Direkt zum Inhalt

Streit um die Festplattenabgabe: Künstlervertreter wollen Druck auf den Handel erhöhen

18.10.2012

Dass der Gesprächs-Wind rauer wird, schrieb Elektrojournal in der Ausgabe 7/8 2012. Rund 350 Künstler nahmen laut Polizei gestern, Mittwoch, an der Demonstration für die Festplattenabgabe teil. Sie wollen den Druck auf die Handelsvertreter erhöhen. Die denken nicht daran, zurückzuweichen. Der Streit geht weiter.

Der Demonstrations-Zug startete beim Wiener Schwarzenbergplatz und endete, nach einem kurzen Stopp vor der Arbeiterkammer, bei der Wirtschaftskammer. Gesagt wurde nichts, was Leser von Elektrojournal nicht bereits wissen. Die Künstlervertreter sehen eine Abgabe auf Speichermedien als faire Bezahlung für ihr Schaffen an. Dem Elektrohandel werfen sie vor, die Festplattenabgabe bereits seit Oktober 2010 zu kassieren. Gerhard Ruiss von der IG Autoren spricht von 15 bis 20 Millionen Euro, die den Künstlern zustehen würden.

„Mit Gerüchten aufräumen“

Das Bundesgremium des Elektrohandels verlangt, dass mit diesem „von den Künstlervertreten gestreutem Gerücht aufgeräumt“ wird. Fakt ist bekanntlich, derzeit läuft ein gerichtliches Verfahren vor dem OGH  und es ist strittig, ob und in wie weit eine Urheberrechtsabgabe auf Festplatten überhaupt dem Gesetz entspricht.

 

Interessanter als der Demonstrations-Zug selbst war, dass Bundesgremial Obmann Wolfgang Krejcik stellvertretend die Forderungen der Künstler entgegennahm und signalisierte, für Gespräche zur Verfügung zu stehen. Gleichzeitig hielt er fest, "dass neue Regelungen nicht auf dem Rücken der Händler und Konsumenten ausgetragen werden dürfen und es zu keinen Wettbewerbsnachteilen für den österreichischen Handel im internationalen Vergleich kommen darf."

Von ihren Standpunkten möchten auch die Künstlervertreter nicht abweichen. „Wir nehmen nur das Bessere, nicht das Schlechtere“, sagte Ruiss gestern. Er forderte die österreichischen Künstler auf, jetzt Druck zu machen. „Denn wenn wir die Festplattenabgabe nicht bis zum Frühjahr bekommen, dann bekommen wir sie gar nicht.“  

Derzeit bezahlen Unternehmen auf Grund bestehender Verpflichtungen rund 180 Millionen Euro pro Jahr in das Urhebersystem ein, wovon die Verwertungsgesellschaft Austro Mechana zirka 24 Millionen Euro erhält. Der Elektrohandel und die Kabelnetzbetreiber überweisen jährlich sechs Millionen Euro zur sozialen Absicherung in das System der Künstlersozialversicherung. Die WKÖ errechnete anhand der Verkaufszahlen eine Mehrbelastung durch die Festplattenabgabe von 30 Millionen Euro für Handel und Konsumenten.

Demo gegen die Festplattenabgabe

Gestern Abend fand noch eine weitere Demonstration statt. Rund 70, hauptsächliche junge Menschen, demonstrierten bei einem Zug durch die Wiener Innenstadt gegen die Festplattenabgabe. Veranstalter war die “Initiative für Netzfreiheit”. Sie fordert eine Reform des Urheberrechts und sieht in einer Abgabe auf Speichermedien keine Lösung.

Elektrojournal wird natürlich weiter über die aktuellen Entwicklungen zur Festplattenabgabe berichten

Autor/in:
Redaktion Elektrojournal
Werbung

Weiterführende Themen

Einigung bei den Tarifen zur Speichermdienvergütung
Multimedia
05.11.2015

Jetzt ist es also geschafft. Nach den langen Verhandlungen konnte zwischen den Künstler-Verwertungsgesellschaften und den ...

Multimedia
14.10.2015

Morgen gehen die Verhandlungen zur Festplattenabgabe in die nächste Runde. Bislang lagen die Vorstellungen der beiden Seiten zu weit auseinander. Dennoch hofft der Handel, möglichst bald mit den ...

Wir sind daher trotz der derzeitigen großen Unterschiede noch immer optimistisch, eine Lösung des Problems zu erzielen, meint Obmann Wolfgang Krejcik.
Multimedia
29.09.2015

Nein, es gibt keine Einigung bei den Tarifen für die Urheberrechtsabgabe. Die Vorstellungen von Handelsvertreter und den Verwertungsgesellschaften sind „extrem unterschiedlich“. Mit Oktober gilt ...

Das HG Wien spricht Amazon von der Festplattenabgabe vorläufig frei
Multimedia
29.09.2015

Amazon und die Urheberrechtsabgabe. Der Streit ist alt, doch jetzt der Paukenschlag: Während der heimische Handel die Festplattenabgabe in Österreich blechen muss, wird der Online-Riese von dieser ...

"Festplattenabgabe jetzt" ist so eine Sache. Es gibt keine Einigung. Ab Oktober gilt aber das Gesetz.
Multimedia
25.09.2015

In einer Woche wird die Festplattenabgabegesetz. Tarife für die betroffenen Speichermedien gibt’s nicht. Es fehlt die Einigung. Am 29. September setzten sich die beiden Seiten zusammen. Doch was ...

Werbung