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In der Verlustzone: Media-Saturn-Mutter musste im Q3 Federn lassen

16.08.2018

Der deutsche Elektronikhändler Ceconomy ächzt. Zwar liefen zuletzt die Verkäufe von Ventilatoren und Kühlgeräten gut, dennoch nahm insgesamt die Frequenz in den Geschäften ab. Problematisch ist die Minderheitenbeteiligung an Metro. Sie drückte Ceconomy sogar in die Verlustzone.

"Die Fehler aus dem vergangenen Jahr werden wir nicht wiederholen"

Im dritten Geschäftsquartal musste die Muttergesellschaft der Elektronikketten Media Markt und Saturn in der Heimat Federn lassen. Obgleich die Fußball-Weltmeisterschaft den Verkauf von Fernsehgeräten ankurbelte, gingen die Umsätze in Deutschland, Österreich und der Schweiz zurück. Auch Juli und August wurden noch beeinträchtigt, wie Vorstandschef Pieter Haas am Dienstag bei der Vorlage des Quartalsberichts in Düsseldorf sagte.

Ceconomy erlöste zwischen April und Juni mit knapp 4,6 Milliarden Euro um 0,7 Prozent weniger als ein Jahr zuvor. Bereinigt um Währungseffekte und Veränderungen im Portfolio ergab sich ein Plus von 0,8 Prozent. Auch im Gesamtjahr peilt der Konzern weiterhin eine leichte Umsatzsteigerung an. Wachstumstreiber sollen der Onlinehandel sowie das Geschäft mit Mobilfunkverträgen, Versicherungen und Reparaturen sein.

104 Millionen Euro Verlust

Allerdings wird die Minderheitsbeteiligung am Handelsriesen Metro für die deutsche Elektronikhandelsholding Ceconomy immer mehr zur Belastung. Eine erneute Wertberichtigung auf den rund zehnprozentigen Metro-Anteil von rund 138 Mio. Euro drückte Ceconomy im dritten Quartal sogar tief in die Verlustzone. Unter dem Strich und nach Minderheiten schrieb der Mutterkonzern von Media Markt und Saturn nun ein Minus von 104 Mio. Euro. Den operativen Verlust (Ebit) konnte Ceconomy allerdings auf 30 (Vorjahr: Minus 49) Mio. Euro eindämmen.

Derzeit prüft Ceconomy, wie es mit der Beteiligung weiter geht. Denkbar sind Finanzchef Mark Frese zufolge ein Verkauf über die Börse oder an einen Investor - oder aber die Übertragung an einen Pensionsfonds. Letzteres hatte beispielsweise die Deutsche Telekom mit ihrem Anteil an der BT Group gemacht.

Beim operativen Ergebnis machte Ceconomy weiter Fortschritte. Vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen verdiente die Gesellschaft 26 Mio. Euro, nach 4 Mio. Euro ein Jahr zuvor. Dies lag aber auch an der Neubewertung von Verbindlichkeiten aus Gutschein-Geschenken in Deutschland. Im Geschäftsjahr 2017/18 (Ende September) erwartet Ceconomy einen Anstieg im niedrigen bis mittleren einstelligen Prozentbereich.

Falsche Rabatt-Strategien

Zur weiteren Stärkung der Barmittel will Ceconomy seine Kosten senken. Durch die Verbesserung und Automatisierung von Prozessen sollen die Aufwendungen in den kommenden fünf Jahren um insgesamt eine viertel Milliarde Euro sinken. Zudem will Ceconomy seine Investitionen prüfen.

"Wir sind uns bewusst, dass das vierte Quartal das Schlüsselquartal ist, wir sind aber zuversichtlich, dass wir unsere Ziele erreichen werden", sagte Vorstandschef Haas. Der Konzern bereitet sich bereits auf das Auftaktquartal des neuen Geschäftsjahres mit dem Shoppingtag "Black Friday" im November sowie dem Weihnachtsgeschäft vor. "Die Fehler aus dem vergangenen Jahr werden wir nicht wiederholen", sagte Haas. Schnäppchen soll es zwar weiterhin geben, aber gezielter und dann auch im Zusammenhang mit anderen Service-Angeboten. Im Vorjahr hatte eine falsche Rabatt-Strategie dem Konzern das Quartal verhagelt.

Auslandspläne

Der Konzern hatte im Juni sein verlustreiches Geschäft in Russland an die russische Safmar-Gruppe verkauft, zu der auch der Ceconomy-Konkurrent M.Video gehört. Zugleich erhält das Unternehmen einen Anteil von 15 Prozent an M.Video. Dies wird das Nettoergebnis im Gesamtjahr einmalig mit 250 Mio. Euro belasten. Bis Jahresende will Ceconomy zudem eine Lösung für sein defizitäres Geschäft in Schweden haben, das derzeit umgebaut wird.

Weiterhin gut laufen Haas zufolge die Geschäfte in der Türkei. Allerdings will der Konzern auch wegen der aktuellen Lage in dem Land dort künftig selektiver expandieren. Derzeit betreibt Ceconomy 69 Läden in der Türkei. Am Dienstag kündigte der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan im Handelsstreit mit den USA an, US-amerikanische Elektronikprodukte boykottieren zu wollen - darunter etwa iPhones von Apple.

Seit vergangenem Monat ist auch die Kapitalerhöhung eingetragen, mit der sich Ceconomy finanziell mehr Luft verschafft hat. Rund 277 Mio. Euro hat Ceconomy durch die Ausgabe neuer Aktien erlöst. Erworben wurden die Anteile vom Mobilfunkanbieter Freenet, der nun rund 9 Prozent am Unternehmen hält. Die Freenet-Tochter Mobilcom-Debitel verkauft seit über 25 Jahren in den Elektronikmärkten Mobilfunkverträge. Laut Haas wird nun geprüft, wie man die Zusammenarbeit noch weiter vertiefen kann.

Autor/in:
APA – Austria Presse Agentur / Redaktion
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