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"Zum Ende meiner beruflichen Laufbahn nehme ich eine Herkulesaufgabe an. Ich bin nicht gekommen, um zu scheitern."

„Der Krieg wird auf der Fläche entschieden“

20.11.2018

Der neue Chef der Möbelketten Kika und Leiner, Reinhold Gütebier, ist jemand, der klotzt, nicht kleckert. Mit Kampfrhetorik hat sich der Norddeutsche vor die heimische Presse gestellt und seine Vision der Einrichtungshäuser präsentiert. Er wolle Kika und Leiner in "sicheres Fahrwasser führen". Das heißt, raus aus Umsatz- und Kundenschwund sowie Verlusten. "Es fehlt an Pfiff, Charme und Inszenierung."

In den nächsten Monaten will das Management eine "Rundreise" durch alle Filialen machen und entscheiden, ob nur kosmetische Änderungen oder große Umbauten notwendig sind. Geld dafür sei da. Hinter Kika und Leiner steht der Immobilieninvestor Rene Benko mit seiner Signa Holding. Wie viel Geld Benko zuschießen wird, sagte Gütebier nicht. Er kenne die Summe noch nicht.

Ins Jahr 2019 gehe Kika und Leiner mit in Summe 42 Filialen und rund 4.500 Beschäftigten. Weitere Filialschließungen oder einen neuerlichen Personalabbau schloss Gütebier aus. Bis Ende 2018 machen wie berichtet vier Standorte zu, 712 Beschäftigte (auf Vollzeitbasis) verlieren ihren Job. Damit sei der Jobabbau geringer ausgefallen aus gedacht. Im August meldete das Unternehmen 1.121 Personen beim Arbeitsmarktservice im Frühwarnsystem zur Kündigung an.

Gewinne sollen die Möbelketten in drei Jahren schreiben. Bis dahin seien umfangreiche Änderungen notwendig. Das neue Führungsteam setzt dabei auf eine strikte Zwei-Marken-Strategie von Kika und Leiner. Zuletzt gab es zu viele Überschneidungen und kein geschärftes Markenprofil. Kika soll ein breites und tiefes Sortiment im Preiseinstiegsbereich anbieten, Leiner im gehobenen Bereich mit "großen Marken" ausgebaut werden. In der Preismitte würden sich die Marken am meisten ähneln. Auch Leiner soll Möbel im Preiseinstiegsbereich führen, aber nicht in der breite und tiefe wie Kika.

"Erheblice strategische Veränderungen" schweben Gütebier beim Marketing vor. Es müsse ein "Willhaben-Gefühl" entstehen und emotional zugehen. "Wir sind bereit, hier zu investieren", sagte Gütebier. Freilich nicht, wie viel.

Große Veränderungen darf nach diesen Ankündigungen auch das Verkaufspersonal erwarten. Im Fokus stünden aktives Verkaufen und Freundlichkeit. "Wir wollen der Servicewüste Österreich trotzen", sagte Gütebier. Der Belegschaft stehe ein "gewaltiges Schulungsprogramm" bevor. Denn: "Der Krieg wird auf der Fläche entschieden", so die Kampfansage des neuen Chefs.

Zurückhaltende Ansagen sind seine Sache nicht. Gütebier, will die Ketten in die "Champions League" zurückführen. "Zum Ende meiner beruflichen Laufbahn nehme ich eine Herkulesaufgabe an", sagte der 66-Jährige, der kürzlich sein 50-jähriges Berufsjubiläum in der Möbelbranche hatte. "Ich bin nicht gekommen, um zu scheitern."

Marktführerschaft nicht realistisch

Gütebier hat zwar die Marktführerschaft von Kika und Leiner vor Augen, räumte aber ein, dass dies nicht sehr realistisch ist. Laut Zahlen von Kreutzer Fischer & Partner kommt XXXLutz in Österreich auf einen Marktanteil von 30 Prozent, Kika/Leiner auf 21,8 Prozent und Ikea auf 15,4 Prozent. Der Möbelhandel wachse überhaupt nicht, die Branche krisle seit 2016.

Zuletzt lag der Umsatz von Kika und Leiner in Österreich zusammen bei etwa 800 Mio. Euro. Unter dem vorherigen Eigentümer Steinhoff, der seit fast einem Jahr wegen eines Bilanzskandals in den Schlagzeilen ist, brachen die Umsätze zweistellig ein. Nun sei ein zweistelliges Wachstum notwendig, sagte Gütebier. Auch beim Online-Geschäft räumte der Vorstand "erhebliche Versäumnisse" ein, die beseitigt werden müssten. Allererste Priorität habe aber das stationäre Geschäft.

Er sei kein Chef, der in einem goldenen Glaskasten sitze, sondern auf der Fläche zu finden sei. Also bei den Kunden und Mitarbeitern. Dessen Vertrauen müsse man nun wiedergewinnen. Die Lage bei Steinhoff verunsicherte auch österreichische Kunden. Vor allem das Segment mit großen Möbeln - wie etwa Küchen - fuhr starke Umsatzeinbußen ein. Kunden schreckten davor zurück, Anzahlungen zu leisten, da die Zukunft der Möbelketten ungewiss war.

Unsicher ist aus derzeitiger Sicht, was mit den über 20 osteuropäischen Filialen passiert, die zuletzt Umsätze in Höhe von 200 Mio. Euro beisteuerten. Eine Entscheidung soll im Dezember fallen, kündigte Gütebier an. Ein Verkauf wird jedenfalls nicht ausgeschlossen.

Auch die Zukunft der prominenten Leiner-Filiale auf der Mariahilfer Straße ist noch nicht gewiss. Eigentümer Rene Benko schwebt hier ein Luxuskaufhaus nach dem Vorbild des Berliner Kaufhauses des Westens (KaDeWe) vor. Das KaDeWe gehört auch zum Imperium des Immobilieninvestors. Pikantes Detail am Rande: Im obersten Stockwerk der Leiner-Immobilie auf der Mariahilfer Straße wohnt der frühere Kika/Leiner-Eigentümer Herbert Koch. Die Familie Koch verkaufte die Möbelketten im Jahr 2013 an die südafrikanische Steinhoff-Gruppe.

Eine fixe Absage erteilte Gütebier etwaigen Diskontideen, wie sie sein Vorgänger Gunnar George hatte. Mit Lipo wollten die alten Eigentümer eine Diskontschiene à la Möbelix oder Mömax aufziehen. Die Idee scheiterte, bereits nach kurzer Zeit wurden die Lipo-Filialen geschlossen.

Neben Gütebier besteht das Führungsteam von Kika und Leiner aus Finanzchef Darius Kauthe und Einkaufschef Oliver Müther. Die Firmenzentrale befindet sich in St. Pölten.

Autor/in:
APA – Austria Presse Agentur / Redaktion
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