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Thomas Faast und Brigitte Reich

„Zu den Sammelzielen ab 2019 wird auf europäischer Ebene noch viel diskutiert“

15.06.2015

Im aktuellen Elektrojournal 6/2015 sprechen UFH-Chef Thomas Faast und UFH-Juristin Brigitte Reich über die Aufgaben eines Bevollmächtigten. In Teil 2 des Interviews geht's um die neuen Sammelquoten für Elektroaltgeräte und die Chancen für das UFH am Verpackungsmarkt. 

Elektrojournal: Die neue Elektroaltgeräte-Verordnung sah für den Handel eine 0:1-Rücknahme vor. Diese scheint abgewendet. Ist das fix?
Thomas Faast: Mein Wissenstand ist, dass sich daran nichts mehr ändern wird. Die WEEE-Richtlinie ist bereits 2012 gekommen. In Österreich ist die Elektroaltgeräte-Verordnung seit Mitte 2014 umgesetzt.

Elektrojournal: Welcher Punkt ist in der Verordnung ist Ihrer Meinung besonders relevant für den E-Handel?
Faast: Zur 1:1-Rücknahme gibt es Informationspflichten für die Letztvertreiber. „Eine deutliche Information insbesondere im Kassenbereich des Geschäftslokals“, heißt es in der Verordnung.
Brigitte Reich: Wobei die 1:1-Rücknahme nur bei Verkaufsflächen ab 150 Quadratmetern besteht und natürlich nur für Geräte der gleichen Art gilt.

Elektrojournal: Die Verordnung sieht auch neue Sammel-Quoten für Elektroaltgeräte  vor.
Faast: Zu den Sammelzielen ab 2019 wird auf europäischer Ebene noch viel diskutiert. Es gibt zwei Sammelziele bzw. Methoden, zwischen denen die Staaten wählen können: 65 Prozent der in Verkehr gesetzten Menge oder 85 Prozent der Gesamtmenge an EAG, die weggeworfen werden. Die Frage ist, wie sich diese Zahlen vernünftig berechnen lassen.

Elektrojournal: Sind diese Ziele realistisch?
Faast: Wenn wir in Österreich von den 48 Prozent, die wir heute haben, auf 65 Prozent steigern müssen, ist das natürlich eine Herausforderung. Die Sammlung in Österreich funktioniert aber sehr gut. Das Thema für uns sind die vielen Elektrogroßgeräte, die im Alteisen landen und deren Schadstoffe zwar vorschriftsgemäß entfrachtet werden, die aber nicht gemeldet werden.   

Elektrojournal: Vor drei Jahren wurde in dem UFH-Werk in Kematen das einmillionste Kühlgerät entsorgt. Wie viele Geräte landen jährlich in dem Werk?
Faast: Pro Jahr behandeln wir etwa 250.000 Kühlgeräte. Nachdem die Anlage jetzt sechs Jahre in Betrieb ist, werden wir bald das nächste Jubiläum feiern. 

Elektrojournal: Werden es jährlich mehr oder weniger Geräte?
Faast: Die Rücklaufquote ist zurückgegangen. Eine wissenschaftliche Erklärung dafür haben wir nicht. Ich hoffe natürlich, dass die Geräte nicht vermehrt illegale Wege gehen. Schließlich haben wir insbesondere in Ostösterreich das Phänomen der illegalen Verbringung von Elektrogeräten. Zirka 10.000 bis 25.000 Tonnen EAG verlassen illegal das Land, so die Schätzung.

Elektrojournal: Was bedeutet der Rückgang für die Auslastung der Anlage in Kematen?
Faast: Wir konnten den Rückgang Anlage sehr gut kompensieren, weil wir auch Geräte aus anderen Ländern verarbeiten. Das ist nicht nur für unsere Anlage positiv. Diese Mengen Geräte kommen aus Ländern, in denen es keine so fortschrittliche Technologie in der Kühlgerätebehandlung gibt. Wir haben in Kematen einen Dreischichtbetrieb und sind mit der Auslastung sehr zufrieden.

Elektrojournal: Stichwort illegalen Verbringung: Man glaubt, etwas Gutes zu tun, wenn man den Sammlern die Altgeräte mitgibt. Wie lässt sich das Bewusstsein der Bevölkerung schärfen?
Faast: Die Elektroaltgeräte Koordinierungsstelle arbeitet gerade einen Informationsschwerpunkt aus. Dieser soll Konsumenten darauf hinweisen, dass man eben nichts Gutes tut. Österreich gehen Rohstoffe verloren. Außerdem muss man sich darüber sorgen machen Sorgen machen, dass bei Geräten, die illegal über die Grenze wandern, die Schadstoffentfrachtung nicht so stattfindet, wie es bei uns Standard wäre.

Elektrojournal: Der Markt für Verpackungs-Lizensierung ist aufgebrochen. Wie sieht der Fahrplan des UFH aus?
Faast: Wie haben derzeit im Verpackungs-Haushaltsbereich von sieben Prozent, im Gewerbe von neun Prozent. 2015 wollen wir in diesem Bereich elf Millionen Euro Umsatz machen. 2020 wollen wir 20 Prozent Marktanteil haben, bei einem Umsatz von 35 Millionen Euro. Eine Stärke von uns ist, dass Reclay und UFH Kunden sehr rechtssicher beraten können. Das Verpackungs-Thema ist nämlich nicht so einfach und trivial. Wir bieten im Rahmen des FEEI auch einen Workshop an.
Letztendlich wollen wir als UFH das gesamte Spektrum anbieten können: den Bevollmächtigten, das Systemgeschäft auf österreichischer Ebene, mit Reclay gemeinsam die Verpackungslösungen und mit unseren Partner auf europäischer Ebene auch europäische Lösungen.
Neu sind wir übrigens bei EucoLight Mitglied. Das ist eine Interessenvertretung von Altlampen-Systemen. Im Juni ist die Gründungsitzung in Brüssel. Wir werden als einziges österreichisches System Mitglied sein.

Elektrojournal: Marion Mitsch wurde in die Geschäftsführung des UFH berufen. Was soll sich dadurch verändern?
Faast: Wir wollten in der Geschäftsführung etwas besser aufgestellt sein. Schließlich werden die Herausforderungen mehr. Zum einen ist die Berufung natürlich eine Wertschätzung der Arbeit, sie hat aber auch einen konkreten Sinn. Wir können uns beide besser auf unsere Bereiche konzentrieren. Marion Mitsch verantwortet Finanzen und Personal. 

Autor/in:
Alexander Zechmeister
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