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Susanne Zitz hat den neuen Renault Zoe auf fast 1800 m Seehöhe hinaufgejagt.

Ein ­Sommer mit dem E-Auto

09.01.2018

Elektroautos auf der Straße: Viel wird versprochen, aber wie viel gehalten? Lesen Sie einen ­Erfahrungsbericht von Susanne Zitz mit dem neuen Renault Zoe Bose Q90 41 kWh.

Für alle Situationen gerüstet: die verschiedenen Ladekabel.
Erster Zwischenstopp: Schottwien. Laden bei 22 kW dauert ca. drei Stunden, je nach Witterung.

Das Ziel, das sich Susanne Zitz, Unternehmensberaterin für Erneuerbare Energien in Stockerau (NÖ; „Die schlaue Energie“) gesteckt hat, war eine Fahrt von ihrer Heimatgemeinde über den Semmering (S6) und die Turracher Höhe zum Millstätter See. Und zwar hin und zurück. Dabei hat sie getestet, was der neue Zoe mit beworbenen 400 km Reichweite tatsächlich drauf bzw. unter der Haube hat. Die ehrgeizige Distanz der Reise lag bei 356 km.

Zur Vorbereitung der Tour wurden alle Ladekabel eingepackt: 1 x Notladekabel, 1 x Typ 2 Kabel und 1 x mobile Ladestation CE-Kraftsteckdose 16 A auf Typ 2. Das Laden ist mit 13 A/9 kW an der Kraftsteckdose möglich.

Lassen wir jetzt Susanne Zitz selbst erzählen. 

Meine Sommertour hat an einem schönen Sommertag bei 21 Grad und strahlendem Wetter in Stockerau begonnen. Bei einem Ladezustand von 100 Prozent wurde mir eine Reichweite von 269 km angezeigt. Die Reichweite wird über die Durchschnittsgeschwindigkeit der letzten Fahrten ermittelt.

Meinen ersten Zwischenstopp legte ich bei der Raststation Schottwien ein. Hier betrug meine Lade-Restreichweite 138 km (ca. 50 % Ladezustand). Nach einer Stunde laden bei 22 kW (Smatrics-Station) zeigte der Akku 211 km Reichweite und 83 % Ladezustand an. Fazit: Laden bei 22 kW dauert sehr lange. Für eine Voll-Ladung braucht man ca. drei Stunden, je nach Witterung.

Weiter ging es Richtung Süden, zur E-Ladestation Murau, um vor der Bergstrecke auf die Turracher Höhe noch einmal zu laden. Ich habe das Ziel Murau mit einer Restreichweite von 68 km bzw. 25 % Ladezustand dann erreicht. Nach 90 Minuten Ladezeit in Murau war der Akku zu 85 % aufgeladen und hat eine Reichweite von 205 km angezeigt. Nun ging es von der Ortschaft ­Predlitz (Seehöhe 914 m) über eine 20 km steile Serpentinen-Straße auf die Turracher Höhe (Seehöhe 1795 m). Die habe ich mit einer Rest-Reichweite von 134 km erklommen, danach führte die Straße bis nach Radenthein sehr steil (bis zu 23 % Gefälle) bergab, wodurch sich die Rest-Reichweite dank Rekuperation wieder auf 210 km aufgeladen hat. (Anm. d. Red.: Durch Rekuperation wird Bewegungsenergie wieder in elektrische Energie umgewandelt.)

Ich habe gelernt: Um eine optimale Rekuperation zu erreichen, empfiehlt es sich, das Gaspedal gar nicht zu treten, die Erdanziehungskraft wirken zu lassen und nur im Notfall zu bremsen. Dadurch kann ich den höchsten Energieertrag erzielen. Für empfindliche Beifahrer nicht empfehlenswert!
Mein Fazit für diese Teilstrecke: Die Bergauf- und Bergab-Fahrt hat keinen Energieverbrauch verursacht und dadurch auch keine Energiekosten. Weiters habe ich die Erfahrung gemacht, dass an sonnigen und heißen Tagen der Ladezustand am Abend bis zu 15 km mehr anzeigt.

Ich empfehle bei Aufenthalt im ländlichen Raum eine mobile Ladestation zum Zwischenladen an einer Kraftsteckdose im Gepäck mitzuführen. Bei meiner Ladestation kann ich den Ladestrom variieren. Bei einer Leistung von 11 kW/16 A sind für eine Voll-Ladung rund fünf Stunden einzuplanen.

Rückfahrt

Ich habe die Retourfahrt bei einem Ladezustand von 290 km in Radenthein gestartet. Die Turracher Höhe habe ich mit einer Rest-Reichweite von 174 km erreicht. In Predlitz bin ich mit einem Tankstand von 243 km angekommen. Aufgrund des geringen Energieverbrauchs konnte ich die E-Ladestation Bruck an der Mur ansteuern. (Distanz Radenthein–Bruck an der Mur: 183 km – Rest-Reichweite: 122 km). In Bruck an der Mur habe ich in 1:11 h eine Energiemenge von 25 kWh geladen. Mein Ziel, Stockerau, habe ich bei einer Rest-Reichweite von 89 km erreicht. (Distanz Bruck an der Mur–Stockerau: 181 km)

Zusammenfassung

Wer kann mit einem Verbrennungsfahrzeug mit einem Verbrauch von 11,6 l eine Distanz von 836,5 km bewältigen? Ich denke, das E-Auto hat eindeutig gewonnen. Meine Erkenntnis war: Es ist möglich, eine Distanz von ca. 350 km mit einmal Laden bei der E-Tankstelle mit Schnell-Ladung (43 kW), Ladedauer ca. eine Stunde, zu bewältigen. Ich empfehle eine defensive Fahrweise und unbedingt eine Fahrpraxis mit einem E-Auto. Aus meiner Aufzeichnung geht auch ganz deutlich hervor, dass rund 11 % der Energie durch Rekuperation entlang der Strecke gewonnen werden konnten. Dies ist aus meiner Sicht ein großer Vorteil des E-Autos.    wf

Autor/in:
Wolfgang Friedrich
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