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PV-Anlagen derzeit so günstig wie nie

22.04.2016

Warum gerade jetzt der perfekte Einstieg in die Photovoltaik-Welt ist, hat uns Photovoltaik-Austria Chef Dr. Hans Kronberger anhand einiger schlüssiger Argumente erklärt.

Dr. Hans Kronberger ist Präsident des Bundesverbandes Photovoltaik Austria.

Was sind die so genannten „Killerargumente“ für PV-Anlagen – womit kann ein PV-Installateur bei seinen Kunden-Beratungsgesprächen erfahrungsgemäß besonders punkten?

PV-Anlagen sind derzeit so kostengünstig wie noch nie. Die Preise sind in den letzten zehn Jahren um über 70 Prozent gefallen. Angesichts der niedrigen Bankzinsen rentiert sich die Anschaffung einer Anlage da sie inflationsgesichert ist und eventuelle Strompreissteigerungen nicht mitmacht. Zusätzlich ist für Kleinanlagen bis 5 kWp ist noch ausreichend Förderbudget vorhanden. Nach jetzigem Stand produziert eine Anlage auf 25 Jahre Strom zu Kosten zwischen 7 und 9 Cent/kWh.

Es empfiehlt sich aber im Frühjahr die Anlagen zu erreichten um bereits den Sommerüber Sonnenstrom ernten zu können. Eine Spekulation auf einen weiteren Preisverfall von Anlagen ist nicht sinnvoll, da die Modulpreise derzeit wieder ganz leicht im Ansteigen sind. Besondere Bedeutung hat der Eigenverbrauch von Sonnenstrom, der bis 25.000 kWh steuerfrei ist.

Wie bürokratisch ist der organisatorische Ablauf bei der Errichtung hinsichtlich Ökostromgesetz, Bauverhandlung & Co?

Mit dem Ausbau der Photovoltaik ist erfreulicherweise in fast allen Bundesländern eine Entbürokratisierung einhergegangen. Die anfänglichen Schwierigkeiten mit Behörden sind durch laufende Gespräche und Interventionen im Wesentlichen ausgeräumt.

Welche Arten von Förderungen gibt es generell, inwieweit lassen diese sich parallel beantragen?

Bundesweit gibt es einmalige Investförderungen bis 5 kWp, sowie eine eigene Förderschiene für den ländlichen Raum für Anlagen bis 30 kWp. Für große Anlagen gibt es eine Förderung für den eingespeisten PV-Strom, die so genannten Tarifförderung, die nach dem Ökostromgesetzt geregelt ist. In den einzelnen Bundeländern gibt es noch zusätzliche Photovoltaik- sowie Speicherförderungen. Die Bezüglich einer Kombinationsmöglichkeit sind hier die Förderbedingungen zu beachten, die innerhalb der Bundesländer variieren. Alle Informationen dazu sind übersichtlich nachlesbar unter www.pvaustria.at .

Investitionsförderung versus Tarifförderung – bei welcher steigt man „besser“ aus?

Durch die dramatische Preisdegression von PV-Anlagen ist das Fördersystem über die Tarife gründlich zu überdenken.

War bei Schaffung des Ökostromgesetzes (Grundlage für die Tarifförderung) noch ein Förderbedarf für die eingespeiste Kilowattstunde von 27,5 Cent vorhanden, so wird derzeit mit einem Sockelbetrag von 375 Euro/kWp und einem Tarif von 8,24 Cent/kWh das Auskommen gefunden. Das heißt: war es ursprünglich sinnvoll den gesamten erzeugten Sonnenstrom ins Netz einzuspeisen und bei Bedarf billiger zurück zu kaufen, so ist das System inzwischen gekippt und der Eigenverbrauch wird ständig lukrativer. Mit einer Umstellung von Tarif- auf Investförderung könnte man in den nächsten Jahren mindestens die dreifache Menge an PV-Strom fördern ohne einem Cent an Mehrkosten. Dies würde auch einen Arbeitskräftebedarf von zirka 2.600 Errichtern ergeben.

„Strom verkaufen“ – inwieweit ist hier bereits ein Wettbewerb entstanden? Oder erhält man ohnehin nur den Einheitspreis der OeMAG?

Aktuell kann man den überschüssigen PV-Strom nur an einen Energieversorger seiner Wahl verkaufen, oder der OeMAG wenn man eine Förderzusage hat. Derzeit sind aber intensive Bemühungen in Gange einen Stromaustausch innerhalb von Gebäuden mit mehreren Nutzern zu ermöglichen. Bei einer entsprechenden Novellierung des ElWOGAS erwarten wir ein zusätzliches Ausbauvolumen.

Stichwort „Smart Grids“: Könnte die aktuelle Stromnetz-Infrastruktur mit einem PV-Boom überhaupt umgehen? Wie hoch wäre der Aufwand, Österreichs Netz auf die einspeisebedingten Spannungsschwankungen anzupassen?

Die österreichischen Stromnetzte sind noch bei weiten nicht an den Grenzen der Belastbarkeit angekommen. Auf Dauer gesehen wird es aber eine Grundreform geben müssen. Völlig falsch wäre es, die Photovoltaik für den Netzausbau Übergebühr in Geiselhaft zu nehmen.

Kosten-/Nutzenrechnung (Amortisationszeit) einer derartigen Anlage über ihre Lebensdauer inkl. Betriebskosten? Wie hoch ist generell die durchschnittliche Lebensdauer der PV-Zellen?

Bei der PV-Anlage geht man von einer Mindestlebensdauer von 20 bis 25 Jahren aus - so lange reicht auch der Versicherungsschutz. Historische Anlagen lassen allerdings vermuten, dass eine wesentlich längere Nutzungsdauer auch möglich ist. Zwischendurch ist die Anlagen zu warten und in den meisten Fällen auch der Wechselrichter zu tauschen.

Dünnschicht-Solarzellen, neuartige Speichermöglichkeiten & Co – mit welchen Innovationen werden wir schon bald rechnen können und wie dürften sich diese Entwicklungssprünge auf den Markt bzw. die PV-Durchdringung auswirken?

Die Amortisationszeit einer PV-Anlage hängt in erster Linie von der Menge des Eigenverbrauches ab. Im Optimalfall kann sich eine Anlagen in fünf bis sechs Jahren rechnen. Auf jeden Fall soll eine Anlage so konzipiert werden, dass sie ihre Amortisationszeit in unter zehn Jahren erreicht.

Dünnschichtsolarzellen halten sich am Markt. Sie sind besonders geeignet für großflächige Anlagen und liefern auch in Lichtschwächeren Regionen gute Ergebnisse. In Zukunft wird auch die Speichertechnik eine entscheidende Rolle spielen. Weltweit wird nach dem idealen Speicher gesucht. Hier steht in den nächsten Jahren mit hoher Wahrscheinlichkeit ein echter Boom bevor, der auch den Ausbau der Photovoltaik beflügeln wird.

Dieses Interview erschien als Printversion in Gebäude-Installation Heft 4, 2016.

Autor/in:
Christian Klobucsar
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