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In Wien finden sich die reichsten und ärmsten Bezirke Österreichs.

RegioData-Studie: Deutliche Kaufkraftzuwächse in Österreich

28.05.2019

Im vergangenen Jahr ist die durchschnittliche Kaufkraft der Österreicher um 1,8 % (real, also unter Berücksichtigung der Inflation) gestiegen. Das ist der höchste Anstieg seit 12 Jahren.

Ein stabiles Wirtschaftswachstum, gute Exporte, eine geringe Arbeitslosenquote, ein boomender Tourismus und vergleichsweise hohe Lohnabschlüsse haben direkte positive Auswirkungen auf das verfügbare Einkommen der Privathaushalte. 2018 verfügte ein durchschnittlicher Österreicher über eine Kaufkraft von 22.663 Euro pro Jahr und damit um nominell  70 Euro/Monat mehr als im Jahr zuvor. Aktuell zeichnet sich für 2019 auch eine ähnlich hohe Steigerung ab.

Europa: Österreich stabil auf Platz 8

Im europäischen Vergleich hält Österreich den 8. Rang. Betrachtet man nur die Eurozone, macht das immerhin Rang 2 hinter Luxemburg. An der Spitze hat es keine Veränderung gegeben: Die Schweizer sind mit Abstand die reichsten Europäer. Sie haben mit einem durchschnittlichen jährlichen Einkommen von umgerechnet etwa 38.500 Euro die Luxemburger mit „nur“ etwa 36.800 Euro klar auf den 2. Platz verwiesen – auch dank des starken Schweizer Frankens. Einem durchschnittlichen Schweizer stehen somit fast doppelt so viele Geldmittel zur Verfügung wie einem Österreicher. An dritter Stelle befindet sich Island, gefolgt von Norwegen und Großbritannien.

Niederösterreich Nr. 1, Kärnten schwach

Betrachtet man die absolute Kaufkraft je Einwohner in Österreichs Bundesländern, so haben alle Einwohner zwar einen Zuwachs, aber an der Rangreihung hat sich einiges verändert: Salzburg und Wien waren viele Jahre unangefochten an der Spitze der Kaufkraft, doch das ist vorbei: Durch den Wegzug der einkommensstarken Bevölkerungsgruppen in den Speckgürtel und durch den Zuzug einkommensschwacher Bevölkerungsschichten haben die Wiener erstmals eine unterdurchschnittliche Kaufkraft, mit einem Indexwert von 99,4 (Österreich = 100,0). Profitiert hat davon Niederösterreich, dessen Indexwert kontinuierlich steigt und nun bei immerhin 103,5 liegt – knapp vor Salzburg.

Der Trend, dass die relative Kaufkraft in der Hauptstadt sinkt, ist übrigens nicht auf Wien beschränkt, sondern auch in vielen anderen europäischen Ländern zu beobachten. Der Zuzug von einkommensschwachen Personengruppen aus dem In- oder Ausland, die hier auf besseres Einkommen und Lebensbedingungen hoffen, drückt den Durchschnitt nach unten. Vor einigen Jahren hatten sich noch das Burgenland, die Steiermark und Kärnten um die rote Laterne gestritten. Dieses Match scheint bis auf weiteres entschieden: Kärnten bleibt mit immer größerem Abstand das Schlusslicht (Index: 94,0)

Regionale Kaufkraftunterschiede verschieben sich

Die fünf kaufkräftigsten Bezirke Österreichs bleiben gleich wie letztes Jahr. Wien I ist zwar auch weiterhin mit großem Abstand der kaufkräftigste Bezirk, die Zuwächse sind allerdings schwächer als im Bundesdurchschnitt. Die kaufkraftschwächsten Bezirke liegen in Wien, Osttirol und Kärnten. Aber langfristig betrachtet, verschiebt sich das Wohlstandsniveau. Während vor Jahren noch vor allem der Norden (Waldviertel), das Südburgenland und die Südsteiermark die kaufkraftschwächsten Regionen waren, sind es nun Osttirol, einige Kärntner Bezirke und die „Zuwandererbezirke“ in Wien. In der Bundeshauptstadt bestehen insgesamt die größten Disparitäten: Die „ärmsten“ Bezirke sind nur wenige Kilometer von den „reichsten“ Bezirken entfernt. Und immerhin verfügt ein durchschnittlicher Bewohner des 15. Bezirks nur über die Hälfte des Geldes eines Bewohners des 1. Bezirks.

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