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Willkommen in Sodom! Dein Smartphone ist schon hier …

15.11.2018

Agbogbloshie ist eine der größten Elektro-Müllhalden der Welt. Rund 6.000 Frauen, Männer und Kinder leben und arbeiten hier. Sie selbst nennen diesen Ort „Sodom“. Eine österreichische Doku liefert beeindruckende und apokalyptische Bilder von den Verlierern der digitalen Revolution.

„Sodom“ nennt man den Teil der ghanaischen Hauptstadt Accra, den wirklich nur jene betreten, die unbedingt müssen. Die Deponie von Agbogbloshie ist Endstation für Computer, Monitore und anderen Elektroschrott aus Europa und aller Welt. Rund 250.000 Tonnen ausrangierte Computer, Smartphones, Drucker und andere Geräte aus einer weit entfernten, elektrifizierten und digitalisierten Welt gelangen Jahr für Jahr hierher. Auf illegale Weise.

Dort wird der Elektroschrott von Kindern und Jugendlichen unter freiem Himmel zerkleinert. Durch das Schmelzen alter Kabel in pechschwarzen Rauchwolken werden neue Rohstoffe gewonnen. Ein „sauberes“ Geschäft für die einen, hochgiftiger Alltag für die anderen. Der Dokumentarfilm „Welcome to Sodom“ lässt die Zuschauer tief hinter die Kulissen von Europas größter Müllhalde mitten in Afrika blicken und portraitiert die Verlierer der digitalen Revolution.

Nicht die Mechanismen des illegalen Elektroschrotthandels stehen im Vordergrund, sondern die Lebensumstände und Schicksale von Menschen, die am untersten Ende der globalen Wertschöpfungskette stehen – auf der Müllhalde von Agbogbloshie.

Verlorenes Naturparadies

Vor nicht allzu langer Zeit war diese Gegend unberührtes Sumpfland, eine paradiesische Lagune. Heute wird empfohlen nicht länger als zwei Stunden an diesem Ort zu verbringen.  Agbogbloshie, am Rande der Millionenmetropole Accra, zählt zu den verseuchtesten und giftigsten Arealen der Erde. Man steht kurz vor dem ökologischen Kollaps – mit Agbogbloshie als Hotspot. Der Fluss der durch das Areal fließt ist vollkommen tot, das Wasser ist hochtoxisch, wird aber für die Bewässerung der umliegenden Felder eingesetzt. Einen knappen Kilometer weiter mündet der Fluss in den Atlantik, wo es zu einer Kontamination der Fischbestände kommt. Die Korle-Lagune ist eine stinkende Kloake und zählt zu den verseuchtesten Gewässern des Erdballs.

Alle hier in Sodom leben in irgendeiner Form von den „Segnungen“ des Computerzeitalters, viele sterben daran. Und dennoch ist der apokalyptisch anmutende Schauplatz für die Bewohner ein Ort voller Perspektiven. Von Endzeitstimmung ist nichts zu spüren. Der Elektronik-Friedhof zieht Menschen aus allen Landesteilen, sogar aus Nachbarländern an und verspricht ein bescheidenes Auskommen. Angesichts der Bilder kaum zu glauben, aber Ghana ist ein vergleichsweise reiches Land – nicht umsonst wird es als die „Schweiz Afrikas“ bezeichnet.

„Welcome to Sodom“ porträtiert Menschen, deren Existenz und Alltag von der modernen Technologie geprägt, aber auch bedroht ist. Wie beispielsweise einen Herrn, der Berge von Kabeln, Monitore und Computer verbrannt, um an das Kupfer und die Metalle zu kommen. Oder ein kleines Mädchen, das sich als Junge verkleiden muss, um besser bezahlt zu werden wenn sie mit einem Magneten die kleinsten Metallreste aus der verbrannten Erde rund um die großen Feuer sammelt. In der Hoffnung auf eine bessere Zukunft verwandeln sie die Deponie zu einem quirligen Platz voller Aufbruchsstimmung und Lebensfreude.

Bewusstsein schaffen

„Das Thema Elektromüll ist in jüngster Zeit durch unterschiedliche Medien zunehmend in unser Bewusstsein gerückt. Wir wollten diese Sensibilisierung der Öffentlichkeit ganz bewusst nutzen und mit unserer Doku erstmals jenen Menschen ein Gesicht und eine Stimme geben, die am untersten und schmutzigsten Ende der Wertschöpfungskette des Technologiezeitalters stehen. Der Film ist keine Anklage, sondern eine Reflexion auf die globalisierte Gesellschaft, die einmal mehr zum Nachdenken über Konsumverhalten und Nachhaltigkeit anregen soll. Allein die Tatsache, dass es immer noch zu wenig öffentliches Bewusstsein für diesen Elektromüll-Kreislauf gibt, verleiht dem Film Relevanz“, so die Macher des Films.

Der Trailer zum Film (ab 23. November im Kino):

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