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Unter 60? Steueroptimale Unternehmensnachfolge durch Vergesellschaftung

02.10.2006

Wird ein Einzelunternehmen vom Unternehmer vor dem Erreichen des 60. Lebensjahres veräußert, so steht in der Regel ein begünstigter Steuersatz nicht zu.

In der Praxis wird das Einzelunternehmen in diesen Fällen oftmals in eine GmbH eingebracht, da die Veräußerung der GmbH-Anteile zum halben Durchschnittssteuersatz möglich ist. Für den Käufer ist der GmbH-Anteilserwerb jedoch mit dem Verlust der Firmenwertabschreibung verbunden, was wiederum den Kaufpreis drückt. Es gibt aber auch steuerbegünstigte Alternativen zur GmbH-Einbringung für KMU, die genutzt werden können.

Die Finanzverwaltung sieht für die Veräußerung eines Einzelunternehmens eine Besteuerung mit dem Hälftesteuersatz nur dann vor, wenn
• der Steuerpflichtige verstorben ist oder
• erwerbsunfähig ist oder
• das 60. Lebensjahr vollendet hat und seine Erwerbstätigkeit einstellt.

Will sich ein erfolgreicher Unternehmer, der es bereits mit 50 „geschafft“ hat, schon mit diesem Alter zur Ruhe setzen, so unterliegt der Gewinn aus der Veräußerung des Einzelunternehmens in der Regel einem Steuersatz von bis zu 50 Prozent.
Diese Steuerbelastung muss jedoch nicht sein, wenn sich Käufer und Verkäufer darauf verständigen können, das bisherige Einzelunternehmen offiziell gemeinsam fortzuführen. Der Beitritt eines Gesellschafters zu einem Einzelunternehmen ist nämlich grundsätzlich steuerneutral möglich.

Beispiel: Käufer und Verkäufer schließen sich zu einer Kommanditgesellschaft (KG) zusammen. Der bisherige Einzelunternehmer überträgt dabei sein Unternehmen mit einem Verkehrswert von 500, der Käufer Barmittel im Ausmaß von 500 auf die gemeinsame Gesellschaft. Nach dem Zusammenschluss sind beide Gesellschafter an der KG mit jeweils 50 Prozent beteiligt, wobei der Käufer als Komplementär mit der Geschäftsführung der Gesellschaft betraut wird und sich der Verkäufer auf die Kommanditistenstellung zurückzieht und auf die laufende Geschäftsführung keinen Einfluss mehr nimmt.

Durch den Ansatz der Verkehrswerte in der Handelsbilanz werden bei beiden Gesellschaftern unabhängig vom bisherigen buchmäßigen Eigenkapital Kapitalkonten in Höhe von 500 ausgewiesen. Bei entsprechender Gestaltung des Gesellschaftsvertrages kann dieser Betrag von 500 vom Verkäufer ohne unmittelbare steuerliche Auswirkungen entnommen und damit der gesamte Kaufpreis vorerst steuerfrei vereinnahmt werden.
Aufgrund des nunmehr geänderten Kapitaleinsatzes – der Verkäufer hat seine Kapitalbeteiligung zur Gänze bereits abgezogen – und der aktiven Mitarbeit nur des Käufers kann der laufende Gewinn wie beim Kauf des Einzelunternehmens fast ausschließlich dem Käufer zugerechnet werden. Die stillen Reserven des Verkäufers bleiben zwar weiterhin steuerhängig, die Versteuerung erfolgt jedoch erst zum Zeitpunkt des endgültigen Ausscheidens aus der KG und ist dann, sofern der Verkäufer inzwischen das 60. Lebensjahr vollendet hat, nur mit dem Hälftesteuersatz zu erfassen.
Für den Käufer ist diese Gestaltung zwar mit dem Nachteil verbunden, dass er die Firmenwertabschreibung erst nach der endgültigen Übernahme des Unternehmens (nach Ausscheiden des Verkäufers) steuermindernd nutzen kann, diese zeitliche Verschiebung der steuerlichen Absetzbarkeit wird durch die großen steuerlichen Vorteile des Verkäufers (Versteuerung erst Jahre später und nur zum Hälftesteuersatz) jedoch bei Weitem aufgewogen. Mit einer adäquaten Anpassung dieser Steuerersparnis beim Kaufpreis kann diese Gestaltung sowohl für den Verkäufer als auch den Käufer von Vorteil sein.

Steueroptimierung durch Vergesellschaftung im Familienbereich

Wie bei der Veräußerung an fremde Dritte können durch eine Vergesellschaftung auch im Familienbereich vielfach Steuern gespart werden. Oftmals soll zwar der Sohn oder die Tochter den Betrieb übernehmen, das Betriebsgebäude, in dem die Eltern zugleich auch ihren Wohnsitz haben, soll jedoch erst im Falle des Todes der Eltern auf den Nachfolger übergehen. Erfolgt allerdings die Übertragung des Unternehmens ohne gleichzeitige Übergabe des Betriebsgebäudes, so führt dies in der Regel zur Versteuerung sämtlicher stiller Reserven im Betriebsgebäude, was in vielen Fällen eine hohe Steuerbelastung zur Folge hat.
Auch in diesem Fall kann durch Gründung einer gemeinsamen Kommanditgesellschaft zwischen dem Vater und dem Sohn bzw. der Tochter die Versteuerung der stillen Reserven im Betriebsgebäude vermieden werden, wenn der Vater mit zumindest einem geringen Anteil von z.B. zehn oder 20 Prozent weiterhin am Unternehmen beteiligt bleibt.
Je nach individueller Situation können solche Gestaltungen in der einen oder anderen Form angepasst werden.

Fachliche Rückfragen dazu beantwortet Dr. Harald Manessinger, Wirtschaftsprüfer und Steuerberater bei der LBG Wirtschaftstreuhand Österreich, h.manessinger@lbg.at, Rufnummer 01/53105-720.

Autor/in:
Redaktion Elektrojournal
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