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Steuern sparen durch cleveres Organisieren des Fuhrparks

13.04.2016

Fast jedes Unternehmen besitzt eine mehr oder minder großen Fuhrpark, der natürlich auch Kosten verursacht. Dieser Beitrag zeigt, wie steuerlich clever agieren kann etwa durch Anschaffung eines Elektrofahrzeugs. Aber auch andere wertvolle Tipps finden sich. Letztendlich klärt der Text Begriffe wie Vorsteuerabzug, Angemessenheitsgrenze und Sachbezug.

Auf Österreichs Straßen sind 4,7 Millionen Personenkraftwagen unterwegs. Davon sind aber nur 0,27 Prozent Elektrofahrzeuge. Woran liegt das eigentlich? Die Anschaffung von Elektrofahrzeugen ist nach der Steuerreform 2015/2016 so steuerfreundlich wie noch nie, vorausgesetzt, es handelt sich tatsächlich um ein Elektrofahrzeug, also ein Kraftfahrzeug mit einem CO2-Ausstoß von 0 Gramm pro Kilometer.

Seit dem 1.1.2016 kann ein Unternehmen bei der Anschaffung und beim Betrieb (dazu zählen Servicekosten oder Leasingraten) eines Elektroautos die Vorsteuer abziehen. Das ist eine Neuerung, denn grundsätzlich stand bislang nur bestimmten Gruppen von Kraftfahrzeugen (Fahrschulautos, Taxis oder Fiskal-LKWs) der Vorsteuerabzug zu.

Die Einschränkung liegt bei der Angemessenheitsgrenze. Das heißt: ein voller Vorsteuerabzug gilt nur bei Anschaffungskosten bis maximal 40.000 Euro. Übersteigen die Anschaffungskosten hingegen 80.000 Euro kann kein Vorsteuerabzug geltend gemacht werden.

Ein Zusatz-Zuckerl

Die private Nutzung des Elektro-Fahrzeugs ist für den Dienstnehmer steuerfrei im Vergleich zur privaten Nutzung von kraftstoffbetriebenen Personenkraftwagen.

Ein Beispiel zur Illustration: Ein Unternehmer erwirbt einen PKW, der ausschließlich für die Erbringung steuerpflichtiger Umsätze verwendet wird und einen CO2-Emissionswert von 0 Gramm pro Kilometer aufweist. Die Anschaffungskosten in drei Szenarien: a) € 30.000 b) € 60.000 c) € 120.000.

a) Ein PKW mit einem Emissionswert von 0 Gramm pro Kilometer, dessen Anschaffungskosten 40.000 (brutto) Euro nicht übersteigen, berechtigt zum vollen Vorsteuerabzug.

b) Ein PKW mit Anschaffungskosten von 60.000 Euro berechtigt zum anteiligen Vorsteuerabzug.

c) Für PKWs, deren Anschaffungskosten überwiegend keine abzugsfähigen Aufwendungen darstellen, kann kein Vorsteuerabzug geltend gemacht werden.

Anschaffungskosten und Sachbezüge

Die Überstellungsgebühren oder sonstige Gebühren bei den Behörden zählen zu den Anschaffungsnebenkosten, diese sind Teil der Anschaffungskosten, ebenso wie Sonderlackierungen oder Klimaanlagen. Wenn der Eigentümer von einem Unternehmen nun das Elektrofahrzeug nutzt stellt sich die Frage: Zählt dieses nun zum Betriebs- oder Privatvermögen? Hier kommen zwei Aspekte zum greifen: Möglichkeit 1: Das Auto ist im Betriebsvermögen. Das heißt der Privatanteil muss ausgeschieden werden, es gilt nicht als Betriebsausgabe. Möglichkeit 2: Das Auto ist im Privatvermögen verankert. In diesem Fall kann Kilometergeld in Anspruch genommen werden, wenn es nicht mehr als 30.000 Kilometer pro Jahr beruflich genutzt wird. Damit sind dann alle Aufwände abgegolten.

Als Sachbezug bezeichnet man Einnahmen aus dem Dienstverhältnis, welche nicht in Geld bestehen. Man spricht auch von „geldwerten“ Vorteilen aus dem Arbeitsverhältnis. Im Bezug auf PKWs spricht man von Sachbezug, wenn der Dienstnehmer das Firmenfahrzeug auch für private Fahrten nutzen darf.

Stets steueroptimal agieren

Dazu gibt es sechs einfache Punkte, das Optimum aus seinem Fuhrpark herauszuholen.

1. Anschaffung eines Elektrofahrzeuges

2. Anschaffung eines schadstoffarmen Kraftfahrzeugs

Der Sachbezug beträgt nach wie vor 1,5 Prozent der Anschaffungskosten und monatlich höchstens 720 Euro und nicht wie im Zuge der Steuerreform eingeführt der erhöhte Sachbezugswert von 2 Prozent höchstens 960 Euro monatlich. Die Emissionsgrenzen laut der Sachbezugswerte-Verordnung zeigt Bild 1.

