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Supermärkte bleiben stur / Anzeige in Vorarlberg von Erfolg gekrönt

31.03.2020

Keine Lösung in Sachen Mischbetriebe brachte gestern eine Telefonkonferenz unter der Leitung von WKO-Boss Harald Mahrer. Besser sieht’s offenbar in Vorarlberg aus. Nach der Anzeige eines Spielzeughändlers sagt das Amt der Vorarlberger Landesregierung jetzt: die Handelsketten müssen sich einschränken.

Das Who-is-who des Lebensmittelhandels diskutierte gestern in der Telefonkonferenz mit Vertretern vom Spielwarenhandel, Papierhandel, Baustoffhandel, Gartenmöbelhandel, Sportartikelhandel und natürlich dem Elektrohandel über jene Aktivitäten, die seit geraumer Zeit für gehörigen Unmut in den Fachhandelsbranchen sorgten. Während der mittelständische Fachhandel geschlossen bleiben muss, rühren die Lebensmittelketten ungeniert die Werbetrommel für allerlei Non-Food-Produkte. Geleitet wurde die Telefonkonferenz übrigens von Harald Mahrer.

Geholfen hat’s freilich nichts, dass auch der WKO-Chef höchstpersönlich zum Telefonhörer gegriffen hat. „Ich will nicht verschweigen, dass ich noch nie so desillusioniert eine Sitzung verlassen habe, obwohl ich schon vieles erlebt und durchgemacht habe. Während wir uns alle täglich fragen, werde ich angesteckt, wird meine Mutter überleben, wie lange bleibt diese Situation, wie lange halten es die Kinder in den Wohnungen noch aus, ist mein Betrieb in sechs Wochen noch da, leben die Vertreter der Lebensmittelkonzerne offenbar in einer ganz anderen Welt, abgesichert durch eine Tagesgeschäft mit hohen Einnahmen. Für diese Firmen steht ein erfolgreiches Ostergeschäft, wenn möglich besser als 2019, im Mittelpunkt ihrer Bemühungen“, so ein ziemlich frustrierter Bundesgremialobmann Wolfgang Krejcik.

Sämtliche Forderungen des Nicht-Lebensmittelhandels wurden abgelehnt. Erst als Mahrer deutlich vermittelte, sich bei der Regierung für eine Klarstellung stark zu machen und obendrein anfügte, dass der Verkauf von Nonfood-Produkten natürlich auch schon jetzt nicht gestattet sei, war eine gewisse Beunruhigung bei den Lebensmittelkonzernen spürbar, berichtet Krejcik. Schon heute wird die Wirtschaftskammer über die weitere Vorgangsweise entscheiden, um alle nur denkbaren Möglichkeiten zu nützen, diese in keiner Weise tragbare Vorgangsweisen so bald wie möglich abzustellen.

Ein Spielzeughändler zeigt, wie's geht

Ein bisschen anders ticken die Uhren im Ländle. Dort wird nicht erst in langwierigen Telefonrunden diskutiert, sondern es werden Nägel mit Köpfen gemacht. Auch ist es nicht die Wirtschaftskammer samt Gremium, die für dieses Ergebnis verantwortlich ist, sondern der Vorarlberger Spielwarenhändler Mario Sieber. Er hat vor rund einer Woche eine Anzeige bei der Bezirkshauptmannschaft Feldkirch eingebracht. Er machte diesen Schritt, weil er schon damals sah, wie große Ketten nicht nur lebensnotwendige Waren, sondern eben auch Sportausrüstung, TV-Geräte, Gartenartikel und eben Spielzeug verkauften. Im Gespräch mit der APA forderte Sieber Solidarität mit den kleinen Händlern ein. „Es ist einfach unfair"“, sagte er.

Das Amt der Vorarlberger Landesregierung fragte daraufhin beim Bundesministerium für Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz nach und sah sich dann in seiner Rechtsauffassung bestätigt. Bereiche, die offen halten dürfen, seien „restriktiv“ auszulegen. Große Handelsketten dürften „daher wohl nur Produkte, die der Grundversorgung dienen (insbesondere Lebensmittel) verkaufen“, heißt es in dem Schreiben. Und weiter: „Die Geschäfte müssen z.B. Regale mit anderen Produkten entsprechend absperren bzw. kennzeichnen und sicherstellen, dass kein Verkauf stattfindet.“

Sieber hofft nach dieser Klarstellung auf ein Einlenken der Handelsketten. Inzwischen ist das Thema auch schon auf orf.at gelandet, wo nun berichtet wird, dass es zu Polizeikontrollen in den Supermärkten kommen soll. Man darf also gespannt sein.  

Best-of-Lebensmittelhandel

Und wenn einem gar nichts mehr einfällt, muss eben Amazon herhalten - aber zum Glück schützen uns die Lebensmittelketten gegen den US-amerikanischen Online-Giganten. Die „besten“ Zitate der gestrigen Telefonkonferenz:

„Wenn wir keine Waschmaschinen mehr verkaufen würden, werden die Konsumenten sich ausschließlich bei Amazon eindecken, der ja keine Steuern zahlt. Wenn wir ablehnen, beispielsweise Druckerpatronen zu verkaufen, riskieren wir riesige Tumulte in unserer Filialen. Unsere intensiven Werbeaktionen sind nicht mehr zu stoppen und laufen zumindest bis Ostern.“

„Unsere Flugblätter können wir nicht einstampfen. Ab Ostern werden wir Nonfood-Produkte nicht mehr bewerben. Im Übrigen könne man unseren Kunden nicht verbieten, bestimmte Waren zu kaufen.“

„Wir sehen uns in großer Verantwortung bei der Versorgung der Bevölkerung. Wir haben in unseren Zeitungsanzeigen die Hardwareprodukte entfernt und schalten hier nur mehr Imagetexte. Bis Ostern verteilen wir 3,5 Mio. Flugblätter an alle Haushalte, wobei 4 Seiten Food-Produkte und 20 Seiten Nonfood-Produkte betreffen. Dies lässt sich nicht mehr stoppen. Ab Ostern werden wir die Nonfood-Produkte voraussichtlich nicht mehr bewerben. Würden wir jedoch diese Produkte nicht mehr bewerben, wird bei Amazon gekauft. Der Verkauf ist uns nicht verboten.“

„Wenn wir nicht verkaufen, kaufen alle bei Amazon. Wir haben diese Waren vor 12 Monaten eingekauft und würden bei Nichtverkauf auf einem hohen Lager sitzenbleiben.“

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