Direkt zum Inhalt
Der Einsatz eines USV-Systems zusammen mit einer Netzersatzanlage (NEA) bzw. einem Diesel-Notstromaggregats nimmt zur Aufrechterhaltung der Verfügbarkeit im Serverraum aber auch in Produktionsbetrieben stetig zu.

Wenn plötzlich nichts mehr geht: Wie ein Blackout Betriebe lahmlegt

07.09.2020

Einen lokalen Stromausfall hat bisher jeder schon einmal erlebt. Aber was ist, wenn ganz Europa plötzlich im Dunkeln sitzt – mehrere Stunden, Tage oder sogar Wochen? Die Coronakrise hat gezeigt: Extremszenarien werden mitunter zur realen Bedrohung, die uns unvorbereitet treffen können – und dabei erhebliche Schäden anrichten. In unserer digitalisierten, vernetzten Welt hätte bereits ein mehrstündiger IT-Ausfall für Betriebe Folgen. Frühzeitige Krisenvorsorge kann diese Schäden minimieren.

V.l.n.r.: Gerlinde Macho (MP2), Christoph Kitzler (MP2), Stefanie Gutleder (EPS) und Peter Reisinger (EPS),

Ein Blackout – also ein lang andauernder, überregionaler Stromausfall – gilt als seltenes, aber mögliches Szenario mit erheblichem Schadenspotenzial. Unterschiedliche Ursachen können zu einem Ausfall der europäischen Stromversorgung führen, darunter menschliche Bedrohungen wie gezielte Cyberangriffe, technische Fehlfunktionen, Naturkatastrophen oder einfach nur eine unglückliche Verkettung von Einzelereignissen. Experten halten ein solches flächendeckendes Blackout-Szenario zwar für selten, aber wahrscheinlich – und aufgrund der hochgradigen Vernetzung hätte es schwerwiegende Folgen.

Auch wenn ein solches Szenario nicht zur Gänze vermieden werden kann – mit Vorsorgemaßnahmen kann man sich und die eigene Familie sowie im beruflichen Umfeld zumindest auf den Notfall vorbereiten. Mit Präventionsmaßnahmen im Bereich der IT und IT-Infrastruktur beschäftigen sich die Experten von EPS Electric Power Systems und MP2 IT-Solutions. Die beiden Unternehmen mit Waldviertler Standorten sind Mitglied der Österreichischen Gesellschaft für Krisenvorsorge (GfKV). Gründer dieser Initiative ist Herbert Saurugg, Experte für Blackout-Vorsorge. Gemeinsam mit Saurugg und der GfKV initiierten EPS und MP2 IT-Solutions eine gemeinsame Blackout-Kampagne, um Entscheidungsträger zu sensibilisieren und zu einer rechtzeitigen Planung von Maßnahmen zu animieren. „In unserer vernetzten, digitalisierten Informationsgesellschaft sind wir hochgradig von Daten und automatisierten Prozessen, die durch IT-Systeme gesteuert werden und das quer durch alle Branchen, abhängig. Auch innerhalb eines Unternehmens sind die wechselseitigen Abhängigkeiten einzelner Bereiche spürbar. Sorgt man hier nicht vor, würde ein länger andauernder überregionaler Stromausfall eine Kette an Folgeereignissen wie ein Dominostein in Gang setzen – und das mit erheblichen Folgeschäden“, erklärt die Inhaberin und Gründerin von MP2 IT-Solutions Gerlinde Macho.

