Direkt zum Inhalt

Streit um Industrie-Abwanderung: "Das lesen auch Leute, die investieren wollen"

28.04.2014

Die Drohungen österreichischer Industrie-Kapitäne, wegen hoher Steuern oder Energiepreise oder zu viel Bürokratie wesentliche Geschäfte ins Ausland zu verlagern, sorgen für Unruhe. Arbeitnehmerchefs warnen vor Panikmache und davor, den Standort schlechtzureden. Auch ein Industrieboss wie Heimo Scheuch (Wienerberger) beklagt den öffentlichen Streit: "Das lesen ja auch Leute, die investieren wollen."

Der Chef der staatlichen Ansiedlungsagentur ABA (Austrian Business Agency), Rene Siegl, sieht im Mängel im Bildungssystem die größte Bedrohung, die der österreichische Standort habe, wie er am Sonntagabend in der ORF-Sendung Im Zentrum sagte. Für Wirtschaftskammerpräsident Christoph Leitl sind es hauptsächlich die Steuern.

 

Wenn dieser Staat jetzt wieder mit neuen Steuern beginne, dann sei das der Anfang vom Ende des Industriestandorts, meinte Leitl. Mit einem Abbau von Überbürokratie wären seiner Meinung nach jährlich Milliarden freizumachen, mit denen man das Budget sanieren und nötige Zukunftsinvestitionen tätigen könne.

 

Wienerberger-Vorstand Scheuch forderte ein Bekenntnis zur Industrie von der gesamten Regierung. "Mir fehlt eine Vision, wo steht Österreich 2030. Wir müssen ein unternehmerisches Österreich aufbauen, Jobs schaffen im Land, das sehr gute soziale Umfeld erhalten. Lippenbekenntnisse für eine Re-Industrialisierung seien zu wenig. "Wir müssen jetzt in die Hände spucken und gemeinsam an unserer Zukunft arbeiten." Dazu brauche es einen konstruktiven Dialog.

 
"Diskussion statt Stimmungsmache"

Arbeiterkammerdirektor Werner Muhm verlangte eine "faktenbasierte Diskussion" anstelle von Stimmungsmache, die Druck auf Politik und Arbeitnehmervertreter ausübe.

Der Kritik des voestalpine-Chefs Eder, der mehrfach auf lange Sicht den Stahlstandort Linz infrage gestellt hat, hielt er entgegen, dass die österreichischen Energie- bzw. Gaspreise niedriger seien als im EU-Schnitt, und auch niedriger als in Deutschland. Im voest-Konzern würden zudem zwei Dutzend verschiedene Arbeitszeitmodelle angewandt. Wenn der Standort kranke, dann daran, "dass wir den Faktor Arbeit zu hoch besteuert haben". Laut Muhm muss Österreich "kämpfen, dass wir produzierende Betriebe im Land halten."

 
Leitl: "Verstehe Verzweiflung"

Wirtschaftskammerchef Leitl versteht, dass voestalpine-Chef Eder verzweifelt sei. Eders wiederholte kritische Äußerungen seien "nicht einmal ignoriert" worden. Leitl sprach Sonntagabend von einem "sehr ernst zunehmenden Aufschrei der Industrie". Das Fass sei jetzt am Überlaufen. Auch Erste-Banker Thomas Uher sieht die Stimme der Wirtschaft ignoriert. Er beklagte neben der hohen Bankensteuer einen Reformstau im Land. Mit Selbstlob, man sei "eh so gut", belüge und betrüge man sich bloß selber.

 

Passend dazu:

Im in wenigen Tagen erscheinenden Elektrojournal 4/2014 besuchten wir das Liebherr Hausgeräte-Werk in Lienz. Abwanderungsgedanken werden dort nicht gehegt. Lesen Sie die ausführlichen Reportage in Elektrojournal 4/2014.

 

In der ORF-Mediathek können Sie übrigens Im Zentrum nachssehen. http://tvthek.orf.at/program/Im-Zentrum/6907623

Autor/in:
Redaktion Elektrojournal
Werbung

Weiterführende Themen

Branche
10.06.2009

Auch bei den Lohnverhandlungen ist man bislang auf keinen grünen Zweig gekommen. Gehen die Forderungen der Gewerkschaft durch, drohe ein weiterer Jobabbau.

Installation
12.12.2008

Die Geräte sind nicht nur auf dem neuesten Stand der Technik, sondern zeichnen sich vor allem durch ihre Kompaktheit aus.

Werbung