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Zu teure Elektrogeräte: Präsident verordnet „Schweinepreise“ - und verstaatlicht den Händler

03.12.2013

In Venezuela ticken die Uhren halt noch anders. Während der Handel hierzulande unter den vielzitierten „Schweinepreisen“ – vornehmlich der Online-Konkurrenz – stöhnt, wurde den Südamerikanern für Elektrogeräte bislang zu tief in die Tasche gegriffen, fand jedenfalls Staatschef Nicolas Maduro. Kurzerhand verordnete er der Elektronik-Kette Daka eine kräftige Preissenkung. Danach wurde Venezuelas Antwort auf Media Markt einfach verstaatlicht.

Zugegeben, seit dem Tod des charismatischen Hugo Chavez hatte es Maduro nicht gerade leicht, den „bolivarischen Sozialismus des 21. Jahrhunderts“ seinem nicht gerade wohlhabenden Volk näherzubringen. Was liegt demnach also näher, als der Unzufriedenheit der Venezuelaner mit schlagkräftigem Populismus entgegen zu treten – also Fernseher und Epilierer für alle.

 

Jedenfalls ortete Maduro in den überhöhten Preisen der Elektrokette Daka einen Grund für die steigende Unzufriedenheit seiner Untertanen. Man betreibe Preisspekulationen und verkaufe Waren bis zum Zehnfachen des Einkaufspreises, so die Vorwürfe seitens der Regierung. Das wollte man nicht auf sich sitzen lassen. Kurzerhand wurden die fünf Filialen durch Soldaten besetzt und die jeweiligen Marktleiter unter dem Vorwurf von Wuchergeschäften verhaftet. Gleichzeitig wurde für „faire Preise“ gesorgt, indem man die verfügbaren Produkte zum Einkaufspreis wenn nicht sogar darunter anbot.

  

Das Problem der Preisgestaltung war aber eigentlich ein politisches. Das staatswirtschaftlich organisierte Venezuela hat einen fixen Wechselkurs zum US-Dollar festgelegt, wobei der Schwarzmarktkurs um bis zum Zehnfachen darüber liegt. Da Elektronikprodukte hauptsächlich importiert werden, kommt es also zu einer erheblichen Diskrepanz zwischen den offiziellen und den realen Anschaffungspreisen.

 

Insofern hat die Regierung mit ihrem Eingreifen geschafft, nun den „offiziellen“ Preis darzustellen, wobei dieser vom „realen“ Einkaufspreis aber weit entfernt ist. Nicht gerechnet hat Maduro auch damit, dass sich seine Untertanen gar nicht Sozialismus-Like verhalten. Nachdem man den privaten Bedarf befriedigt hatte, deckte man sich nämlich mit Waren für den Weiterverkauf am Schwarzmarkt ein. Das daraus entstandene Chaos mündete schließlich in der kompletten Verstaatlichung der Elektro-Kette – für unbestimmte Zeit, wie es heißt.

Autor/in:
Redaktion Elektrojournal
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