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Sharp schießt sich auf einen Distributionspartner ein: Ist Schuss die neue Heimat für die Japaner?

03.09.2012

Die dicke Luft während Sharps IFA-Pressekonferenz war beinahe mit Händen zu greifen. Also präsentierte man brav seine Produktneuheiten und seine große Vergangenheit, Fragen zur Zukunft des Unternehmens wurde dagegen elegant ausgewichen – oder gar überhört. Zumindest für Österreich zeichnet sich derweil allerdings eine Lösung ab: mit einem Distributionspartner.

Die internationalen Vorzeichen standen bereits seit Wochen schlecht. Die Aktie im freien Fall, ein kolportierter Mitarbeiterabbau, der rund 10.000 Personen treffen soll und ein wackelnder Deal mit Großinvestor Hon Hai (Foxconn). Lediglich die Tatsache, dass die Japaner die Displays des neuen iPhones produzieren, sorgte kurzfristig für kommunikatives Oberwasser (jedenfalls bis bekannt wurde, dass die Fertigung angeblich mit groben Problemen zu kämpfen hat) . Auf der IFA machte man dennoch gute Mine zum bösen Spiel und ließ es sich nicht nehmen, den staunenden Journalisten die brandneue IGZIO-Technologie sowie einen beeindruckenden 90-Zoll-LCD-TV zu präsentieren.  

 

Dass man dabei ganz auf die Zukunft des Unternehmens vergessen hat, mag einen einfachen Grund gehabt haben. Zumindest wenn man den internationalen Medienberichten Glauben schenkt, wonach das letzte Treffen zwischen Sharp-Präsident Takashi Okuda und Hon Hai-Boss Terry Gou in einem Eklat endete. Die beiden wollten eigentlich über die geänderten Vorzeichen beim geplanten Hon Hai-Einstieg diskutieren. Das taten sie dann zwar auch, aber ohne jegliches Ergebnis.

 

Bekanntlich wollte Hon Hai noch im Frühjahr mit 9,9 Prozent bei Sharp einsteigen und dafür 500 Yen pro Aktie berappen. Das war allerdings, bevor sich die Sharp-Aktien aufgrund der finanziell angespannten Lage im Keller landeten. Hon Hai stellte die Vereinbarung in Frage, nachdem Sharp nach dem höchsten Verlust des Unternehmens überhaupt im Jahr 2011 für das vergangene Quartal abermals einen Nettoverlust von 250 Mrd. Yen melden musste. Plötzlich war man nur noch bereit 200 Yen pro Aktie zu zahlen, bzw. wollte für das vereinbarte Geld ein entsprechend größeres Stück vom Unternehmenskuchen abkriegen.

 

Das lehnte nun jedoch Takashi ab und sagte, es bleibe bei den ursprünglich vereinbarten 9,9 Prozent. Hon Hai-Chef Gui reiste danach eiligst ab und ließ die bereits auf die Pressekonferenz wartenden Journalisten abblitzen. Er kann es sich leisten, spielt die Zeit doch in seine Tasche: Sharp braucht dringend kurzfristiges Bargeld. Und das ist für das Unternehmen nicht billig, nachdem die Rating-Agentur Standard & Poor's die Kreditwürdigkeit inzwischen auf Ramschstatus – von „BBB“ auf „BB+“ - senkte.

 

Ersetzt Sharp Toshiba bei Schuss?

 

Ungeachtet der internationalen Troubles, zeichnet sich nun wenigstens für Sharp in Österreich eine Lösung ab. Nachdem die Niederlassung der CE-Sparte aufgelöst wurde, heißt der neue Weg nun Distribution. Eine offizielle Bestätigung steht zwar noch aus, die Zeichen dürften aber auf Distributor Schuss stehen. Was insofern auch passen würde, da Schuss erst vergangenes Jahr die Vertretung von Toshiba verloren hat. Auf der kommenden Futura hat Sharp übrigens einen kleinen Unterschlupf am EP:-Stand gefunden. 

Autor/in:
Redaktion Elektrojournal
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