IT-Notfallhandbücher als Präventivmaßnahme

Krisenvorsorge braucht ihren festen Platz in allen Unternehmen jeglicher Größe und Branche. Fällt der Strom aus, ist die IT weg – und damit eine Vielzahl an gesteuerten Prozessen, Daten und Informationen. Um ein solches Szenario zu vermeiden, müssen organisatorische und technische Maßnahmen ergriffen werden. „Ein plötzlicher Stromausfall kann in der IT verheerenden Schaden anrichten, von Datenverlust bis zu beschädigten Geräten und Systemen. Deshalb braucht es Vorbereitung, Pläne und Simulationen“, erklärt Christoph Kitzler, Geschäftsführer und technischer Leiter von MP2 IT-Solutions. „In erster Linie muss geklärt werden, welche unverzichtbaren Komponenten beispielsweise mit Ersatzstrom weiterbetrieben werden können. Zudem braucht es Pläne für ein geregeltes Hinunterfahren und, wenn Strom wieder verfügbar ist, ein Wiederhochfahren der Systeme“, so der IT-Experte, denn nur so könne sichergestellt werden, dass man schnell wieder handlungsfähig ist. IT-Notfallhandbücher halten Handlungsanweisungen fest, wie im Notfall zu reagieren und entscheiden ist. Sie sind ein bedeutender Leitfaden, wo es gilt, rasch die richtigen Entscheidungen zu treffen. Das Vorgehen im Notfall soll außerdem geprobt werden. „Testen und simulieren Sie den Notfall, zum Beispiel das Abschalten und Wiederhochfahren von Systemen – nur so können sie Schwachstellen analysieren und Prozesse optimieren“, erläutert Kitzler weiter.

Systemverfügbarkeit und Stromversorgung im Serverraum

Aufgrund der zunehmenden Datenflut sind besonders IT-Services von Rechenzentren (RZ) und damit RZ-Betreiber stark darauf angewiesen den Strom unterbrechungsfrei und stetig aufrechtzuerhalten. Ohne adäquate Sicherungsmaßnahmen stürzen Server und Rechner bereits binnen weniger Sekunden ohne Strom ab. Bei der Stromversorgung eines Serverraums steht die Unterbrechungsfreie Stromversorgung (USV) im Mittelpunkt – denn die USV-Anlage gilt als eine der wichtigsten Schutzmaßnahmen für IT-Räume, Industrieanlagen und andere kritische Infrastrukturen. Das USV-System wird in die Stromzuleitung der zu sichernden Anlage eingefügt und garantiert bei kurzen Ausfällen Versorgungskontinuität.

Der Einsatz eines USV-Systems zusammen mit einer Netzersatzanlage (NEA) bzw. einem Diesel-Notstromaggregats nimmt zur Aufrechterhaltung der Verfügbarkeit im Serverraum aber auch in Produktionsbetrieben stetig zu. Mit Diesel angetrieben, sorgt es im Falle eines Stromausfalls für die notwendige Ersatzenergie. Notstromaggregate übernehmen die komplette Energieversorgung des Systems und laden gleichzeitig den vorhandenen USV-Batteriespeicher auf. Je nach Anforderung der benötigten elektrischen Leistung, Auslegung der Tankanlage versorgt die NEA die zu versorgende Last für die definierte Zeitdauer. „Unsere Welt wird vernetzter und digitaler, daher ist die Anforderung nach Verfügbarkeit und Qualität der Stromversorgung wichtiger denn je. Präventive Vorkehrungen im Unternehmen helfen, die erforderliche Verfügbarkeit für betriebskritische und strategische Infrastrukturen in Notfällen aufrechtzuerhalten und damit gesellschaftliche sowie wirtschaftliche Negativfolgen zu mildern“, so Peter Reisinger, Vertriebs- & RZ-Projektleiter bei EPS.

Nicht nur die Technik muss im Notfall funktionieren. Auch die Mitarbeiter*innen in den Betrieben müssen mit an Bord geholt werden, um sich für den Extremfall vorzubereiten. „Bereiten Sie nicht nur Systeme, sondern auch Ihr Team auf einen Notfall vor. Fragen Sie sich Folgendes: Wissen alle, was im Notfall zu tun ist und wo das Notfallhandbuch zu finden ist? – und das auch in Papierform. Ab wann davon ausgegangen werden kann, dass es sich bei einem Ausfall um einen überregionalen Blackout handelt? Beziehen Sie Ihr Team mit ein und schaffen Sie Bewusstsein sowie Akzeptanz“, erklärt Macho. 

Werbung
Werbung