Direkt zum Inhalt

UFH-Mitsch: „Offene Mistplätze wären jetzt sehr vorteilhaft“

01.04.2020

Die Corona-Krise geht auch an der Recycling-Branche nicht spurlos vorüber. Während auf der einen Seite wichtige Rohstoffe fehlen, sind die Rohstoffpreise auf der anderen Seite endgültig im Keller. „Die echten Herausforderungen kommen aber erst auf uns zu“, prognostiziert UFH-Chefin Marion Mitsch im Gespräch mit Elektrojournal Online.

Den Recyclingunternehmen geht das Altpapier aus war erst kürzlich zu lesen. Eine eher beunruhigende Nachricht für all jene, die ihren Klopapiervorrat nicht rechtzeitig aufgestockt haben – aber dass dürften ja eh nicht gar viele sein, wenn man sich in den Läden umsieht. Viel Altpapier wird nämlich zur Produktion von Klopapier genutzt. „Es stimmt, dass die Altpapiermenge stark zurückgegangen ist. Es fehlt jetzt ganz einfach das Verpackungsmaterial aus dem Handel. Zudem ist die Altpapiermenge in den Haushalten derzeit nicht so groß, als das sie den Rückgang ausgleichen könnte“, erklärt UFH-Chefin Marion Mitsch. Eine wirklich große Schwierigkeit sollte das aber nicht darstellen, die echten Probleme lauern derzeit nämlich woanders.

Als viel problematischer beurteilt sie da nämlich schon die Tatsache, dass die Themen Recycling und Umweltschutz vom Coronavirus komplett in den Hintergrund gespült wurden. „Das sehe ich sehr kritisch, weil dann auch sehr schnell die getrennte Sammlung vernachlässigt wird. Wir sind jetzt stark gefordert, die Sensibilisierung der Menschen beizubehalten.“ Hinzu käme, dass sämtliche Mistplätze derzeit aus Sicherheitsgründen geschlossen sind. „In Wien sind derzeit beispielsweise nur vier Mistplätze offen, aber das auch nur für Betriebe, die derzeit arbeiten.“  Zwar habe hier jedes Bundesland seine eigene Mistplatzregelung, seitens des UFH hofft man aber, dass man sich zu einem einheitlichen Vorgehen durchringen kann.

Sämtliche Mistplätze wären sehr rasch nach Beginn der Krise geschlossen worden, obwohl das eigentlich gar nicht nötig wäre. „Sie zählen nämlich genauso zur kritischen Infrastruktur“, erklärt Mitsch. „Natürlich geht die Gesundheit der Menschen vor, aber wenn man dort ein simples Kontroll- und Sicherheitssystem installiert, sodass nicht zu viele Menschen gleichzeitig am Mistplatz sind, ist das Risiko einer Ansteckung in einem Supermarkt wesentlich höher. Ich finde daher schon, dass man die Mistplätze offenhalten könnte.“

Öffnet man diese nicht, kommt es in der Folge zwangsläufig zu zwei Problemen. „Je länger die Sperrung der Mistplätze anhält, desto größer ist der Andrang nach der Öffnung. Dann habe ich erst recht das Problem, dass ich viele Menschen auf einem Fleck habe. Und dann brauche ich erst recht wieder ein Zutrittskontrollsystem. Außerdem wird es durch die großen Mengen, die dann dort in kurzer Zeit abgegeben werden, zu einem erheblichen Rückstau kommen“, warnt Mitsch.

Recyclingquoten sind zu machen

Ebenfalls problematisch ist, dass der Mist bzw. die Altgeräte in der Zwischenzeit irgendwo anders landen können – beispielweise im Wald. „Das kann vor allem dann zu einem Problem werden, wenn der Zeithorizont der Mistplatzsperren ein längerer ist. Wir versuchen dem mit kontinuierlicher Öffentlichkeitsarbeit vorzubeugen“, so Mitsch.

Zuversichtlich ist Mitsch übrigens was die diesjährige Recyclingquote bei den Elektroaltgeräten angeht. „Ich denke schon, dass diese zu machen sein wird.“ Das läge aber weniger am Müllaufkommen, sondern an den Inverkehrsetzungen. „Das Altgeräteaufkommen wird vermutlich nicht stark sinken. Was heuer aber sinken wird, ist die Zahl der neu in Verkehr gebrachten Elektrogeräte“, analysiert Mitsch.

Werbung

Weiterführende Themen

Branche
23.11.2020

Die Bundesregierung hat heute neue Maßnahmen zur Eindämmung der Auswirkungen der Corona-krise bekanntgegeben. Ab heute Nachmittag können etwa auch Händler, die vom harten Lockdown direkt betroffen ...

Wie passend: Spar hat seinem aktuellen Werbefolder gleich noch eine Haushalts-Banderole verpasst.
Branche
16.11.2020

Ab sofort ist der Handel größtenteils wieder geschlossen - Supermärkte bleiben geöffnet. Und wie schon im Frühjahr entbrennt nun wieder der Streit, was verkauft werden darf. Die REWE-Gruppe (Billa ...

Branche
16.11.2020

Die Wogen gehen hoch im Handel. Während etwa Wirte und Hotels 80 Prozent Entschädigung bekommen, fallen für den ab sofort geschlossenen Non-Food-Handel zwischen 20 und 60 Prozent ab. Die Händler ...

Branche
16.11.2020

Nach und nach kommt ein bisschen Licht in die aktuelle Lockdown-Verordnung. Wie das Bundesgremium informiert sind ab Morgen weder Klick&Collect noch Rampenverkäufe erlaubt. Gespannt sein darf ...

Österreich macht (wieder) dicht.
Branche
14.11.2020

Nachdem die Regierung nun endgültig die Kontrolle verloren hat, zieht man nun wieder die (eh schon bekannten) Daumenschrauben an. Wie schon im Frühjahr müssen große Teile des Handels sowie die ...

Werbung