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Quelle: Ein Jubiläumsjahr hätte es für die Österreichtochter werden sollen, nun klopft das Ende an die Tür

06.11.2009

Als sie gestern die Internetmeldungen lasen, fiel den Quelle-Mitarbeitern buchstäblich die der die Kinnlade runter. Denn wie gestern bereits auf Elektrojournal Online berichtet, wurde der für potenzielle Käufer attraktivste Posten bereits verschachert . Ohne Markenrechte scheint ein Kauf der Quelle-Österreich-Aktien unmöglich.

Ein 50jähriges Firmenjubiläum stellt man sich anders vor. Mit Stolz wurde noch der Jahresabschluss per 30.09.2008 präsentiert. Dieser hatte einen Jahresüberschuss von rund sieben Mio. Euro. Bei einem Umsatz von 215 Mio. Euro ergibt das gut drei Prozent Umsatzrentabilität, ist also durchaus herzeigbar, bestätigt auch der KSV. Doch die Jahre davor waren keineswegs rosig. Schon in der Bilanz vom 30.09. waren Verbindlichkeiten von 76,5 Mio. Euro ausgewiesen.

Obwohl Quelle Linz eigenständig geführt wird, zählt es doch zur Arcandor-Primondo Firmengruppe. Und ist von dieser auch bei Einkauf, IT, Logistik und Marketing abhängig. Unweigerlich geriet die Tochter in den Insolvenzstrudel und wurde zum Asset der deutschen Masseverwertungsmaßnahmen. "Den Berichten zufolge, scheint es nicht mehr möglich zu sein, das gesamt Unternehmen einem Investor zu verkaufen", führt Otto Zotter, Leiter der KSV-Niederlassung in Linz aus.

Eine Niederlassung ohne Namensrechte
"Der für potentielle Käufer attraktivste Posten aus dem Vermögen eines Versandhändlers ist wohl der Kundenstock. Und den scheint sich nun ein großer Mitbewerber über den Erwerb der Markenrechte günstiger sichern zu können, als durch den Kauf der Quelle-Österreich-Aktien." Hier hätten nämlich auch die Verbindlichkeiten und die Dienstverträge inklusive Abfertigungsansprüche mit übernommen werden müssen.

Beim KSV1870 wurde deshalb die Bonitätsbeurteilung auf "Hohes Risiko" umgestuft. "Sollte die "allerletzte Chance" in den Verhandlungen, von der das Quelle-Management noch spricht, nicht ergriffen werden können, so spricht sich der KSV für eine rasche Insolvenzeröffnung aus, um in einem Gerichtsverfahren wieder Rechtssicherheit für alle Beteiligten herzustellen", meint Zotter. Damit gäbe es Sicherheit für die Kunden wie auch die Dienstnehmer. "Letztlich wird ein österreichischer Masseverwalter auch zu klären haben, ob eine Muttergesellschaft, die für die notwendige Kapitalausstattung einer Tochtergesellschaft die Verantwortung trägt, den Spieß ganz einfach umkehren und der Tochter lebensnotwendige Bestandteile wie Markenrecht entziehen kann", ist Zotter überzeugt.

Rasche Insolvenzeröffnung hilft allen Beteiligten
Über den aktuellen Schuldenstand der Quelle Österreich gibt es derzeit keine offiziellen Informationen. Geht man allerdings von der letzten Bilanz aus, reiht sich dieses Verfahren unter den zehn größten, die Oberösterreich erleben musste, ein. "Sollte daher die allerletzte Chance auf Vermeidung eines Insolvenzverfahrens kommende Woche sterben, so lebt mit dem Konkurs wieder eine neue Chance auf, die allerdings nicht ohne Einschnitte bei Gläubigern und vermutlich auch bei den Dienstverhältnissen auskommen wird," fasst Otto Zotter vom KSV Linz die Dramatik der momentanen Situation der Quelle zusammen.

Autor/in:
Redaktion Elektrojournal
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