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2017 brachte einen Rückgang der Unternehmensinsolvenzen und Privatkonkurse. Zuletzt sei die Zahl der Firmenpleiten 1998 so niedrig gewesen, berichtet Ricardo-José Vybiral, Geschäftsführer des KSV 1870.

Rückgang bei den Firmenpleiten

13.12.2017

Die Bauwirtschaft führt die Branchen-Liste der meisten Unternehmensinsolvenzen an. Insgesamt war 2017 aber ein deutlicher Rückgang bei den Pleiten zu verzeichnen.

Im Jahr 2017 ging die Zahl der insolventen Unternehmen mit insgesamt 5.030 im Jahresvergleich zurück. Ein „rekordverdächtiges Minus“ von 3,8 Prozent gegenüber 2016, wie der Kreditschutzverband (KSV) 1870 bekannt gibt.

Insgesamt wurde über 2.997 Unternehmen ein Insolvenzverfahren eröffnet. Davon waren waren auch etwa 16.200 Dienstnehmer betroffen – etwa 16 Prozent weniger als im Vorjahr. Die Verbindlichkeiten der Unternehmen sanken gegenüber 2016 sogar um 38 Prozent auf 1,8 Milliarden Euro. Kein Verfahren gab es in 2.033 Fällen, da die Gerichte das Unternehmensvermögen für nicht kostendeckend ansahen und weder Schuldner noch Gläubiger in der Lage bzw. bereit waren, einen Kostenvorschuss zu erlegen. Hier liegt die Quote aber nur 1,5 Prozent unter dem Vorjahr.

Niedrigster Wert seit 1998

Die knapp über 5.000 insolventen Unternehmen 2017 bedeuten den niedrigsten Wert seit 20 Jahren, zeigt man sich beim KSV erfreut. Zuletzt habe es 1998 – aufgrund der Insolvenzrechtsreform 1997 eine ähnliche Größenordnung (4.816 Fälle) gegeben. Besonders deutlich sei der Rückgang 2017, wenn man ihn an der Zahl der rund 430.000 aktiven Unternehmen (ohne die Ein-Personen-Unternehmen) in Österreich messe. Daraus ergibt sich eine Insolvenzhäufigkeit der österreichischen Unternehmen von „einmalig niedrigen 1,2 Prozent“.

Nach Branchen geordnet gab es die meisten Insolvenzen (846 Fälle) in der Bauwirtschaft, knapp gefolgt von den unternehmensbezogenen Dienstleistungen (837) und dem Gastgewerbe (836). Bei den Passiva liegen die Dienstleistungen allerdings mit 411,4 Millionen Euro klar vor der Metallbranche (331,8 Millionen Euro) und dem Bau (249,5 Millionen Euro).

Rückstau bei Privatkonkursen

Einen Rückgang habe es 2017 mit 6.662 eröffneten Schuldenregulierungsverfahren auch bei den Privatinsolvenzen gegeben, jedoch stieg die Schuldensumme pro Einzelfall an. Aufgrund der „gesetzgeberischen Aktivitäten“ seien in diesem Jahr allerdings etwa 1.200 Verfahren als fehlend zu definieren: „Diese sind im Jahr 2018 als Nachholbedarf zusätzlich zu einem moderaten Anstieg zu erwarten, der der Erleichterung des Verfahrens und Öffnung auch für leistungsschwache Personen geschuldet ist.“

Autor/in:
Bernhard Madlener
Original erschienen am 13.12.2017: Bauzeitung.
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