Direkt zum Inhalt
Chinesische Onlinehändler müssen nicht sonderlich viele Briefmarken auf ihre Packerl nach Europa kleben.

Sie haben (Billig-)Post … aus China!

25.09.2019

Die USA haben sich im Weltpostverein aufs Billigporto für Warensendungen aus China eingeschossen: Der Versand von Peking nach Wien ist billiger, als eine Paketsendung von Graz nach Bregenz. Kippt das internationale Portosystem könnte das auch durchaus positive Folgen für den heimischen (Online-)Handel haben.

Krisenstimmung im Weltpostverein (ja, diesen Verein gibt’s wirklich). In Genf wird derzeit darüber diskutiert, wie man die Gebühren im internationalen Postversand künftig regeln soll. Der Grund dafür: Dem Gründungsmitglied USA ist der Kragen geplatzt und drohen nun damit, das fast 150 Jahre alte einvernehmliche System zu sprengen. Sie wollen noch im Oktober aus der Organisation mit 192 Mitgliedsländern austreten – wenn die Billigpost aus China nicht unterbunden wird.

Der Ärger der Amerikaner ist auch für Europäer gut nachvollziehbar. Billigwaren aus China überschwemmen die Märkte. Die spottbilligen Verkaufspreise sind nicht nur der berühmten 22-Euro-Grenze (hier gibt’s mehr Infos) sondern teilweise auch den ebenfalls spottbilligen Portokosten geschuldet. Im Grunde zahlen chinesische Onlinehändler für 2-Kilo-Pakete nämlich weniger Porto, als hierzulande ein Paket von Salzburg nach Wien kostet.

Der Grund dafür liegt in der Historie. Der Weltpostverein hat die Länder der Welt in vier Kategorien eingeteilt. Die Industrieländer sind in der obersten Kategorie, die ärmsten Länder in der untersten. Der durchaus sinnvolle Leitgedanke war, die ärmeren Länder zu begünstigen. Schickt jemand einen Brief aus dem bitterarmen Venezuela nach Österreich, bekommt die Österreichische Post weniger Vergütung, als wenn der gleiche Brief in den USA abgeschickt wird. Lange Zeit war das auch kein Problem. Bis der Online-Handel – und hier vor allem die chinesischen Billigportale wie AliExpress oder Wish – zu boomen begannen.

Zukunftsbusiness?

Dass es hier keine eindeutige Stellungnahme aller reichen Länder gemeinsam gibt erklärt sich übrigens dadurch, dass manche Postunternehmen ein großes Zukunftsgeschäft wittern – auch wenn sie derzeit mit der China-Post Verluste machen. „Auch, wenn die Entschädigungen für die Sendungen aus Asien noch niedrig sind, lohnt sich das Geschäft für die Post, weil es sich dabei um ein Mengengeschäft handelt", schrieb etwa die Schweizer Post in ihrem Geschäftsbericht 2017.

Jetzt galoppieren allerdings die USA vorne weg und möchten die Gebühren für die Postweiterleitung nun selbst festlegen. „Den USA muss erlaubt werden, ihre eigenen Gebühren festzulegen, damit das Postunternehmen sich die entstehenden Kosten bei den Absendern aus anderen Ländern erstatten lassen kann“, so US-Unterhändler und Trump-Berater Peter Navarro. Findet man bis Donnerstag keine Einigung, scheiden die USA am 17. Oktober aus der Organisation aus und müssten dann mit jedem Land Einzelverträge aushandeln.

Update

Das internationale Post-Chaos konnte abgewendet werden. Die 192 Mitglieder der Organisation einigten sich gestern in Genf einstimmig auf einen Kompromiss und haben den Weg für schnelle Gebührenerhöhungen freigemacht. Der drohende drohenden Austritt der USA ist somit vom Tisch. 

Werbung

Weiterführende Themen

Beratende Saturn-Mitarbeiter sind mit einer mobilen Kamera ausgestattet.
Branche
29.04.2019

Ab sofort können sich Kunden auch im Saturn-Onlineshop von den Verkäufern aus den Saturn-Märkten beraten lassen. In Deutschland wurde jetzt das erste Testprojekt gestartet.

Branche
09.04.2019

Die Bundeswettbewerbsbehörde (BWB) hat im Ermittlungsverfahren gegen den US-amerikanischen Onlinehändler Amazon nun eine Marktbefragung gestartet. „Es wurden mehrere 100 Auskunftsverlangen an die ...

Digitec Galaxus: Das deutsche Headquarter in Hamburg.
Branche
01.04.2019

Ende November 2018 gestartet scheint der Schweizer Onlinehändler bei den deutschen Kunden auf große Resonanz zu stoßen. Obwohl kaum Werbung betrieben wird, werden schon jetzt jeden Monat Netto- ...

Amazon-Bestellungen können nun auch monatlich bezahlt werden.
Branche
25.03.2019

Kunden können ab sofort bei Amazon-Einkäufe gebührenfrei per Sammelrechnung bezahlen – monatlich. Damit erhalten sie auch einen kurzfristigen zinslosen Kredit.

Werbung