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Unternehmensinsolvenzen in Österreich weiter rückläufig

28.09.2015

Wie der KSV1870 mitteilte, sind die Unternehmensinsolvenzen im Zeitraum Quartal 1-3 des heurigen Jahres 2015 weiter rückläufig. 3.822 Unternehmensinsolvenzen entsprechen einem Rückgang zum Vergleichszeitraum des Vorjahres von minus sieben Prozent. 

An Gesamtpassiva gibt es in den ersten drei Quartalen 2015 1.445 Millionen Euro (minus rund 30 %) und 13.700 Mitarbeiter sind betroffen (- 15 %). Von den 3.822 Insolvenzen wurden 2.316 eröffnet, was einer Eröffnungsquote von knapp über 60 % entspricht.

Bei den Insolvenzen gibt es in Österreich große Unterschiede: für Vorarlberg wird ein Minus von 36 Prozent gemeldet, es folgen Tirol (- 30 %) und Oberösterreich (- 14 %), Wien hingegen hat um 1,4 % mehr Insolvenzen zu verzeichnen, während es in Niederösterreich und Kärnten „kaum Bewegung“ gibt.

Analyse I

Dazu Hans-Georg Kantner, Leiter KSV1870 Insolvenz: „Einerseits gibt es unterschiedliche Branchenmixes, jedoch spielt zweifellos auch die individuelle Dynamik in den Bundesländern hinein, wie sich an der Statistik der Kammermitglieder der WKO ablesen lässt“.

Bei einem durchschnittlichen Zuwachs an Kammermitgliedern von 84 % in ganz Österreich liegen die Bundesländer Tirol und Vorarlberg deutlich unter Schnitt, die großen Bundesländer Niederösterreich und Oberösterreich dagegen darüber.

Wo wenig gegründet wird, gebe es auch weniger Insolvenzen. „Junge Unternehmen müssen sich erst einmal bewähren und machen nicht überraschend einen überproportionalen Anteil an den Insolvenzen aus. Man sieht daran auch, dass wenige Insolvenzen nicht ausschließlich ein Signal der Stärke sein müssen, sondern eben auch eines für geringere Dynamik sein können“, so Kantner.

Analyse II

Die Bundesländer Tirol und Vorarlberg sind wirtschaftlich potente Bundesländer, was auch an der Arbeitslosenstatistik abzulesen ist: Während Wien und Kärnten Spitzenreiter sind, finden sich Tirol und Vorarlberg deutlich unter dem Österreich-Schnitt von 5,8 %. Die starke industrielle Komponente verbunden mit exportorientierter Wirtschaft seien die Schlüssel für diese Positionen, wie sich an Oberösterreich, „unserem Exportweltmeister“ (mit einem Anteil von 25 % an allen heimischen Exporten), ablesen lasse.

Kantners Fazit: „Niedrige Insolvenzzahlen beruhen auf einem Ursachenmix aus relativer wirtschaftlicher Stärke gekreuzt mit relativer wirtschaftlicher Dynamik und lassen sich nicht eindimensional erklären.“

Jahresausblick

Mit Blick auf die „verhaltenen Konjunkturprognosen“ bestehe, so der KSV1870, kein Grund, „eine unmittelbar bevorstehende Insolvenzwelle zu befürchten. Vielmehr werden die Gesamtzahlen für das Jahr 2015 weiterhin unter denen des Jahres 2014 zu liegen kommen und vor allem bei der Zahl der Dienstnehmer und den betroffenen Passiva deutlich abfallen.“ 

Autor/in:
Redaktion Elektrojournal
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