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Sauteure Rücksendungen: Jede dritte Online-Bestellung ist ein Schmäh

21.11.2013

Die deutschen Online-Händler sind verärgert. Eine bei unseren nördlichen Nachbarn erhobene Studie der Beratungsgesellschaft Pricewaterhouse Coopers (PwC) besagt: Jeder dritte Online-Kunde weiß bereits während seines Einkaufs im Internet, dass er die bestellte Ware wieder zurücksenden wird. Jeder fünfte der 1.000 Befragten gibt an, so öfters um Web „einzukaufen“. Eine neue europäische Richtlinie soll das „Rücksende-Problem“ lösen. Diese wird aber neue Probleme für den E-Commerce schaffen.

Das Ergebnis der Studie kommt nicht wirklich überraschend. Bereits im Februar berichtete Elektrojournal Online, dass etwa 30 Prozent der Ware retourgeht und die deutschen Händler auf die Barrikaden gehen. Wenn die neue EU-Richtlinie über die Rechte der Verbraucher in Kraft tritt, wollen 76 Prozent der deutschen Händler nicht mehr für Rücksendungen blechen, wie eine Studie der Universität Regensburg besagt. Die Richtline tritt mit Juni 2014 in Kraft und wirbelt den Online-Handel gehörig durcheinander. Unter anderem steht eben drinnen, dass künftig der Kunde die Rücksende-Kosten tragen muss.

Situation in Österreich (theoretisch) anders

Elektrojournal brachte eine ausführliche Analyse der Richtlinie in der Ausgabe 6/2012. Natürlich gilt diese dann auch für Österreich. Allerdings ist in Sachen Rücksendungen die Situation der Verbraucherrechte in Österreich eine andere als in Deutschland, womit auch nur die Umfragen und Studien einen bedingten Wert für unser Land haben. Denn zumindest theoretisch müssen rot-weiß-rote Web-Händler die Retourkosten nicht übernehmen. Die Kosten des Rückversands trägt der Kunde, sofern dies vereinbart wurde.

Kunde erwartet gratis Rücksendemöglichkeiten

Die Online-Krux in der Realität: Natürlich macht für viele Verbraucher erst die kostenlose Rückgabe das virtuelle Shopping-Erlebnis interessant – wie auch die aktuelle Umfrage belegt. Wenn es tatsächlich Usus wird, dass die Kunden für Rücksendungen blechen, wird der Wachstumsschub des E-Commerce wohl abrupt abbremsen. Denn nicht wenige Kunden würden dann dem Internet als Verkaufskanal den Rücken kehren. 17 Prozent der Befragten gaben an, dann nur in den Stationärgeschäften vor Ort einzukaufen. Fast jeder Zweite würde die Einkäufe im Internet einschränken.

Die Kosten der Retouren aufseiten der Händler sind enorm: Eine auf Umfragen basierte Schätzung der Universität Bamberg aus dem vergangenen Jahr hat ergeben, dass rund in Deutschland 250 Millionen Pakete wieder zurückgeschickt wurden, berichtet die Nachrichtenagentur Pressetext. Jede einzelne Rücksendung kann den kleinen Händler bis zu 17 Euro kosten, Marktriesen wie Zalando und Amazon zwischen zwei und drei Euro.

Autor/in:
Redaktion Elektrojournal
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