Direkt zum Inhalt

Schneeballsystem Elektrohandel: eine Million Euro Schulden & zwei Jahren Bewährung für 22-Jährigen

07.03.2012

Waren billig anbieten, von den Kunden kassieren und die Geräte billig bestellen: Der 22-Jährige stellte es sich recht leicht vor, einen Elektrohandel im Internet zu führen. Jetzt sitzt er auf einem Schuldenberg von einer Million Euro und fasste zwei Jahre Bewährung und 100 Stunden Sozialarbeit wegen Betrugs aus. Das berichtet der Schwarzwälder Bote.

Die Taten sind "nicht mutwillig begangen worden", sagte der Richter. Er ließ Milde walten. Auf anraten eines Freundes gründete der 22-Jährige aus dem deutschen Baden-Württemberg vor drei Jahren einen Elektrohandel im Internet. Der sollte schnelles Geld bringen. Über Preissuchmaschinen kamen Kunden auf die eingerichtete Homepage. Bestellte Artikel mussten sie per Vorkasse bezahlen. Der 22-Jährige ohne Berufsausbildung leitete die Bestellung an seinen Großhändler in Frankreich weiter, der die Geräte an die Kunden schickte. 

Scheeballsystem: Immer mehr Reklamationen

Sämtliche Reklamationen gingen natürlich an den Betreiber des Shops. Immer mehr Elektrogeräte wurden an den jungen Deutschen zurückgeschickt, immer mehr unzufriedene Kunden wollten ihr Geld zurück. Die Kohle konnte er nur zurückerstatten, wenn neue Kunden bei ihm bestellten. Er ließ sich bei immer mehr Preissuchmaschinen aufnehmen, im Gegenzug hagelte es immer mehr Reklamationen. 


Ohne Mehrwertsteuer

Das Geld ging ihm aus. Also kam der 22-Jährige auf die glorreiche Idee, seine Waren ohne Mehrwertsteuer anzubieten, um im harten Preiskampf bessere Karten zu haben. Ende 2010 kam ihm die deutsche Steuerfahndung auf die Schliche.

In dem einen Jahr Elektrohandel brachte er es auf eine Million Euro Schulden beim Finanzamt, bei Kunden und bei Preissuchmaschinen. 540 Mahnbescheide erhielt der Angeklagte. Laut Schwarzwälder Bote bekamen 379 Kunden weder die Ware noch den Kaufpreis zurückerstattet.

Für den Richter ist dieser Fall mit anderen Internetbetrugsfällen nicht vergleichbar. Weil der Angeklagte Reue zeigte und gerade die Matura nachmacht, wurde er milde bestraft. Er fasste zwei Jahre auf Bewährung und 100 Stunden Sozialarbeit aus.

Autor/in:
Redaktion Elektrojournal
Werbung

Weiterführende Themen

Branche
08.04.2020

Mit 14. April dürfen Geschäfte bis 400 qm wieder öffnen - sofern sich die Corona-Lage über die Osterfeiertage nicht wieder verschlimmert und danach strengste Sicherheits- und Hygienevorschriften ...

Branche
07.04.2020

Die Regierung hat einen Stufenplan zur Wiederaufnahme des wirtschaftlichen und sozialen Normalbetriebs vorgestellt, wobei der Handel Mitte April zumindest teilweise wieder starten darf.

Branche
15.09.2014

Der Umsatz bei elektrischen Konsumgütern stagniert, lediglich Kleingeräte verzeichnen ein deutliches Absatzplus. Im Vergleich zum ersten Halbjahr des Vorjahres kann die Branche etwas durchatmen. ...

Werbung