede Metro-Stammaktie gibt es also eine Stammaktie des Lebensmittelhändlers.

Machtkampf um  Media-Saturn 

Bei der bisherigen Metro verbleibt der Elektronikhändler Media-Saturn. Dessen Obergesellschaft firmiert künftig unter dem Namen Ceconomy und kommt auf einen Jahresumsatz von rund 22 Mrd. Euro mit 65.000 Mitarbeitern. Den Machtkampf mit Media-Saturn-Minderheitseigner Erich Kellerhals sieht Koch nicht als Hürde für die Entwicklung des Elektronikhändlers. "Wir kontrollieren dieses Unternehmen", betonte der Manager. Metro sei aber auch offen für konstruktive Lösungen mit Kellerhals. So sei in der Vergangenheit etwa eine Aufteilung von Media-Saturn diskutiert worden, eine Lösung habe sich aber nicht ergeben. Seit einiger Zeit versucht der Investor Clemens Vedder, einen Lösung zwischen beiden Seiten zu vermitteln.

Die Aufspaltung sei kein Allheilmittel, mahnte Aktionärsvertreter Elsmann. Baustellen blieben bestehen. Unklar sei etwa, wie es beim langjährigen Sorgenkind des Konzerns, der Supermarktkette Real, weitergehen solle. Diese ächzt unter dem erbitterten Wettbewerb in der Branche, Koch will investieren, um die Geschäfte zu modernisieren. Auch sei offen, ob es bei den vom Vorstand genannten Kosten von rund 100 Mio. Euro für die Teilung bleiben werde, sagte Elsmann. Benner-Heinacher kritisierte die Vorstandsgehälter bei beiden Gesellschaften als zu hoch. Diese entsprächen eher denen von DAX-Konzernen. Doch sollten beide Konzernteile künftig im MDax notiert sein. Ceconomy-Chef Pieter Haas werde etwa bei für ihn optimaler Entwicklung rund 7,7 Mio. Euro im Jahr verdienen.

Autor/in:
APA – Austria Presse Agentur / Redaktion
Werbung

Weiterführende Themen

Frisch gekampelt: Im Media Markt Dietlikon kann mich sich jetzt fesch machen lassen.
Branche
27.09.2018

Media-Saturn-Mutter Ceconomy wies zuletzt enttäuschende Zahlen aus. Die alten Flächenstrategien müssen überdacht werden. Ein neues Konzept soll es nun richten und mehr Kunden auf die Fläche locken ...

Der in der Energiebranche groß gewordene Milliardär Daniel Kretinsky will zum größten Aktionär beim deutschen Handelsriesen Metro aufsteigen. Deswegen verhandelt er mit Media-Saturn-Mutter Ceconomy.
Branche
28.08.2018

Media-Saturn-Mutter Ceconomy prüft den Verkauf ihres Metro-Anteils. Das Unternehmen in Bereits in Gesprächen mit der EP Investment. EP Investment wird durch ...

"Die Fehler aus dem vergangenen Jahr werden wir nicht wiederholen"
Branche
16.08.2018

Der deutsche Elektronikhändler Ceconomy ächzt. Zwar liefen zuletzt die Verkäufe von Ventilatoren und Kühlgeräten gut, dennoch nahm insgesamt die Frequenz in den Geschäften ab. Problematisch ist ...

Also personell gesehen ist bei Media-Saturn wirklich einiges los ...
Branche
13.06.2018

In der Ceconomy AG, der Betreibergesellschaft von Media Markt und Saturn Deutschland, rumort es offenbar gewaltig. Binnen weniger Wochen hat mit Media-Saturn-CFO Thomas Wünnenberg nun bereits der ...

Online-Shopping ist nicht immer günstiger. Auch wenn das einige Konsumenten glauben.
Branche
27.09.2017

Ein aktueller AK Preisvergleich im Netz und im Geschäft bei drei Elektrogroßmärkten zeigt, dass  ...

Werbung