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Die Auswahl im Elektrohandel ist groß, die Umsätze im ersten Halbjahr aber kleiner als im Vorjahr

Schwierige Zeiten für den Elektrohandel

31.07.2017

Bei der Umsatzentwicklung im Einzelhandel ist der Elektrohandel der große Verlierer. Während der gesamte Handelsbereich im ersten Halbjahr 2017 die beste Entwicklung seit 2010 hinlegte, büßte der Elektroniksektor 2,1 Prozent beim Umsatz ein.

Im Einzelhandel ist ein Konjunkturaufschwung deutlich zu spüren – wo er nicht angekommen ist, ist der Einzelhandel mit Elektrogeräten, Computern und Fotoartikeln. Der Elektrohandel ist der größte Verlierer in der ersten Jahreshälfte, mit Umsatzeinbußen von 2,1 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Ein weiterer Dämpfer für die Branche, die in den letzten Jahren durch die Großpleiten von DiTech 2014 und Niedermeyer 2013 erschüttert wurde.

Bei vielen anderen Branchen sieht es besser aus: Insgesamt hat der Einzelhandel im ersten Halbjahr 2017 nominell um 2,5 Prozent (in Summe um 800 Mio. Euro) zugelegt. Die Gesamtumsatzsumme beträgt daher  33,9 Mrd. Euro, was real einem Plus von 1,4 Prozent entspricht.

Ebenfalls Verluste hatte der Spielwarenhandel. Selbst das Ostergeschäft hat hier nicht den erhofften Umsatzkick gebracht - die Erlöse gingen um 1,3 Prozent zurück. Auch der Möbelhandel (-0,8 Prozent) und Buch- und Schreibwarengeschäfte (-0,5) hatten mit leichten Umsatzrückgängen zu kämpfen.

Start des Handelsturbos

"Der Handelsturbo ist gestartet. 2016 war es noch ein kleines Lüfterl, heuer ein kräftiger Aufwind", sagt Handels-Obmann Peter Buchmüller zu den diesjährigen Entwicklungen im Einzelhandel.  Vom Konjunkturaufschwung hat jedoch der Lebensmittelhandel bis jetzt am meisten profitiert. Das nominelle Plus fällt mit +5,6 % wieder deutlich höher aus als im Jahr 2016. Damit liefert die Branche ein Drittel des Gesamtumsatzes im Einzelhandel. Schuh- und Lederwarenhandel (+3 Prozent), Sportartikelhandel (+2,7 Prozent) sowie der Bauhandel (+1,9 Prozent) zählen ebenfalls zu den Gewinnern die über dem Durchschnitt liegen.

Im stationären Handel sind im ersten Halbjahr nicht nur die Umsätze gestiegen. Die Höhe der Preise (+ 1,1%) gingen auch nach oben. Der Preisauftrieb hat im Vergleich zum Vorjahr wieder zugenommen liegt aber noch immer unter der Inflationsrate (2,0%). Preistreiber für die allgemeinen Verbraucherpreise sind vor allem Treibstoffe, Mieten und Bewirtschaftungsdienstleistungen sowie seit Mai Nahrungsmittel (besonders die Preise für Brot/Backwaren, Milcherzeugnisse, Getränke und Fisch haben zugelegt).

Zu den höchsten Verkaufspreissteigerungen ist es im Uhren- und Schmuckeinzelhandel sowie im Spielwareneinzelhandel gekommen. Genau diese Branchen haben bisher das höchste Minus der Absatzvolumina. 2017 gibt es auch mehr Personal in den Geschäften (+ 0,9 %). Etwa die Hälfte der insgesamt 329.500 Beschäftigten im Einzelhandel arbeitet Teilzeit, drei Viertel sind Frauen.

Weniger Geschäfte, starke Konzentration

Vor allem Unternehmen mit nur einem Standort haben derzeit zu kämpfen. "Mittlerweile werden 40 Prozent der Einzelhandelsgeschäfte in Österreich von filialisierten Einzelhandelsunternehmen betrieben, die in Summe 67 Prozent der gesamten Einzelhandelsverkaufsfläche auf sich vereinen", sagte Iris Thalbauer, Geschäftsführerin der Bundessparte Handel in der Wirtschaftskammer Österreich.

Allein seit 2006 ist die Anzahl der Einzelhandelsgeschäfte um 10.000 auf 37.800 im Jahr 2016 gesunken. In diese Periode fallen zahlreiche Großpleiten – beispielsweise Schlecker bzw. dayli und Zielpunkt, sowie DiTech und Niedermeyer im Elektrohandel. Die Zahl der Geschäfte sinkt weiter, insbesondere im Lebensmittel-, Drogerie- und Sportartikelhandel.

Obwohl Österreich im EU-Vergleich bei der Verkaufsflächendichte an der Spitze liegt, gehen die Flächen auch hierzulande zurück - seit 2006 von 14 auf 13,7 Millionen Quadratmeter. Damit stehen jedem Österreicher aber immer noch 1,56 m2, während es im EU-Schnitt nur 1,16 m2 sind. Bei den verbleibenden Händlern sorgt der Flächenrückgang für einen höheren Ertrag pro Quadratmeter.

Online-Konkurrenz

Nach Ernst Gitterberger, von der KMU-Forschung Austria, lässt die Zukunft kaum Hoffnung auf einen Wiederanstieg der Verkaufsflächen. Durch das vermutlich weiter wachsende Online-Geschäft dürfte den Unternehmen aufgrund der Raumordnung Grenzen gesetzt seien. Von dieser Entwicklung sind Schuh-, Buch-, Elektro- und Schmuckhändler am schlimmsten betroffen.

Derzeit werden hierzulande 3,4 Milliarden Euro im Onlinehandel umgesetzt. Davon ausgenommen sind Umsätze von Amazon oder Zalando, auf die noch einmal gut drei Milliarden Euro fallen dürften. Buchmüller ist allerdings optimistisch. Er ist der Meinung, dass man diese Zahlen nicht überbewerten dürfe, weil sie nur einen Bruchteil zum gesamten Einzelhandelsumsatz beitragen.

Wende der Konsumstimmung

Sowohl des Wirtschaftsforschungsinstituts Wifo als auch Gitterberger gehen davon aus, dass der Rest des Jahres weiterhin positiv verläuft. Normalerweise ist das erste Halbjahr das schwächere, weil in die zweite Hälft das umsatzstarke Weihnachtsgeschäft fällt. Das Wifo spricht sogar von einer Wende der Konsumstimmung. Ob und wie sich das auf die Elektrobranche auswirkt, ist derzeit noch nicht absehbar - zumindest das Weihnachtsgeschäft gibt aber Hoffnung.

Autor/in:
Redaktion Elektrojournal
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