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In Österreich sind die Bundesländer Niederösterreich und Burgenland im Bereich Windkraft führend.

Windkraftbranche fordert „kleine Ökostromnovelle“

12.01.2017

Die IG Windkraft ortet einen anhaltenden Reformstau beim Ökostromgesetz – mit der aktuellen Folge eines drastischen Ausbaurückgangs: Mittlerweile hängen 260 Windräder in der Warteschlange und damit 1,4 Mrd. Euro an Investitionen, die zurückgestellt werden müssen.

Der Reformstau beim Ökostromgesetz werde immer größer, so Stefan Moidl, Geschäftsführer der IG Windkraft: „Nur eine rasche kleine Ökostromnovelle hält Österreich auf Energiewendekurs, sichert Arbeitsplätze und schafft heimische Wertschöpfung statt Kaufkraftabfluss durch Importstrom.“

Mit Ende 2016 konnten alle österreichischen Windkraftanlagen bereits 9 % des heimischen Strombedarfs erzeugen. Doch der Windkraftausbau ist in den letzten zwei Jahren massiv geschrumpft: 2015 wurden noch 108 neue Windräder errichtet, 2016 75. Mit voraussichtlich 60 Windrädern wird es 2017 noch einmal deutlich weniger sein.

Moidl ist nicht gerade zuversichtlich: „Wer allein auf eine große Reform setzt, der will in den nächsten Jahren den Ökostromausbau abwürgen, denn es ist völlig unrealistisch, dass mit allen Akteuren ein komplett neues Ökostromgesetz vor 2020 seine Wirkung entfalten kann.“

Mittlerweile hängen bereits 260 Windräder mit einer Leistung von 850 MW in der Warteschlange. Diese Anlagen könnten zusätzlich 2,5 % der österreichischen Stromversorgung sichern, Investitionen von 1,4 Milliarden Euro auslösen und tausende Arbeitsplätze bereitstellen, so die IG Windkraft. Davon sind 190 Windräder zum jetzigen Zeitpunkt sogar gänzlich ohne Perspektive, da durch eine Formalbestimmung die Anträge nach drei Jahren verfallen.

Mit 224 Windrädern und einer Leistung von mehr als 500 MW ist die Energie Burgenland der mit Abstand größte Windkraftbetreiber Österreichs. „Auch unsere Projekte hängen in der Warteschlange fest“, erklärt Michael Gerbavsits, Vorstandsvorsitzender der Energie Burgenland. „Wir haben Projekte im Ausmaß von 150 MW, die im Konsens mit der Bevölkerung konzipiert sowie behördlich bewilligt wurden und einen hohen regionalwirtschaftlichen Impuls bringen können. Wir brauchen einen Abbau der Warteschlange und eine Verlängerung der Verfallsfrist der Reihung, damit der Windkraftausbau im Burgenland und in Österreich wieder auf sinnvollem Niveau fortgesetzt werden kann.“

Auch bei dem mit über 400 MW installierter Leistung größten Bürgerbeteiligungsunternehmen Österreichs, der WEB Windenergie AG, hängen Windparkprojekte in der Warteschlange. Vorstandsvorsitzender Frank Dumeier dazu: „Auch wenn wir sehr gerne Projekte in Österreich realisieren würden, haben wir uns strategisch neu ausgerichtet und werden die nächsten 100 Millionen Euro in unseren WEB-Auslandsstandorten in Windparks investieren.“

Die IG Windkraft resümiert: Egal, wie die langfristige Energie- und Klimastrategie der Regierung ausfällt, ohne den forcierten Ökostromausbau ist die Energiewende nicht zu schaffen. Moidl: „Will man nicht eine Vollbremsung des Ausbaus für mehrere Jahre in Kauf nehmen, ist eine kleine Ökostromnovelle unerlässlich. Der vorhandene Spielraum im von der EU-Kommission bewilligten Ökostromgesetz muss unbedingt genutzt werden, unabhängig von einer später kommenden großen Reform.“

 

Autor/in:
Redaktion Elektrojournal
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