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Umfrage unter den Media-Saturn-Mitarbeitern: scharfe Kritik an den Arbeitsbedingungen

23.06.2014
MSH

Die Gewerkschaft kritisiert die Arbeitssituation bei Media Markt und Saturn heftig. Sie fordert Betriebsratswahlen und besseren Arbeitsbedingungen. Ihre Forderungen untermauert sie mit den Ergebnissen einer Umfrage, die unter den rund 2.400 Beschäftigten im ersten Halbjahr durchgeführt wurde. Der Rücklauf lag bei 14,3 Prozent bzw. 342 retournierten Fragebögen.

Es gebe Probleme mit der Einhaltung der kollektivvertraglichen Rahmenbedingungen nicht nur in einer Filiale, so GPA-djp-Vorsitzender Wolfgang Katzian heute, Montag, in einer Pressekonferenz. Es sei klar, dass Handlungsbedarf bestehe. Für den stellvertretenden GPA-djp-Bundesgeschäftsführer Karl Proyer sind die Taschenkontrollen eine relativ fragwürdige Angelegenheit. 89 Prozent der Befragten hätten angegeben, dass nach dem Verlassen der Filiale schon die Taschen kontrolliert worden seien. Rund ein Viertel der Befragten habe in der Situation rund um den Jänner erklärt, dass eine Leibesvisitation durchgeführt worden sei, mittlerweile seien diese jedoch offensichtlich eingestellt. Aus den persönlichen Kommentaren in der Umfrage lasse sich herauslesen, dass die Menschen schwer umgehen könnten mit der "permanenten Misstrauenskultur", so Katzian.

 

32 Prozent der Befragten gaben an, dass die vereinbarte Arbeitszeit nicht eingehalten werde, geht aus der Umfrage weiter hervor. Bei 26 Prozent würden demnach die Wochenstunden willkürlich hinauf- und hinuntergesetzt. Fast zwei Drittel (62 Prozent) gaben an, Vor -und Nacharbeiten außerhalb der Öffnungszeiten nicht bezahlt zu bekommen, wie das der Kollektivvertrag eigentlich vorschreibe. Nur für jeden Zweiten eingehalten werde die so genannte "Schwarz-Weiß-Regel" im Handel, derzufolge auf einen Samstag, an dem nach 13 Uhr gearbeitet wird, ein arbeitsfreier Samstag folgen muss. Zudem fänden Schulungen überwiegend in der Freizeit statt. 33 Prozent gaben an, im Krankenstand angerufen zu werden.

 

Neun von zehn Befragten wünschen sich einen Betriebsrat

 

89 Prozent der Befragten wünschen sich die Gründung eines Betriebsrates. Für die Gewerkschaft sei diesbezüglich der erste Weg, sich an die Geschäftsführung zu wenden, um Gespräche zu führen. Diese Gesprächsbereitschaft wird aber offenbar vermisst. Die GPA-djp habe nach dem per Anfang April erfolgten Managerwechsel versucht, diesen Weg einzuschlagen, und habe als Zeithorizont "vielleicht im Herbst" als Antwort erhalten. Man wartet nun in nächster Zeit auf Signale. Sollte die Geschäftsführung dieses Angebot zum Dialog nicht annehmen, habe man keine Alternative, als die zuständigen Behörden wie Arbeitsinspektorate und die Gebietskrankenkassen einzuschalten.

 

Zu den Forderungen der GPA-djp an die Geschäftsführung gehört unter anderem, dass Leibesvisitationen und Taschenkontrollen endgültig und ausnahmslos abgestellt werden müssten. Zudem müssten Probleme mit der korrekten Einhaltung und Abrechnung der Arbeitszeit sofort gelöst werden, die kollektivvertraglichen Bestimmungen (Schwarz-Weiß-Regel) eingehalten und die Beschäftigten bei der Gründung eines Betriebsrates unterstützt werden.

 

Bei MediaMarkt-Saturn sei im Gegensatz zu anderen Handelsunternehmen eine zentrale Betriebsratswahl nicht möglich, so Proyer. Sie müsste in jeder Filiale erfolgen. Die erste Betriebsratswahl sei besonders schwierig. Generell zu Arbeitsbedingungen im Handel meinten die GPA-Vertreter, wo es einen Betriebsrat gebe sei es besser, die Chancen seien höher allfällige Probleme abzustellen. In einigen großen Unternehmen sei auch eine Task-Force eingerichtet. Bei Vergehen gegen die "Schwarz-Weiß-Regel" seien für jeden einzelnen Fall Strafen von 300 Euro vorgesehen.

Autor/in:
Redaktion Elektrojournal
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