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„Unfair!“ Handelsvertreter kritisieren AK-Preisvergleiche

13.08.2013

Preisvergleiche zwischen Deutschland und Österreich für einzelne Produkte, wie sie die Arbeiterkammer regelmäßig veröffentlicht, seien unfair, meinen die Vertreter der Bundessparte Handel der WKÖ. Denn sie würden nicht die unterschiedliche Kostenstruktur zwischen den beiden Ländern berücksichtigen. Die etwas höheren Preise in Österreich würden dazu beitragen, die höheren Einkommen und bessere soziale Absicherung der Mitarbeiter in der Branche zu finanzieren, meint Handelsobfrau Bettina Lorentschitsch.

Der Handel habe eine ganze Liste von Gründen, warum der Preisvergleich irreführend sei. So unterliegen in Österreich 100 Prozent der Angestellten dem Kollektivertrag, in Deutschland hingegen nur 44 Prozent dem Tarifvertrag. Unter Berücksichtigung von Sonderzahlungen wie 13./14. Gehalt liege das KV-Mindestgehalt in Österreich bei monatlich Brutto 1.622 Euro. Der Tarifvertrag von 1.385 Euro in Deutschland könne hingegen sogar noch um 30 Prozent unterschritten werden. Mit allen Nebenkosten koste eine Person das Unternehmen in Österreich im Schnitt 25.700 Euro im Jahr, rechnete Lorentschitsch vor, in Deutschland seien es nur 19.700. Der Streit geht also weiter. Erst kürzlich bekamen sich die Bundessparte Handel und die AK wegen Preisvergleichen und den Rechten der Bundeswettbewerbsbehörde in die Haare.

Lorentschitsch spricht vorrangig vom Lebensmittelhandel. Der mache im zehnmal größeren Deutschland elf Mal so viel Umsatz wie in Österreich, aber die Personalkosten seien nur siebenmal höher. Der Kostenfaktor Personal sei dabei durchaus relevant, meint die Handelsobfrau: In Österreich entspreche er 13 Prozent des Umsatzes, in Deutschland knapp zehn Prozent. Auch die Gewinnsteuer (KöSt) sei in Österreich mit 25 Prozent wesentlich höher als in Deutschland mit maximal 20 Prozent.

Der Handel sieht sich aber auch durch die Auswahl der Produkte für den Preisvergleich unfair behandelt. So habe sich zuletzt bei Schwarzteebeuteln ein Preisunterschied von 300 Prozent ergeben - weil diese in Österreich drei Cent, in Deutschland aber nur einen Cent kosteten. Für den Einkauf eines Haushaltes sei dies aber irrelevant. Im Elektrohandel ist die Situation bekanntlich eine andere. Es spielen andere Abgaben herein und der starke Online-Handel innerhalb des europäischen Binnenmarktes verändert sowieso gerade die Branche. Die Handelsvertreter wünschen sich einheitliche europäische Rahmenbedingungen, ein einheitliches Arbeits-, Steuer- und Umweltrecht.

Daher dürfe man "nicht ungleiches vergleichen", wehrt sich Lorentschitsch gegen Preisvergleiche zwischen Deutschland und Österreich. Sie erinnerte auch an eine Regioplan-Studie, wonach Deutsche in Österreich 2010 um rund 1,17 Mrd. Euro eingekauft hätten - Österreicher aber in allen Nachbarländern zusammen nur um 1,06 Mrd. Euro. Aus Sicht des Handels ist das auch ein Zeichen, dass das Preisniveau in Österreich nicht so hoch sein kann, sonst würde es die Nachbarn aus Deutschland nicht zum Einkauf nach Österreich ziehen.

Autor/in:
Redaktion Elektrojournal
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