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Stecker statt Tank­rüssel: Für die Kids wird das schon bald eine ganz selbstverständ­liche Sache sein.

Chance für das ­Elektrohandwerk

09.01.2018

e-mobility Die Route ist klar, der Weg führt in die Elektromobilität. Für das Elektrohandwerk ergeben sich dabei viele Chancen, die Errichtung der erforderlichen Infrastruktur verspricht ein gutes Geschäft zu werden.

Der Berlingo ist nur eines von vielen Nutzfahrzeugen am Markt, das auch mit E-Antrieb verfügbar ist.
Die Errichtung der Ladeinfrastruktur füllt die Auftragsbücher des Elektrohandwerks. Smatrics ist einer der großen Anbieter von öffentlichen Ladestationen in Österreich.

Es sieht nach noch nicht viel aus. Bis zum dritten Quartal 2017 wurden in Österreich 269.878 Pkw des Typs M1 zugelassen. Davon waren 4081 BEV (Batterie Electric Vehicle) und 1209 Plug-in-Hybride. Macht in Summe einen Anteil von 1,96 Prozent. Aber immerhin: Das sind 250 Fahrzeuge mehr als im ganzen Jahr 2016, die Steigerungsrate lag im dritten Quartal bei 39,28 Prozent. 

In absoluten Zahlen ist der Absatz an Elektrofahrzeugen aber immer noch erschreckend gering. Branchen-Primus Renault konnte im ersten Halbjahr exakt 735 Fahrzeuge verkaufen, Tesla 529. Dabei gibt sich der Staat viel Mühe, diese noch ziemlich blassen Zahlen aufzufetten. Seit März dieses Jahres gibt es für Autos mit reinem Elektroantrieb – Batterie oder Brennstoffzelle – eine Prämie von 4000 Euro. Insgesamt stehen 48 Mio. Euro zur Verfügung, die je zur Hälfte aus dem Infrastruktur- und dem Umweltministerium kommen. Gefördert werden Fahrzeuge bis zu 50.000 Euro Listenpreis. Für geschäftlich genutzte Fahrzeuge entfällt diese Grenze. Dann darf es auch schon mal ein Tesla X sein, für den man mindestens 92.000 Euro hinlegen muss. So richtig inte­ressant wird es aber, wenn man sich die Kosten über acht Jahre anschaut. Da zeigt sich: Gegenüber gleich starken Benzinern verzichtet der Staat bei einem Tesla S auf fast 100.000 Euro an Steuern und Abgaben – Geld, dass das Unternehmen nicht aufwenden muss.

Bleibt die Frage: Wie praxistauglich sind die Stromer für ein Unternehmen? Die Antwort ist einfach: Elektroautos sind voll praxistauglich. Zumindest für das Handwerk. Denn die Fahrzeuge sind tagsüber nur eine beschränkte Anzahl an Kilometern unterwegs, sie können abends auf dem Betriebshof geladen werden. Die Stromkosten sind niedrig. Die Rechnung: Solarstrom kostet heute etwa 10 Cent/kWh, ein Elektroauto braucht ca. 20 kWh pro 100 km. Ein Elektrofahrzeug, das vorwiegend mit Solarstrom betrieben wird, kostet also über den Daumen zwei Euro pro 100 km. 

Elektroautos auch für die Profis

Mittlerweile gibt es auch bereits eine Auswahl an typischen Nutzfahrzeugen. Beispielsweise den Nissan e-NV200, den VW Caddy oder auch den Citroën Berlingo Electric. Für das Elektrohandwerk zahlt es sich sogar doppelt aus: Die Elektrofahrzeuge können zusammen mit der Ladevorrichtung im Geschäft zu einer Art Musterprojekt werden, das für die Kunden die Technik erlebbar und begreifbar macht. Was sich durchaus auszahlen kann. Denn die überaus größte Menge an (noch zu errichtenden) Ladestationen, nämlich etwa 80 Prozent, werden im privaten und halböffentlichen Raum benötigt. Und das ist die Domäne des Elektroinstallateurs. Es kommt dabei auch auf seine Expertise an, denn es ist oft nicht nur damit getan, eine Wallbox zu installieren. In vielen Haushalten sind die Installationen nicht für einen so hohen Dauerstrom ausgelegt, wie er beim Laden von Elektrofahrzeugen auftritt. Die Anpassung der Hausinstallation an die neuen Anforderungen ist für das Elektrohandwerk eine Aufgabe mit viel Potenzial. Im Zuge dieser Anpassungen denken viele Hausherren auch über die Errichtung einer Photovoltaik-Anlage nach. Sie kann die Fahrzeuge mit billigem Solarstrom versorgen, überschüssiger Strom versorgt den Haushalt. Die Infrastruktur dazu wird ebenfalls durch das Elektrohandwerk geschaffen. 

Österreich als Vorbild

Schon relativ weit ist man in Österreich bei den öffentlichen und halböffentlichen Ladestationen. Das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) und das Karlsruher Institut für Technologie (KIT) haben errechnet, dass es für die eine Million Elektroautos, die bis 2020 auf Deutschlands Straßen fahren sollen, 35.000 solcher Ladepunkte braucht. Nimmt man die für Österreich übliche Faustregel und teilt die Zahlen durch 10, dann sind das 3500 Ladepunkte für die Alpenrepu­blik. Laut der E-Tankstellenplattform e-tankstellen-finder.com gab es mit Ende September bereits 2867 solcher Ladepunkte in Österreich (siehe Karte). Einer der größten Anbieter hier ist Smatrics. Das Wiener Unternehmen bietet 400 Ladepunkte, verteilt über das Staatsgebiet, von denen immer eine im Umkreis von 60 km erreichbar sein soll. Aber selbstverständlich werden die Netze weiter ausgebaut. In Wien etwa soll es bis 2020 500 neue Ladesäulen geben, was die derzeitige Zahl verdoppelt. 

Europaweite Netze im Kommen

Für den europäischen Fernverkehr rüsten sich mehrere Unternehmen, um Schnell­ladestationen zu errichten. Jüngster Zugang ist Ionity. Das Unternehmen ist eine gemeinsame Gründung von BMW, Daimler, Ford und VW und will bis 2020 400 Schnellladestationen entlang der Hauptverkehrsachsen in Europa errichten. Baustart für die ersten 20 soll noch heuer sein. Die Stationen sollen am Ende nicht mehr als 120 km voneinander entfernt stehen, Kooperationspartner sind unter anderem die OMV oder der Raststättenbetreiber Tank & Rast. Die Stationen werden mehrere Ladepunkte mit einer Leistung von bis zu 350 kW besitzen. Dadurch sollte ein „Tankvorgang“ nicht länger als eine Kaffee-Pause dauern.

Übersicht der öffentlich zugänglichen Ladepunkte in Österreich

Als Grundlage für die Karte wurden Daten der E-Tankstellenplattform http://e-tankstellen-finder.com vom 30. 09. 2017 verwendet. Die Karte zeigt öffentlich zugängliche Normal- und Schnellladepunkte gemäß der Richtlinie 2014/94/EU. In Summe handelt es sich um 2867 Ladepunkte. Normalladepunkte sind rot dargestellt, Schnellladepunkte (441) bieten eine höhere Ladeleistung als 22 kW und sind gelb markiert. Blau hinterlegt sind die TEN-T-Korridore. Quelle: bmfit

Autor/in:
Wolfgang Korne
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