3. Halber Sachbezug und Minisachbezug

Der halbe Sachbezugswert von 1 Prozent beziehungsweise 0,75 Prozent ist weiterhin möglich, wenn weniger als 6000 Kilometer im Jahr privat gefahren werden. Der Mini-Sachbezug greift, wenn ein Kfz nur äußerst selten auch privat genutzt wird. In diesem Fall kann man den Sachbezug auf Basis der privat gefahrenen Kilometer ansetzen.

4. Kostenbeiträge des Arbeitnehmers reduzieren Sachbezug

Der einmalige Kostenbeitrag des Arbeitnehmers senkt die Kosten für Dienstgeber. Leistet der Arbeitnehmer einen einmaligen Kostenbeitrag bei der Anschaffung des Firmenfahrzeugs, so verringert sich der Sachbezug. Bild 2 zeigt dazu eine Vergleichsrechnung bei unterschiedlichen Sachbezugshöhen.

5. Ausschluss von privaten Fahrten

Wird der Firmenwagen ausschließlich dienstlich genutzt, dann fällt kein Sachbezug an und in diesem Fall ist das Führen eines Fahrtenbuchs abgabenrechtlich nicht notwendig. Der Firmenwagen sollte dann aber in der Nacht und am Wochenende auf dem (versperrten) Firmenparkplatz stehen.

6. Führen eines ordnungsgemäßen Fahrtenbuchs

Damit ein Fahrtenbuch als Beweismittel für berufliche und private Fahrten gilt, muss es nach Ansicht der Finanzbehörde folgendermaßen geführt werden:

• in gebundener Form, damit nachträgliche Änderungen nicht mehr möglich sind

• zeitnah

• zeitliche Angaben von Datum, Beginn und Ende der beruflichen Fahrt müssen vermerkt sein

• Kilometerstand am Anfang und Ende der Fahrt, Anzahl der gefahrenen Kilometer müssen angegeben sein

• Zweck der Fahrt

Ist man verpflichtet, den kürzesten Weg laut Routenplaner zu nehmen?

Bei der Betriebsprüfung legen die Prüfer besonders Augenmerk auf die Nachberechnung der Strecke laut Routenplaner. Trotzdem besteht keine Verpflichtung, den kürzesten Weg zu nehmen und die Gründe für den gewählten Weg anzuführen.

Ist das Führen eines Fahrtenbuchs elektronisch im Excel normkonform?

Hier sagt die Finanzbehörde nein, da eine Excel-Tabelle auch im Nachhinein veränderbar ist.

Private Kraftfahrzeug-Nutzung eines wesentlich beteiligten Gesellschafter-Geschäftsführer

Ist ein Gesellschafter-Geschäftsführer zu mehr als 25 Prozent am Stammkapital beteiligt, gilt er als wesentlich beteiligter Gesellschafter-Geschäftsführer und bezieht damit Einkünfte aus selbständiger Arbeit und gilt somit nicht als Dienstnehmer. Wird ihm von der Gesellschaft ein Kraftfahrzeug zur Verfügung gestellt und darf er dieses auch privat nutzen, dann hat er diese Kfz-Nutzung auch als Einkünfte anzusetzen. Die Einkünfte eines wesentlich beteiligten Gesellschafter-Geschäftsführers sind in die Bemessungsgrundlage für die Lohnnebenkosten einzubeziehen, wie bei einem Dienstnehmer auch.

Das Bundesministerium für Finanzen geht davon aus, dass als Bemessungsgrundlage die Brutto-Arbeitslöhne heranzuziehen sind. Als „Bruttobezüge“ sind beim wesentlich beteiligten Gesellschafter-Geschäftsführer die Gehälter und sonstigen Vergütungen jeder Art – zu der auch die ausschließliche Nutzung eines Kfz zählt  – anzusehen.

Sind sämtliche Kosten der Kfz-Nutzung Teil der Lohnnebenkosten?

Der Auffassung, lediglich den auf die Privatnutzung entfallenden Teil der Bemessung der Lohnnebenkosten heranzuziehen, folgt die Finanzverwaltung aufgrund mehrerer entsprechender Judikate nicht (mehr).

(Inhalte stammen vom der Wirtschaftsprüfungs- und Steuerberatungsgesellschaft Moore Stephens City Treuhand. Zu Rückfragen standen die Experten Magister Christoph Malzer, Wirtschaftsprüfer, Steuerberater und Geschäftsführer bei Moore Stephens City Treuhand und Magister Karin Meier, Steuerberaterin Moore Stephens City Treuhand zur Verfügung)

Autor/in:
Redaktion Elektrojournal
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