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Kunden würden sogar dafür bezahlen, nur um weiter bei Amazon einkaufen zu dürfen.

Amazon-Junkies? Kunden werden immer abhängiger vom Onlinehändler

03.07.2019

Eine Studie des IFH Köln zeigt: Für immer mehr Kunden ist die Onlineplattform beim Shoppen nicht mehr wegzudenken, so dass sie sogar dazu bereit wären, fürs Einkaufen zu zahlen. Beachtlich: rund 31 Prozent aller Umsätze im Nonfood-Bereich sind bereits – direkt oder indirekt – von Amazon abhängig.

Sieben dieser 31 Prozent deckt Amazon mit seinen eigenen Verkäufen ab, die restlichen 24 Prozent entfallen auf Umsätze, die von Amazon beeinflusst werden, zum Beispiel durch die Informationssuche der Käufer auf der Onlineplattform – Stichworte: Sortiments-Leuchttürme und Preisanker. „Insgesamt steigt der Anteil der Onlineinformationssuche bei Amazon in der Mehrheit der Branchen teilweise deutlich an und der Einfluss Amazons auf den gesamten Handel nimmt dadurch weiter zu“, sagt beispielsweise Eva Stüber, Mitglied der Geschäftsleitung des IFH Köln, zum deutschen Handelsblatt, welches ausführlich über die Studie berichtet. 

Gatekeeper & Online-Beratungsklau

Das geht mitunter so weit, dass Produkte, die nicht auf Amazon zu finden sind, für Kunden gar nicht existieren. In den USA zeigen Untersuchungen nämlich bereits, dass mehr als die Hälfte der Menschen bei der Produktsuche im Internet nicht mehr Google, sondern die Suchmaske von Amazon verwenden. Sie gehen damit erst gar nicht auf die Suche nach anderen Händlern oder Handelsplattformen. „Für immer mehr Menschen ist Amazon die erste Anlaufstelle beim Einkaufen“, so Stüber.

Die Produktsuche muss aber nicht immer nur zu Gunsten von Amazon geschehen – auch der restliche Handel kann später durchaus noch zum Zug kommen. Durchschnittlich 60 Prozent der Onlinekäufe und 27 Prozent aller stationären Käufe geht eine Recherche bei Amazon voraus. Im Bereich „CE & Elektro“ ist der „Beratungsklau“ bei Amazon besonders weit verbreitet. Bei rund 67 Prozent der Onlinekäufe und 44 Prozent der Anschaffungen im stationären Handel wird vorab bei Amazon recherchiert.

Bis zu 12 Euro …

Die IFH-Umfrage zeigt zudem, wie groß die Abhängigkeit mancher Kunden von der Plattform ist. Auf die Frage, was sie bereit wären zu zahlen, nur um weiterhin Amazon nutzen zu können, nannten sie im Schnitt eine Bandbreite für eine monatliche Gebühr von sieben bis elf Euro. Prime-Kunden, welche mehr als die Hälfte ihrer Einkäufe über Amazon erledigen, hielten sogar eine Gebühr von zwölf Euro für noch vertretbar. Das heißt: Kunden sind bereit Geld in die Hand zu nehmen, ohne dafür eigentlich eine konkrete Gegenleistung zu erhalten. „Die Tatsache, dass die Kunden sogar bereit wären, Geld dafür zu bezahlen, dass sie über Amazon einkaufen können, zeigt, wie unverzichtbar die Plattform für viele schon geworden ist“, sagt Expertin Stüber.

Ein Tag hat 48 Stunden

Wie fleißig Amazon auch an seinem Image feilt, wird man wieder am 9. Juli beobachten können. Dann geht nämlich in der Muffathalle in München ein Event über die Bühne, das irgendwie auch ein bisschen an die berühmt-berüchtigten Magnetdecken-Verkaufsveranstaltungen von früher erinnert –nur ein wenig größer halt. Neben einem Konzert der „Fantastischen Vier“ werden Markenpartner wie Samsung, Sony oder Microsoft dort ihre neuesten Produkte präsentieren. Tickets für die Veranstaltung gab’s übrigens nicht zu kaufen, diese wurden unter Amazon Prime-Kunden verlost.

Der Event ist auch der Auftakt zum großen jährlichen Billigpreis-Bombardement namens „Prime Day“. Obwohl Verbraucherschützer inzwischen davor warnen, eben weil die Preise doch nicht so billig sind, wie vorgeben zu sein, will man die Kunden einmal mehr zum ungehemmten Konsum verführen. Der Prime Day startet am 15. Juli um 00:01 Uhr und dauert heuer erstmals sogar 48 Stunden. Mehr als eine Million Angebote verspricht Amazon – natürlich auch wieder nur für Prime-Mitglieder. Die unterbewusste Botschaft: Prime-Mitglieder haben den anderen etwas voraus, sind besser gestellt und können profitieren. Ein Mindset, dass eigentlich oft im Zusammenhang mit religiösen Sekten vorkommt. 

Erfolgreich ist das aggressive Marketing allemal. „Dadurch, dass Amazon das Einkaufen so leicht macht, kaufen viele Kunden Dinge, die sie sonst vielleicht nicht gekauft hätten“, sagt Stüber. Auch das belegt die Studie: Auf die Frage, was sie tun würden, wenn es Amazon nicht mehr gäbe, antworten zehn Prozent der Kunden, sie würden deutlich weniger kaufen.

Zur Studie:

Für die Studie „Gatekeeper Amazon – Vom Suchen und Finden des eigenen Erfolgswegs“ wurden Marktdaten des IFH Köln sowie Amazon-Kaufhistorien ausgewertet. Außerdem wurden im Zeitraum von Oktober 2018 bis März 2019 in verschiedenen Befragungen insgesamt mehr als 10.000 Internetnutzer bzw. Onlineshopper (aus Deutschland) im Alter von 14-69 Jahren online befragt.

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