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Der MSH-Familien-Streit geht weiter: Kellerhals verhindert Übernahmen weiterer Online-Händler

02.08.2011

Eigentlich wollte Metro-Chef Eckhard Cordes die Übernahme zwei weiterer Online-Händler durch die MSH präsentieren. Cordes hat aber die Rechnung ohne Media Markt-Gründer Erich Kellerhals gemacht. Dieser spielte seine Veto-Karte aus und verhinderte vorläufig die Zukäufe. Ein weiterer Akt des Familiendramas ist geschrieben. Und in Sachen Bestechungsverdacht ist ein weiterer Brief aufgetaucht.

Metro-Finanzchef Olaf Koch kündigte bei einer Pressekonferenz von Neo-Tochter Redcoon Ende Juli den Kauf weiterer Online-Händler an. Für Metro-Chef Eckhard Cordes hat aufgrund des Umsatzrückgangs bei Media-Saturn "die zügige Umsetzung" der Online-Strategie "jetzt höchste Priorität." Auf der heutigen, Dienstag, Bilanzpressekonferenz der Metro AG wollte man wohl zwei Neuübernahmen präsentieren.

 

Die Verträge waren schon unterschriftsreif, die Übernahmen in den sprichwörtlich trockenen Tüchern. Konkret soll’s um den Kauf der Online-Händler "rebuy.de" und "ibood.com" gegangen sein. Doch nix da: Wieder spielte Media Markt-Gründer Erich Kellerhals seine Veto-Karte aus und stimmte dem Kauf nicht zu, wie Welt Online berichtet.

 

Wer schwächt die Geschäftsführung, wer unterstützt sie?

 

Cordes wirft Kellerhals aufgrund seiner Haltung vor, die Geschäftsführung der Unternehmen zu schwächen. Sein Veto sei nicht im Interesse des Managements. Kellerhals ließ den Medien ausrichten, die Übernahmen deshalb blockiert zu haben, damit nicht zu viele Zukäufe auf einmal zu viele Kapazitäten der Geschäftsführung binden. "Zusätzliche überflüssige Komplexität im Online-Bereich schadet derzeit mehr, als es nützt", zitiert Welt Online Kellerhals. Er stehe aber hinter der Online-Strategie des Konzerns.

 

"Wir werden die Herausforderungen bei Media-Saturn nun mit Nachdruck angehen und die strategische Neuausrichtung im Hinblick auf das Onlinegeschäft beschleunigen", gibt sich Cordes auf der Bilanzpressekonferenz kämpferisch.

 

Bestechungsverdacht: Zusätzlicher Brief aufgetaucht

 

Für Schlagzeilen sorgt aber nicht nur der Schlagabtausch zwischen den beiden Alpha-Tieren. Mitte Juli kam es in Deutschland zu Hausdurchsuchungen bei MSH-Managern durch die Staatsanwaltschaft Augsburg wegen des Verdachts auf Bestechung und Bestechlichkeit im geschäftlichen Verkehr sowie auf Beihilfe dazu. Auslöser war ein anonymer Brief.

Wie die Süddeutsche Zeitung berichtet, gibt es einen zweiten belastenden Brief des selben anonymen Schreibers. Der Brief vom Februar 2011 soll zum Inhalt haben, dass vier weitere Firmen und die Lebensgefährtin eines MSH-Managers in die Affäre verwickelt sein sollen.

Laut SZ wird in dem Schreiben behauptet, dass Bestechungsgelder über Immobilien in den USA gewaschen worden seien. Scheinverträge zwischen den Beteiligten hätten als Tarnung gedient.

Autor/in:
Redaktion Elektrojournal
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