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Sortiment und Märkte sollen schrumpfen und Raum für neue Warengruppen und mehr Dienstleistungsangebote erschlossen werden.

Stärker zentralisieren & Flächen reduzieren: Die Ceconomy-Spitze spricht Tacheles

10.12.2019

In einem Interview mit der deutschen Handelszeitung lassen Ceconomy-Interimschef Bernhard Düttmann und Media-Saturn-Oberhaupt Ferran Reverter tief blicken und kündigen bereits deutliche Veränderungen der Märkte an. Die Flächen sollen reduziert, die Organisation stärker zentralisiert werden.

Eines wird allerdings sehr schnell klar, der Weg aus der Krise wird kein einfacher – und schon gar kein schneller. Daran schuld sei nicht zuletzt auch Düttmanns Vorgänger Jörn Werner, den er im Oktober abgelöst hat. „Ein CEO muss immer die Mannschaft hinter sich bringen, sonst kann er nichts umsetzen“, sagt Düttmann. Das habe Werner aber nicht geschafft. Noch heftiger kritisiert Düttmann aber dessen Vorgänger Pieter Haas. „Als ich in den Aufsichtsrat einzog, zeigte man uns viele Schaubilder über die Transformation des Unternehmens. Die sahen toll aus.“ Davon verwirklicht wurde aber nur wenig und auch im operativen Management habe es große Probleme gegeben. „Da wurde nur koordiniert, nicht umgesetzt“, so Düttmann.

Pläne wirklich umsetzen will Düttmann nun gemeinsam mit Ferran Reverter, der die operative Gesellschaft Media-Saturn-Holding führt. Die ersten Schritte: das Sortiment soll, ebenso wie die Flächen der Märkte, kräftig verkleinert werden. „Man muss nicht unbedingt 200 verschiedene TV-Geräte im Angebot haben. Wenn es die richtigen sind, reichen auch 100. Dadurch schaffen wir Raum für neue Warengruppen und für mehr Dienstleistungsangebote, etwa in der E-Mobilität, im Gesundheitssektor und im Bereich Smart Home“ so Reverter. Gleichzeitig sollen die Märkte schrumpfen: „Wir wissen, dass wir als optimale Größe in der Regel zwischen 1.700 und 1.800 Quadratmeter benötigen“, sagte Reverter dem Handelsblatt. Heute liegt der Schnitt (in Deutschland) bei rund 3.000 Quadratmetern. „Aber wir können die Flächen nicht von heute auf morgen reduzieren. Wir haben dazu einen klaren Plan entwickelt, den wir in den kommenden Jahren schrittweise umsetzen werden“, kündigt Reverter an. Ebenso soll an der „Gastlichkeit“ der Märkte geschraubt werden. „Heute ist die Atmosphäre in manchen unserer Märkte noch zu kühl“, räumt Düttmann im Gespräch mit dem Handelsblatt ein. Die Läden müssten einladender werden. „Die Leute wollen etwas erleben, sie wollen Spaß haben beim Einkaufen.“

Länderkompetenzen werden beschnitten

Zahlreiche Änderungen wird es auch aus organisatorischer Sicht geben. Düttmann kündigt an, das Unternehmen deutlich stärker zu zentralisieren, um Kosten zu sparen und Entscheidungswege zu verkürzen. „Wir kommen aus einer völlig dezentralen Welt: Marken, Länder – alle haben sehr eigenständig agiert“, sagte er. Das Unternehmen habe sich zu lange in „falscher Sicherheit“ gewiegt. „Als uns das klar wurde, haben wir gehandelt.“

Düttmann weiter: „Es geht einfach nicht, dass jedes Land und jeder Markt etwas anderes anbietet. Wir kaufen jetzt zunehmend zentral ein und geben auch das Ladendesign vor, für kleine, mittlere und große Läden.“ „In jedem Land wird es einen Pilotmarkt geben, an dem sich alle anderen Geschäfte orientieren“, ergänzt Reverter.

Hier finden Sie das – sehr lesenswerte – Interview im Volltext. (kostenpflichtig)

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