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"TV ist tot." Internet-Dienste prägen Elektronik-Neuheiten

04.09.2014

Der Europachef des japanischen Elektronikriesen Panasonic griff zum IFA-Start zu drastischen Worten: "Für mich ist das TV, so wie wir es aus dem letzten Jahrhundert kennen, tot." Natürlich brachte die Firma von Laurent Abadie auch heuer zur Funkausstellung jede Menge neuer Fernseher mit, aber was er meint, ist ein fundamentaler Wandel, der sich durch alle Bereiche des Elektronik-Geschäfts zieht.

Ob im Wohnzimmer oder auf dem Smartphone: Internet-Dienste übernehmen die Hauptrolle. Früher reichte es für die Hersteller von Unterhaltungselektronik, einfach nur gute Geräte auf den Markt zu bringen. Es gab technische Innovationen, mal hatte der eine die Nase vorn, mal der andere - aber insgesamt war es ein gut behütetes Geschäft, in dem man in der Branche unter sich war. Dann kamen die Fernseher und andere Geräte mit Internet-Anschluss.

Erst wussten die Verbraucher noch nicht so recht etwas damit anzufangen. Die Branche beklagte regelmäßig, dass ein Großteil der "smarten" TV-Geräte gar nicht ans Netz angeschlossen sei. Die Kunden beschwerten sich über eine zu komplexe und träge Bedienung, die den angeblich nahtlosen Wechsel zwischen klassischem TV und Internet-Diensten in der Realität hakelig machte. Doch inzwischen geht das Fernsehen den Weg des Smartphones: Apps kommen in den Mittelpunkt, die Bedienungs-Hoheit wandert von der Menüführung des Hardware-Herstellers zu den Online-Diensten.

"Streaming wird den gesamten Medienmarkt revolutionieren", sagt Medienexperte Klaus Böhm von der Beratungsfirma Deloitte. Ein Beispiel ist das Tempo, mit dem Online-Dienste wie Spotify den Musikmarkt aufrollen und auch auf das Geschäft der HiFi-Hersteller durchschlagen. Für immer mehr Verbraucher wird es wichtiger, über das Netz auf ihre Song-Listen zuzugreifen, als die bestmögliche Qualität von einer CD zu bekommen.

Das herkömmliche Fernsehen bringe zwar hervorragende Bildqualität, sei aber dennoch eine veraltete Technologie, sagt Abadie. "Die Menschen werden sich sicher auch weiterhin noch große Sportevents auf dem Fernseher anschauen." Aber dabei nutzten sie zur gleichen Zeit auch Kommunikationsmittel wie Twitter oder Online-Netzwerke wie Facebook auf mobilen Geräten. Dem Fernsehen fehle die Interaktivität. Das Fernsehsignal könne bei genügender Verbreitung von schnellen Leitungen genauso gut über das Internet gesendet werden.

Die TV-Branche (in Deutschland) verweist allerdings auf weiterhin solide Zahlen in ihrem Werbegeschäft und will auch bei den neuen Mediendiensten mitmischen. So gehört Maxdome, der deutsche Marktführer im Streaming-Geschäft mit 35 Prozent Marktanteil, zum TV-Konzern ProSiebenSat.1.

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